... jetzt hat er mich schon zum zweiten Mal erwischt, der Partner der Freundin, mit der gleichen Frage, die er mir schon mal vor vielen Monden gestellt hatte. Als ich die beiden besuchte - war es ebenfalls schon Gesprächsthema. Vielleicht ist es sogar das verbreitetste Gesprächsthema auf dem Planeten - "Beziehungen".
Ich ließ mich also nochmal zu einer privaten Anschauung mit mir selbst inspirieren - und finde es ganz in Ordnung, wie es ist. Für mich hat ein "Alleineleben" viele gute Qualitäten. Wäre es anders - wäre ich ja auf der Suche nach einem Partner. Bin ich aber nicht. Er seinerseits - hatte damals nach einer Trennung recht zügig nach neuen Kontakten gesucht, sogar über eine Vermittlung. Die Freundin hatte auch einige Jahre alleine gelebt, aber immer mit dem Wunsch nach einem Partner. So ergab es sich dann für diese beiden. Ein Glücksfall - vielleicht ein seltener - denn sie sind beide reif genug, ihre temporären Schwierigkeiten auf "erwachsene Weise" zu meistern. Niemand macht den Anderen verantwortlich für seine Gefühle, wie es sonst so oft der Fall ist - sondern jeder weiß, daß er/sie selbst hier etwas zu lösen hat und der Andere jeweils die eigenen Knöpfe drückt. Und nur so - kann es überhaupt gehen, meine ich. Allerdings scheint mir das eher selten der Fall zu sein. Bei diesen beiden - könnte ich mir gut vorstellen, daß sie sich für den Rest ihrer Tage gefunden haben.
Was ist jetzt mit solchen Menschen, die erst gar nicht suchen? Wie ich zum Beispiel.
Nun, das ist simpel: Da brauche ich mir im Grunde gar keine Gedanken drüber machen. Und tue ich auch selten. Höchstens mal - wenn ich direkt darauf angesprochen werde, wie in diesem Fall.
Da schaue ich nochmal nach - ob mir etwas fehlt. Und - kann nichts finden. Steht einfach nicht auf dem Plan. Sollte eines Tages eine Begegnung vom Himmel fallen, gilt es, im Moment darauf zu antworten. Sich einzulassen - oder auch nicht. Ich schließe selten etwas aus. Es ist nur so: Es ereignet sich nichts diesbezüglich. Vielleicht, weil der Wunsch nicht da ist? Wer weiß das schon.
Für mich ist diese Alleinzeit - oft ein Segen. Ich hab´s auch anders gekannt, eigentlich sehr anders früher mal. Im großen Clan aufgewachsen und mit großen Freundeskreisen verbunden. Selten allein, immer die Bude voll mit Leuten. Oder immer unterwegs - unter Leuten. Habe so meine Erfahrungen machen dürfen - mit unser aller Bedürftigkeiten und Erwartungshaltungen an andere Menschen, die dafür sorgen sollen, daß es uns gut geht. Das wir nicht verletzt werden. Und der Krampf - niemanden verletzen zu wollen. Erwartungen unter Freunden, Freundinnen, sie sollten jederzeit für einen da sein, wenn es mal schlecht geht. Habe mir das im Lauf der Jahre abgewöhnt. Kann vieles mit mir selbst abmachen, eigentlich das Meiste. Und wenn ich mal alle paar Jahre Ansprache brauche, weil´s gar nicht allein zu gehen scheint - ist es durchaus in Ordnung, wenn eine Freundin mir sagt, daß sie gerade keine Zeit habe. Früher mal - hätte mich sowas sehr empört.
Der Lebensweg führte also sozusagen - von allzu viel Verbindlichkeit in die Freiwilligkeit. Ich genieße es, wenig Erwartungen zu haben an andere Menschen. Und niemand Anderes ist für mein inneres Wohlergehen verantwortlich.
Wozu bräuchte ich einen Partner? Um nicht alleine zu sein? Um einen wohligen Wärmeaustausch mit solchem zu pflegen? Um etwas mit solchem zu unternehmen? Die besten Reisen und Ausflüge - habe ich oft alleine gemacht - und auf den Wegen auch Menschen getroffen. Als männlichen Spiegel? Keine Ahnung - es erschließt sich mir nicht.
Und so - ist es in Ordnung. Weil es eben so ist.
Für Andere - steht eben Partnerschaft auf dem Spielzettel. Und auch das - ist in Ordnung. Manchmal freue ich mich gar sehr für die, die es gut angetroffen haben.
Was m.E. nicht in Ordnung ist - ist diese "Pauschalvorstellung" der meisten Menschen, daß es eben dazugehört zum Leben, diese "eine Person" zu finden und das Leben mit ihr zu teilen. Meistens aus sehr egoistischen Motiven heraus - weil der Andere einem etwas geben soll. Was auch immer.
Anders gesagt, und durchaus zynisch: Allzu viele Beziehungen scheinen mir eher "Geschäftsmodelle" zu sein. Auch Freundschaften. Ich könnte für mich nicht mit Bestimmtheit sagen - was ich von einer Partnerschaft oder Freundschaft erwarte. Für mich bleiben Begegnungen "Geschenke" - und von solchen gibt es nichts Bestimmtes zu erwarten.
