Nach dem Post zum "Scanner-Dasein" fielen mir heute morgen im Bett, noch halb schlummernd, einige Stationen hierzu wieder ein und ich stellte fest, daß ich die meiste Zeit ein ziemlich verrücktes Selbstbild hatte. Ich hielt mich meistens für faul. Heute fiel mir ein, daß ich einst nach der Arbeit ein BWL (autsch, aber besser lernen als nicht lernen ...)-Studium absolvierte und nach den Unterrichtsstunden noch zuhause weiterlernte. Bzw. nicht bis zuende absolvierte, weil das Leben mir ganz neue Möglichkeiten präsentierte, aber immerhin war das kein übler Einsatz über ein paar Jahre. Mir fiel wieder ein, wie ich mich in einem Job zügig und intensiv in die mir völlig fremde Materie einarbeitete und einlas - es mußten besonders viele Gesetzestexte studiert werden (also eine neue Sprache ...) und ich arbeitete an einer neuen Gesetzgebung in dem Bereich mit. Erstellte "Synopsen" .... mit viel Geduld und Liebe zum Detail. Hatte sogar mal Spaß an Rechnungswesen und "Controlling", ebenfalls Detailarbeit und viel Lesen aus Zahlen - also Bildern. Oft waren meine "Vorgesetzten" und ich sehr schnell mit unserer Arbeit fertig - und hatten so entsprechend Zeit, uns auszutauschen und vieles anzudenken. Kleinprojekte wie Bootsführerschein machen und den Taxischein - machte ich mit links, lernte sorgfältig für die jeweiligen Prüfungen. Das ist meine Form von Faulheit -- ich hätte keine Lust gehabt, irgendwas derartiges zweimal zu machen, wollte, daß es beim ersten Mal klappt. Probierte mich in Selbstständigkeit und Geschäften aus - zusammen mit Freunden ging´s voll daneben - allein klappte es ganz gut und meine MitarbeiterInnen arbeiteten sehr gerne mit mir zusammen, wie sie mir mehrfach beteuerten.
Über´s Trommeln habe ich ja schon genug erzählt. Habe stundenlang gespielt am Tag, ohne Motivationshilfen, es war mehr als genug eigenes Feuer da. Bei Proben mit anderen Menschen - ging mir das viele Blabla einfach nur auf die Nerven, ich wollte spielen. Und brauchte keine Pause. Hätte lieber zweimal so lang durchgespielt. Bei Budhhistens habe ich oft 70 bis 90 Stunden in der Woche gearbeitet, in einem so großen Haus gibt es immer genug zu tun. Als ich mit dem Taxifahren anfing, war ich sechs Tage und 72 Stunden die Woche draußen. Ich reduzierte dann auf fünf Tage und 60 Stunden. Immer noch genug.
Heute mache ich "nur noch" 48 Stunden - es bringt eh nicht wirklich etwas ein und ich habe immer genug Anderes zu tun. Dazu gibt es keinerlei "Erfolgserlebnisse", höchstens mal einen guten Lauf, der aber jedesmal von Neuem dem Glück überlassen ist.
Man kann also nur - jedes Mal wieder optmistisch den Tag beginnen, und auch dies erfordert eine Menge Ausdauer. Einige Jahre nutzte ich die Wartezeiten zum Lernen. Und auch die Begegnungen mit Menschen.
Im Grunde bin ich jedes Mal, wenn ich für etwas begeistert war, voll eingestiegen und habe mich ganz drauf eingelassen. Auf Cuba lernte ich neben den Rhythmen noch, sehr gut spanisch zu sprechen. Als ich ankam, konnte ich nur das Notwendigste und mich mit Händen und Füßen und Mimik dazu verständlich machen. Dank der liebenswerten Geduld der Menschen dort verstand ich am Ende alles und konnte mich über alles mit den Menschen unterhalten, was ich in stundenlangen Gesprächen trainieren durfte. Das alles - fiel mir sehr leicht, denn es gibt diese "Scannerfähigkeit", sich sehr gut konzentrieren zu können auf das, was gerade begeistert. Ganz einzutauchen. Und tatsächlich im Moment zu sein, in der Gegenwart. Alles Andere sein lassen.
Bei diversen "Gesundheits-Ausbildungen" sog ich wieder alles auf. Von verschiedenen Seiten. Verschiedene Lehrer, Lehren, Ansätze - Beleuchten von mehreren Seiten aus - nach Erwerb von Grundkenntnissen - ist mir wichtig, um die Dinge auf ihre "Tauglichkeit" hin prüfen zu können. Ich glaube nur, was sich mir als tauglich erschließt. Und selbst das - ist nie die ganze Wahrheit. Vieles, was ich so lernen durfte, kam immer wieder als gleiche Essenz zusammen. Während einer Ausbildung wieder eine harte Geduldsprobe für mich - die mitstudierenden Damen hörten schlicht nicht zu. Sie hörten nicht erst einmal zu - um dann eine wirklich sachbezogene Frage zu stellen, sondern sie quatschten einfach gerne, ließen gerne hören, was sie vermeintlich schon alles wußten oder wie es ihnen gerade so ergeht ... für mein Empfinden viele wertvolle Stunden des möglichen intensiven Studierens für mehr oder weniger unangebrachte Selbstdarstellung verplempert. Nicht das erste Mal in zahlreichen Gruppen-Erlebnissen.
