Es gibt Tage - heute ist schon wieder so einer - an denen ich keinen rechten "Einstieg" finde ins Leben. Ich hätte hier noch jede Menge zu sortieren und könnte wieder mal spazierengehen, der Rasen muß diese Woche noch von mir gemäht werden und und und .... es geht nichts. Einer von den "Alles-zuviel"-Tagen. Soll´s halt noch liegen bleiben. Eine tiefe Verweigerung von innen - fast schon lebensmüde. Mindestens aber des sinnfreien Funktionierens müde. Für einen Moment fühlt es sich wie tot an, aber es atmet ja noch. Und auch das - geht vorbei. Im Grunde kann mir nichts Besseres passieren, als das ich hier "angehalten" werde. Nicht weiß, wohin jetzt mit dem Körper und welche Bewegung als nächste erfolgen soll. Der Geist ist unaufgeräumt und irgendwo anders. Heute war er kurz in der Kindheit und spürte den uralten Schmerz, nirgendwo dazuzugehören. Die spielenden Kinder draußen erinnerten mich an die manchmal schmerzliche Einsamkeit meiner Kindertage. Einsamkeit auch inmitten von vielen ArtgenossInnen. An die ein oder andere schmerzliche Ausgrenzung - die schmerzlichste einst seitens der "besten Freundin". Andererseits aber auch mein eigenes Desinteresse an den größeren Gruppen. War mir meist alles "zu blöd" - und zu laut. Am liebsten war ich zu zweit - mit echten besten Freunden.
Heute ging es also drum - diesen Zustand von Lähmung einfach zu akzeptieren. Den Rasen zu vertagen. Und auch die übrigen 8 Kartons, die noch entpackt werden wollen. Ist eh nichts wirklich Wichtiges drin. Hänge gerade noch, die duftende Wäsche draußen ab. Das - soll dann halt mein Tagwerk bleiben.
Hatte hier schon öfter solche Momente der Leere. Des Ausgebremst-seins. Und spüre dann das innere Gehetztsein, welches unaufhörlich weiterlärmen will. Existenzsorgen der vergangenen Jahre. Diffuse Überlebensängste. Alles in den Zellen abgespeichert. Ein Mittel, welches sofort Linderung verschafft: Das einfach so sein lassen, wie es ist, es so akzeptieren, wie es sich gerade äußert. Rein körperlich nachspüren und keine neue oder alte Geschichte dazu weiterspinnen. Ein - temporäres - "Nein" zum Leben halt mal annehmen bzw. stehen lassen - statt nach Lösungen oder Linderung zu suchen. In solchem Zustand finden sich eh keine Lösungen. Ein solches "Nein!" hat schließlich auch seine Berechtigung. Ich habe sogar eine Ahnung, was es mir sagen will. Es ist ein sehr freundliches "Nein", eigentlich sagt es: Laß´ Dich in Frieden. Es ist gut, wie es ist. Heute ist nicht der rechte Tag, um Dein Leben in Ordnung zu bringen.Und Du weißt eh nicht, wie mensch das macht. Brauchst das auch gar nicht mehr zu tun - Du hast doch gesehen, wie es funktioniert: Von selbst.
So ist es.
Die finanzielle Lage - ist zwar noch nicht besser geworden - aber die Einsicht, daß es keinen Sinn macht, sich darüber Sorgen zu machen, ist Balsam. Es macht überhaupt keinen Sinn, sich Sorgen zu machen. Auch nicht um noch nicht einsortierte Dinge oder ähnlichen Kokolores. Darüber, daß ich nicht mehr so recht "funktioniere", zumindest nicht so, wie ich es mal gekannt zu haben glaube. Also etwa: Ziele setzen und erreichen, an "mir selbst" arbeiten, ein besserer Mensch werden. Die Welt erkunden. Mich schlau machen. Dem Leben einen Sinn geben. Was für ein Stress.
Nein - ich weiß nicht, wie man dem Leben einen Sinn gibt. Ich weiß nicht einmal, ob das Leben überhaupt daran interessiert ist. Habe es jetzt knapp 49 (da ist diese Zahl wieder!!!) Jahren versucht - und es klappt nicht. Das Einzige, was funktioniert hat, ist, nach Jahren der Suche und dem Lauschen von bunten Antworten Anderer auf diese Frage nicht mehr recht an sowas zu glauben. Immerhin! Vielleicht ist das ja der Sinn?
Vielleicht - ist der Sinn nicht mehr und nicht weniger, dieses mysteriöse Geschenk einfach anzunehmen, solange es dauert? Wer weiß.
Es ist wirklich schön, jetzt einen Ort zu haben, an dem ich derart ungestört in meinem Seelenbrei herumdümpeln kann. Die Krönung ist die Badewanne - das Liegen im warmen Salzwasser zieht jeden blöden Gedanken einfach ab.
Übrigens: Lebensmüdigkeit ist nichts anderes als verkleidete Todesangst.
Die einzige Angst, die ich bisher gefunden habe, in immer wieder neuen Verkleidungen. Manchmal sogar in sehr albernen.
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