Gestern abend ereilte mich gar die Frage, ob ich an sowas wie "die große Liebe" glaube? Es erschien weit und breit kein "Ja", das war mir Antwort genug. Ein weites Feld.
Der Herr Thorwald Dethleffsen - vermag viel besser auf den Punkt zu bringen, was mich oft so befremdet. In diesem Vortrag mit Titel "Ödipus, der Rätsellöser" - beschreibt er im ersten Teil trefflichst, daß wir in einer "Kinderkultur" leben - in der jeder vom Anderen versorgt werden will. Eine Kultur, in der niemand mehr erwachsen wird. Diese "Kindermentalität" zieht sich durch alle Lebensbereiche. (ab Minute 30 etwa "legt er los" ...)
Und wenn ich mal so zurückblicke - ich hatte manchmal in vergangenen "Beziehungen" auch eher das Gefühl, ein Kind statt einen erwachsenen Mann an meiner Seite zu haben. Nicht etwa - daß ich "erwachsen" wäre - aber ich übe mich drin. Dieser Bibelspruch "So Ihr nicht werdet wie die Kinder" - trifft auf uns gar nicht mehr zu, da wir im Grunde immer Kinder bleiben.
Soweit ein paar weitere unvollständige Gedanken - die hypothetisch bleiben, da sich mir die Aufgabe einer Beziehung ja gerade gar nicht wirklich stellt. Es war aber ganz gut - mal wieder hinzuschauen - ob was fehlt?! Und welchen Vor-stellungen ich eventuell aufsitze. So wie früher mal - als ich auch noch dachte, daß eine Beziehung auf dem Programm stehen müsse. Es gibt sovieles - was in meinem Plan nicht steht - daß es schon wieder in Ordnung sein muß. Weil´s eben - so IST.
3 Kommentare:
sehr schön aufgeschrieben!
heute, nachdem ich fast 4 jahre eine neue partnerschaft lebe, denke ich sehr gelassen darüber. ich war auch vor dem zusammentreffen mit dem mann immer hin und hergerissen, ob ich das wirklich will. eine neue partnerschaft. ich war dazwischen 9 jahre alleine. er hat dann vollendete tatsachen geschaffen. aber ich sage dir, sati, nie wieder würde ich das durchhalten, was uns bis hier geführt hat, kriege um die legendäre zahncremetube und deine freunde/meine freunde bis hin zur paartherapie.
ein grauen. heute sind wir beide gelassen, wesentlich gelassener und lassen uns...
und du hast recht, die besten reisen macht der mensch alleine.
ich kenne paare, die grundsätzlich nicht zusammen reisen. es hat was.
also genieße dein all ein sein, denn es ist was wunderbares, erwachsenes.
grüße
m
Donnerwetter - stramme, gemeinsame Leistung! Habe durchaus Respekt vor Eurer Geduld und solchem "Einsatz" - und Du hast neulich noch behauptet, Geduld sei Dir nicht gegeben.
Ich glaube - durch sowas braucht man nicht zweimal zu gehen - einmal genügt - Ihr habt ja wohl gelernt, was zu lernen war.
Manchmal - sehr selten - gibt es auch bei mir so eine diffuse Sehnsucht - nach vermeintlicher Geborgenheit oder "Rückendeckung" in trauter Zweisamkeit ... sowas, was der Herr Thorwald einen "Anspruch auf eine heile Kinderwelt" nennt. Rosamunde Pichler läßt grüßen - die entscheidende Frage aber ist immer wieder: Was geschieht nach dem Happy End? Nach der Hoch-Zeit?
Über Deinen heutigen Kommentar freue ich mich übrigens ganz besonders - es ist der erste auf diesem Blog - nachdem ich eben versehentlich alle anderen gelöscht habe.
Liebe Grüße, Sati
Immer wieder bin ich völlig "baff" (erstaunt), wenn ich Deine äußerst bildhaften Tagesberichte lese....
Wie ähnlich doch unsere gelebten "Themen" (selbst oder im "Spiegel") sind................
Ob das die gemeinsame "Zwillingssonne" mit den derzeit aktuellen massiv spürbaren Transiten ist ?.
Die heutigen Schlüsselsätze:
___________________________
"Die besten Reisen und Ausflüge - habe ich oft alleine gemacht - und auf den Wegen auch Menschen getroffen...."
_________________________________
Ja, durchaus. Und wenn man viel erlebt hat, dann hat man ja auh einen überreichen Schatz an Erinnerungen. Und Erkenntnissen. Die es immer wieder zu verknüpfen gilt. Im ureigensten "Inneren".
__________________________________
"Für mich bleiben Begegnungen "Geschenke" - und von solchen gibt es nichts Bestimmtes zu erwarten....."
_________________________________
Ja auch hier d'accord. Jedoch ist man . nach vielen Lernerlebnissen - oft sehr alleine mit einer derartigen Meinung und Ansicht. Was einen jedoch - mit zunehmendem Alter - nicht mehr so viel stört als in früheren Zeiten...
Liebe Grüße
Astrophil
Kommentar veröffentlichen