Dienstag, 1. Mai 2012

Auf der anderen Seite des Tals ....

.... war ich heute morgen unterwegs. Es sah ein wenig nach Regen aus, doch ich blieb optimistisch - zu Recht, denn jetzt hatte es schon wieder herrlichen Mai-Sonnenschein. Wie schon geschruben: Hier gibt es reichlich Wetter! Und das kostet nix. Ich ging also an dem kleinen Fluß entlang, der viel kräftiger ist, als ich so dachte. Dann ging´s bergauf, durch den Wald. Traf nur eine Frau mit einem wunderschönen, freundlichen Hund auf dem Weg. Hab´s gerade mit den Hunden, die meist sehr gute Laune haben und einem viel Spaß damit bereiten können - las während dieser Umzugstage das herzfüllende Buch von Konrad Lorenz "So kam der Mensch auf den Hund.".  Hielt immer mal Ausschau nach kleinen Waldmäusen, aber traf noch keine hier.
Oben angekommen - besser, als ich dachte bei meiner eingerosteten Stadtkondition - tat sich die Landschaft auf. Wohltuender Weitblick über alle Hügel, traumhafte Aussichten. Ging dann auf einer Asphaltstrasse durch die Nachbarorte wieder talwärts - und stellte fest, daß diese traumhafte Aussicht genau auf "mein Tal" führte. Konnte irgendwann sogar direkt von oben aus der Ferne meine Wohnung sichten.
Von beiden "Bergkuppen" meiner bisher gegangenen Wege führte es mich durch solche kleinen Nachbarorte, die höher liegen, als mein Domizil hier - und etwas ruhiger, was die Strasse betrifft.  Ich schaute mir das alles interessiert an und fragte mich nochmal, ob ich mit meiner "Wahl" - besser: der mir von den Göttern vermittelten Wohnung und der Lage auch wirklich einverstanden bin. Die Antwort lautete jedes Mal "Ja!"
Möchte gar nicht tauschen mit den Leuten in den Nachbarorten und ihren doch sehr eng zusammenstehenden Häusern und teils arbeitsreichen Vorgärten und Gärten. 
Ein perfekt-praktischer Ort hier, um mich in aller Ruhe ans Ländlichere zu gewöhnen. Aber keine Grabesstille - sondern viel lebendiges Treiben unten um mich herum. Nette Kinder, die manche Tage von morgens bis abends draußen toben und vor Vergnügen quietschen - so, wie es sein soll. Mütter, die energisch nach ihnen rufen. Am Samstag Rasenmäher-Gebrumme und duftendes, frisch geschnittenes Gras. Vorm Salonfenster unten - in sicherer Entfernung, nicht auf meinem Schoß, wie in der Stadt - gemeinschaftlich grillende Einheimische. Hier und da Hundegebell. Und manchmal auch gut hörbares Verkehrsrauschen von der Hauptstrasse. Sogar hier und da ein Flugzeug überm Kopf. Bereits, als ich ankam, machte ich eine Spezialmeditation draus: Jedem vorbeifahrenden Auto gebe ich alte, nutzlose Gedanken mit. Die Flugzeuge - können gleich großflächig den Gedanken-Sperrmüll mitnehmen!
Dennoch schlafe ich sehr gut hier. Wache recht früh, doch gut erholt auf; denke, das viele lange nicht mehr gewohnte Tageslicht macht wach und gibt Energie - und, wie ich heute morgen staunend bemerkte: Völlig kopfschmerzfrei. Schon seit Tagen keine Kopfschmerzen mehr. In der Kolonie immer.
Die Luft - ist Gold wert! Und - kostet nichts. Viele viele, köstlich duftende Lebensbäume.
Die Wohnung ist warm, das habe ich lange nicht mehr gekannt im Hinterhof, Parterre-Nordseite.
Köstlichste Düfte und Gerüche ziehen durch die Wohnung mit den geöffneten Fenstern, von der mich umgebenden Natur her.
Wenn ich im Bett liege, höre ich manchmal viel Geklopfe unterm Dach - schätze, daß es hier gleich mehrere Schwalbennester rundum gibt. Auf einem Baum vorm Küchenfenster haben Elstern ihr Nest und fliegen ein.
Die Leute unter mir - sind in Urlaub. Hoffe, es wird nicht wirklich lauter, wenn sie wieder da sind. Für mich ist es ein wahrer Segen, nicht mehr ständig in das Leben der Nachbarn involviert zu sein und ihre Gespräche oder gar Operngesang mithören  zu müssen. Der Nachbar unten hat so eine Mega-Rundum-Anlage ... aber die powert er nur durch, wenn er weiß, daß niemand im Haus ist, sagt er. Danke dafür! Werde ihm in den nächsten Tagen, nach dem Urlaub, meine regulären Arbeitszeiten ansagen - in denen er das Zeugs gerne unbedenklich-genußvoll aufdrehen kann. Er seinerseits vermeldete schon, daß ihn meine Trommelei demnächst nicht störe. Nur um 21 Uhr - muß das Kind ins Bett.  Kein Problem - werde das eh gut absprechen, denn aus eigener Erfahrung weiß ich, wie sehr das manche Leute nerven kann.
Langsam - geht´s an.
Habe morgen noch die Übergabe mit dem Drachen in der Stadt vor mir - wenn ich das hinter mir habe, bin ich echt froh. Vermisse die Kolonie wie gesagt nicht. Fühle mich schon ganz wohl in der Wohnung hier - als wäre ich schon sehr lange hier, nicht erst ein paar Tage.
Dennoch - spüre ich auch noch in manchen Momenten extrem dieses "innere Getriebensein" der letzten Jahre in einer sehr aufgewühlten, unruhigen  Umgebung.  Ein absoluter Kontrast zu dieser Situation hier. Daher weiß ich manchmal noch nicht so recht, ob ich gerade nur in Urlaub bin oder vielleicht träume. Andersrum: Gerade aus einem längeren Albtraum aufwachen darf. Es sortiert sich - mit der Zeit. Was ich weiß: Ich geniesse diesen spielenden, tanzenden Himmel und die Wälder mit ihren singenden Bewohnern um mich herum sehr. Und gerade heute, an einem recht ruhigen Feiertag, ist es besonders schön hier.
Gehe mal wieder ein wenig Wäsche in den Wind hängen ...

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