Soweit - so gut.
Dann kam eine seltsame Zeit des Desinteresses. Alles einfach mal ruhen lassen. Kein neues Feuerchen wollte sich entzünden. Eine Zeit der Überprüfung, teilweise frustrierend bzw. desillusionierend - denn ich hatte den Stein der Weisen nicht gefunden - und würde ihn auch nie finden. Andere auch nicht - aber das ist kein echter Trost.
Die Limousine war eigentlich ein guter Ort dafür, da ich meine eigene Chefin war und niemand an mir herumzerrte - außer bis auf wenige nervige Momente, die aber gleich wieder vergehen würden.
Jetzt - merke ich, daß auch diese Zeit ein Ende finden will. Also diese Phase des An-nichts-mehr-Glaubens, des Verdauens von allem, was war.
Das kurze Fazit aus allem, was war - ist simpel:
Es ist alles in bester Ordnung, wie es ist. Ich bin auch in Ordnung, wie ich bin. Du auch.
Es gab Erfolge und Mißerfolge, es gab Anerkennung und Ablehnung. Und all das - spielt keine tiefere Rolle. Es gibt nur Ausprobieren, Schmecken, es geniessen, solange es dauert. Nichtstun und Nichtswollen - dauern auch nicht ewig. Den Göttern sei Dank hierfür!
Und für die Botschaft, die sie mir jüngst mit den Erhellungen von Frau Sher schickten! Habe noch nicht mal die Hälfte gelesen, es wird noch viel spannender - und schon jetzt löst sich Vieles, was ins Stocken geraten war.
Ich habe einen gravierenden Fehler gemacht - auch das gehört dazu: Ich habe immer versucht, das was ich tat, ins "Nützliche" zu bringen. Der sichere Tod der Freude am Tun selber. Einen ("Lebens-) Sinn" aus dem Tun zu kreiieren - oder wenigstens eine Belohnung im Außen zu erhalten - statt die Dinge einfach nur um ihrer und meiner selbst willen zu tun. Zu weit in die nicht-existente Zukunft gedacht. Ich war schlicht viel zu vernünftig - obwohl ich mich oft für äußerst unvernünftig halte.
Das noch kürzere Fazit ist: Einfach das tun, was getan werden will. Ohne "Sinn". Einfach aus Interesse und/oder Freude heraus - ohne Gedanken an ein Ergebnis. Das war der Haken - es sollte immer ein sinnvolles, nützliches Ergebnis herauskommen. Das vielleicht sinnvollste und nützlichste Ergebnis aus allem, was mensch tut, mag aber einfach die Freude am Tun selber sein.
Der größte Bullshit sind diese Gedanken und/oder religiösen Wahnideen, der Welt doch etwas geben zu wollen. Etwas Gutes tun zu wollen. Die Welt verbessern zu wollen. Für wen? (Für´s aufgeblasene Ego natürlich) - und wer hat denn darum gebeten? Ich denke, daß viele übereifrige Helferlein und Weltverbesserer viel mehr Schaden anrichten, als sie glauben - immer sprechen sie dem anderen Menschen auf gewisse Weise die Fähigkeit ab, sich selbst helfen zu können.
Im Zen heißt es: Durch die Welt gehen - ohne Spuren zu hinterlassen.
Für die meisten von uns - recht unerträglich.
Aber in den letzten Tagen begreife ich diesen Satz besser - einfach tun, was getan werden will. Ohne Spuren zu hinterlassen = ohne ein bestimmtes Ergebnis zu erwarten. Und wenn etwas vorbei ist - weitergehen.
Es tut gut, den ganzen anderen Un-Sinn einfach hinter mir zu lassen.
(Schon wieder so ein Satz - den ich schon mal schrub .... viele Deja-Vu´s in letzter Zeit)
Ich mache die vorgeschlagenen Übungen also doch bereits, automatisch, nur nicht auf Papier bisher. Es sortiert sich im Geiste. Und in Träumen.
Das Lied meiner Kindheit, welches mir gesungen wurde, wenn ich wieder einmal tausend Ideen hatte und ausgebremst bzw. auf Spur gebracht sollte, lautete "Spinn spinn, meine liebe Tochter ...." . Jetzt - darf ich es - endlich! - als schöne Inspiration und Ermutigung hören.