Heute vormittag saß ich in der Herzküche und es dachte wieder mal "Lass Dich doch einfach in Ruhe und geniesse diesen vorläufig letzten Urlaubstag."
Der ganze Gedanken-Sperrmüll bezieht sich im Grunde immer nur auf Überlebensängste. Was ist zu tun - um das Überleben zu sichern? Die Ordnung zu halten? Das Morgen vorzusortieren?
Las einige Gedichte über die Hoffnung - und dachte, daß ich dem Prinzip Hoffnung nicht sehr viel abgewinnen kann - es vertröstet immer nur auf ein Morgen, auf eine Zukunft. Wie wäre es - wenn jetzt einfach alles bestens ist und die Dinge sich ohnehin regeln. Was sie ja seit fast einem halben Jahrhundert tun. Alles zu seiner Zeit - und heute mal nicht!
Las diesen schönen Satz:
"Die Arbeit ist etwas Unnatürliches. Die Faulheit
allein ist göttlich." (Anatole France, französischer
Schriftsteller (1844-1924))
Unmöglich gedacht - in unseren Breiten. Vermutlich heftigen Protest der meisten Menschen erregend - so, wie wir konditioniert sind und uns gegenseitig konditionieren. Und natürlich hat so ein Satz keinen Anspruch auf Absolutheit, denn manchmal ist Arbeit ja durchaus erquicklich. Dennoch - ist einiges dran, denn nur in solchen faulen Momenten, in denen der Verstand keine Ambition zum Denken hat, scheint das Göttliche in aller Seelenruhe durch und schickt das endlose Treiben der Welt für eine Weile ins Nichts. So saß ich da am Tisch - und dümpelte im Moment herum.
Fragte mich zum -zigsten Male, was wirklich wichtig sei in einem Menschenleben. In meinem Menschenleben. Natürlich habe auch ich die Antwort nicht gefunden, wie alle vor mir auch nicht, sonst wäre ja vermutlich sofort die Welt untergegangen.
Vielleicht solche köstlichen Momente der unbesorgten Faulheit ... die alles andere einfach vergisst. Zumindest scheinen sie mir zutiefst regenerierend, bevor der Affentanz - um Nichts - wieder weitergeht.
Gedichte lesen - ist gar nicht übel.
Zeigt es doch sehr klar, daß alle Sorgen, Nöte und Ängste bereits von so vielen geteilt wurden - und sich auch im Laufe von Jahrhunderten nicht grundlegend ändern - die Essenz ist immer eine ähnliche: Die Angst vor dem eigenen Vergehen, vor dem Abschied, vor Verlusten, vor der eigenen Nichtigkeit. In Gedichten gibt es wohl weit mehr Gemeinsamkeiten als Trennendes zu entdecken. Der Wildgans daher nochmal herzlichen Dank für die heutige Ermunterung, jeden Tag ein Gedicht zu lesen.
Mein Favorit wird wohl der Herr Goethe bleiben mit seinem "Her steh´ich nun, ich armer Tor ..."
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