Mittwoch, 9. Mai 2012

Die letzte Hand geschüttelt - Gewohnheiten und Gepflogenheiten ausgelotet - und Ruhe unterm Himmel


So - heute habe ich die letzte Hand der hiesigen Nachbarn geschüttelt. Einer war noch übrig, dem ich bislang noch nicht begegnet war. Habe nun alle begrüßt bzw. sie mich und wir uns. Hatte meine gute Erziehung beiseite gelassen und mich nicht offiziell bei allen "vorgestellt" - obwohl ich auch das in Ordnung finde. Aber es war keine Energie dafür da.
Der letzte Unbekannte meinte heute bei unserer Erstbegegnung, das freue ihn, daß er mich jetzt auch mal träfe. Ich meinte "Ja, ich dachte mir schon, daß das mal geschehen würde." Wir wechselten ein paar Worte, er reparierte gerade eine Dichtung an seinem Wagen. Und bat mich, mein Auto etwas weiter zurückzusetzen auf dem Stellplatz. Ja - sage ich - grundsätzlich kein Problem. Er gehört zu einem Paar, welches bereits seit 40 Jahren hier lebt - und manche Menschen legen eben viel Wert auf ihre Gewohnheiten. Als ich zurückkomme, setze ich ein Stück weiter zurück und rufe ihm zu: Das - haben Sie wohl gemeint? Ja, lautet die Antwort, ein Traum. Ja, sage ich, ich fahre öfter mal Auto. Hat er schon gehört. Ich sage - jetzt muß ich erst mal prüfen, ob´s ein Traum oder ein Trauma ist - die hintere Tür meiner Privatlimousine benutze ich nämlich, meine Gewohnheit, zum Ein- und Ausladen. Aber kein ernstliches Thema. Arrangiere mich gerne - sofern man mich ansonsten in Frieden läßt.
Als Zwillingssonne - habe ich in Windeseile diverse Animositäten aufgeschnappt. Hörte auch nicht viel Positives über Vorbewohner. Ist mir im Grunde alles wurscht - wie gesagt - solange man mich in Frieden läßt.
Und die Sterne dafür stehen gut hier unterm Dach! Mit nur zwei Mit-Mietparteien - in einem relativ freistehenden Haus mit eigener Zufahrt.  Dazu mit Vorgängern - die scheinbar eher "unten durch" waren - da sind sie ja schon zu Genüge an "nicht-integrierte" Individualisten gewöhnt.
Auf dem Weg treffe ich wieder so ein nettes Kind, welches mir freundlich zuwinkt. Ich winke ihm gerne ebenso freundlich zurück - freue mich wieder mal über den Freilauf, den sie hier haben.
Hörte schon dies und das - ohne nachgefragt zu haben. Der Gewohnheitsmensch unten hat wohl vor einigen Wochen einen Faux-Pas begangen und einige Kinder angeranzt - die zu einer Familie mit gleich elfen davon gehören. Kurz darauf war die Hauswand mit häßlichem und sinnlosem Graffiti besprüht. Tja ... soviel zum Burgfrieden.
Freue mich über meinen Elfenbeinturm.
Es scheint einfach meine "Natur" zu sein - in Windeseile dies und das in meiner Umgebung "abzuchecken" bzw. aufzuschnappen. Die Leute einfach reden zu lassen. Auf diese Art ganz gut zu wissen, in welcher Umgebung ich bin - und wen ich so vor mir habe. Habe gerade offenbar eine Art "Taxi-Chauffeusen-Bonus" - ehemals eine Art geachteter Beruf. Soweit die "Socials" ... wegen denen ich nicht hier bin. Und die ich scheinbar dennoch aufsauge wie ein Schwamm. Auswringen heißt es daher - im Elfenbeinturm.
Freue mich über eine angenehm-ruhige Akkustik - höre von den Leuten unter mir so gut wie nichts, außer das Jalousien-Runterlassen oder mal ein paar Geräusche im Treppenhaus.  Das Leben der Anderen - darf unhörbar an mir vorbeilaufen. Hallelujah!

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