... jetzt unterm Dach zu wohnen. Als einzige auf dieser Etage. "Meine Etage" - niemand, der nicht eingeladen ist, hat hier oben was verloren.
Als ich eben von einem Tag mit wunderbar-gutem, relativ leichtem Limousinen-Lauf - bis auf wenige schwere Schicksale, mit denen es sich dennoch gemeinsam lachen ließ - zurückkam und unten einparken wollte, sah ich die aufgebaute Festtafel auf dem Stück Rasen vor meinem Schlafzimmerfenster. Der große Grill schon Spirtus-Dämpfe auswerfend. Der junge Nachbar von unten bat mich, mein Auto heute vor seine Garage zu stellen - ich antwortete "Ich kann es auch einfach hier an den Rand setzen, da stört es ja auch nicht." Ja - super, danke.
Mein Trauma meldete sich - dieses Stadttrauma der ewigen Unruhe und des ewigen Umzingelt-Seins. Bereits gestern viele Grillparties in der Siedlung, teils lautes, sinnloses Gegröle ... aber immerhin alles so weit weg von mir, daß ich in seeliger Ruhe in meinem Schlafzimmer in ebenso seeligen Schlaf fallen konnte.
Ich sprach ihn heute mal vorsichtig an mit der Frage, wieso sie gerade hier die Festtafel aufgebaut hätten und nicht etwa um die Ecke des Hauses - also quasi vor den eigenen Fenstern. Meine Fenster gehen zu anderen Seiten nach draußen als die ihren. Wegen der Sonne, antwortet er - bzw., weil dort Schatten ist.
Ich erzähle ihm, daß da oben mein Schlafzimmer ist - was er nicht wußte - und daß ich deshalb frage, weil ich noch ziemlich stadtgestresst bin, was viele Parties und Lärm betrifft. Er meint, sie seien eh um acht wieder weg - drinnen, weil´s Kind ins Bett muß. Ah, das beruhigt mich. Acht fände zwar ein wenig zu früh - denn sie hatten ja nicht einmal angefangen - aber es gehe mir darum, daß ich nachts auch schlafen kann.
Wer denn Geburtstag habe? Seine Frau hat - ich gratuliere ihr und wünsche ihnen ein schönes Fest - von Herzen.
Wollte mal eben - auf direktem Weg - klären, daß ich nicht wirklich damit glücklich wäre, wenn die Party bis in die Nacht vor meinem Schlafzimmerfenster abgeht. Alles Andere - ist mir wurscht.
Die mittigen Nachbarn sind in Urlaub. Die Kontrolleure sozusagen. Wir stimmen uns nochmal wegen dem Rasen ab - der ist noch gar nicht hoch genug zum Mähen, wie ich mir schon bei mir dachte. Der würde lediglich braun und trocken werden jetzt. Wir einigen uns auf eine sinnvolle Arbeitsteilung für dieses Mal.
Ob ich neulich laut Musik gehört hätte - fragt er mich. Ich staune nicht schlecht. Ja - weil die "Kontrollinstanz" hätte iihm das bereits zugetragen. Aha - denke ich - und antworte erstaunt und so, wie es ist: (H)Ääähhh (??!!), ja, vielleicht zweimal bisher, ein paar wenige Stücke, also recht kurz. Und ergänze lachend - dann werden die sich wohl noch wundern, wenn ich meinen Keller sortiert habe - bisher haben sie ja noch gar nichts von mir gehört.
Er beteuert mir zum wiederholten Male, daß ihn das ohnehin nicht störe - bis das Kind ins Bett muß. Damit kann ich leben. Ich revanchiere mich mit der nochmaligen Information über meine regulären
Lenkzeiten - da kann er ja gerne nach Gusto seine Mega-(Bass-Sorround....)-Anlage
zum Klingen bringen.
Ich hab´s ja schon aufgefangen - ganz zu Anfang - hier gibt es diverse "Animositäten". Von beiden Seiten habe ich´s bereits aufgefangen. Und werde einfach radikal bei mir bleiben. Auch bei meiner Art, Dinge bei Bedarf lieber direkt zu klären in der Begegnung - statt hintenrum.
Was für eine schöne Übung unterm Himmel: Solchen kindischen Unsinn an mir runterrutschen lassen. Die einzige Partei, die ich hier ergreife - ist die meine. Und allein aufgrund der Lage unterm Himmel - kommen sie nicht an mich ran mit diesen Dingen. Den Raum ums Haus herum auf dem Boden - werde ich mir noch für meinen Bedarf erobern. Einstweilen bin ich meist einfach froh und glücklich, wenn ich hier oben meine Ruhe habe - und keine ungebetenen Menschen vorbeikommen.
Lasse sie alle denken, was sie wollen - und was sie müssen, weil sie nicht anders können. Bastel erst gar nicht an meinem Ruf herum, sondern überlasse ihnen einfach ihre eigenen Phantasien. Die scheinen ja - schon recht angekurbelt zu sein. Ohne, daß ich etwas dafür getan hätte. Alte Weisheit - Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert.
Freue mich über die sehr zügige (Wiederholungs-) Lektion hier - in größtmöglicher Freundlichkeit meinen gebotenen Abstand zu halten - und mich auf das zu konzentrieren, wofür ich hierhin gekommen bin.
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