Mittwoch, 2. Mai 2012

Geschafft !!!! Ein schwerer Wackerstein fiel vom Bein ...

Mußte heute, nach einer wohltuenden Woche Abstinenz, wieder in die Kolonie, zwecks endgültiger Übergabe der alten Hütte. Bis auf wenige  Stunden am Umzugstag war ich nicht mehr dort gewesen und hatte mich auch rein gar nichts dorthin gezogen.
Es sträubte sich in mir. Hatte gar keine Lust, dorthin zu fahren. Habe hier tatsächlich alles, was ich brauche, in der Nähe und "Shopping" oder "Kulturprogramm" gehören eh nicht zu meinen Hobbies.  Fuhr mit schlappen 80 km/h hin, wie gesagt, es zog nichts. Außerdem regnete es und viele fuhren langsam vor mir her.
Die Stimmung verfinsterte sich zunehmend mit der geringer werdenden Distanz. Hatte noch Zeit bis zur Übergabe und bremste auf einer belebten Einkaufsstrasse ein, um noch ein paar Dinge für die Wohnung zu besorgen. Wie in einem längst vergessenen, hektischen Film ging es dort zu. Eng und mit Leuten vollgestopft, Strassen und Läden, habe mich fast umrennen lassen von solchen, die sich unbedingt ihre Wege zuerst bahnen wollten. Eine nette Begegnung im Reformhaus, die gestandene Inhaberin fragte mich - erstmals seit Jahren "Wie geht es Ihnen?" Gute Frage ... Erzähle ihr, daß ich frisch weggezogen bin. Und gerade eine Art "Kulturschock" habe, nach einer Woche draußen im Bergischen. Oh, wie schade, dann kommen Sie ja jetzt nicht mehr. Doch doch - bleibe Ihnen treu, fahre weiter Taxi in der Stadt. Das freut sie. Ich freue mich in diesen Tagen schon öfter über die Mitfreude der Menschen, denen ich von meinem Wegzug berichtete - fast alle sind sich einig, daß es sehr schön ist im Bergischen. Sogar mein Unternehmer ließ von seinen Frotzeleien ab - die er als eingefleischter Stadtbewohner zunächst anbringen wollte - und meinte gar sowas wie "Da kannst Du ja jetzt immer den Lauf der Natur beobachten". So isses.
Wachte heute morgen erstmals nach einer Ewigkeit ohne jeglichen Druck auf. Später dann ging mir nochmal kurz der Arsch auf Grundeis, wie wohl die Übergabe mit der Ex-Vermieterin vonstatten gehen würde. Um es mal mit Helge Schneider zu sagen: Die Wohnung ist total verwohnt ... Kehrte nochmal unfreudig die Böden - aber es wurde nicht wirklich hübscher. Dann kam die Dame - und blieb erstaunlich freundlich und einverstanden. Kein weiteres Wort über die damals von mir übernommenen Einbauten im Küchenkabuff - die versehentlich nicht im Mietvertrag standen. Vor wenigen Jahren hat sie mir einen Affenterz gemacht, weil ich den dazugehörigen, defekten Kühlschrank zu dem ganzen anderen Baumüll auf den Hof stellte und bestand drauf, daß ich diesen enstorgen müsse, weil er kein Bestandteil des Mietvertrages sei.
Ich erklärte ihr, wieso die Decke im Bad ein Stück runtergekommen sei - ein Engel hatte sie mit Schrauben derart befestigt, daß nicht viel mehr passieren konnte: Überall da oben drauf liegt Bauschutt aus den vergangenen Jahren. Wie? Ja, die haben während der Sanierung das Zeug einfach drauffallen lassen - ich hatte immer gedacht, daß wären Geräusche aus den Kaminschächten, aber tatsächlich liegt alles Mögliche da oben drauf. Sie hat´s genommen, wie es ist. Hat ja inzwischen reichlich Erfahrung mit Sanierungen - und meinte, das würde sie jetzt auch noch schaffen. Ich bin davon überzeugt.
Ein friedliches, sogar recht freundliches Auseinandergehen. Hallelujah! Sie fragte sogar noch, wie es denn sei im Bergischen. Schön, sehr schön. Reichte ihr die Hand zum Abschied und wir wünschten uns alles Gute.
Hätte auch arg aneinandergeraten können - ich war schon ggf. auf dem Sprung in ihr Gesicht (nur ein Bild, was mir kam ...), falls sie mir nun nach langer, beschwerlicher Zeit in ihrem Hause auch noch was ans Zeug hätte flicken wollen. Nichts dergleichen kam - wofür ich den Göttern dankte.
Schaute nochmal auf meinen Einkaufszettel - und wußte sofort, daß ich mich zügig wieder vom Acker der Kolonie machen würde. Bremste nochmal um die Ecke ein und dachte "Ein schönes Viertel - wenn mensch weiß, daß er es gleich wieder verlassen kann!"
Auf dem Rückweg zog es mich mit weit schnellerem Tempo an ... so schnell wie möglich. Fuhr eine Ausfahrt früher ab und über Landstrassen ... am Weg ein Hof mit frischem Spargel, wollte ich eh noch besorgen heute. Alles da!
Schwalbennester bringen Glück ins Haus, heißt es.

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