Sah mir gestern den ersten Teil von "Der Turm" an - eine Geschichte, die Anfang der 80-er Jahre im einstigen Arbeiter- und Bauernstaat nebenan beginnt und heute im zweiten Teil in den Mauerfall 1989 münden wird.
Ich schaue solche Filme gerne und lasse mich ein Stück in die Geschichte fallen. "Das Leben der Anderen". war so ein Film, der in der ehemaligen DDR spielte und der mir - als gebürtige Wessi - zumindest ein wenig die Atmosphäre vermitteln kann, wie sie einst gewesen sein könnte. Früher schaute ich viele Filme, die in der Nazizeit spielten. Immer der Atmosphäre und den ausgegebenen Parolen des Zeitgesites lauschend.
So lauschte und schaute ich auch gestern.
Fasziniert ob der zahlreichen sozialistischen Parolen, die für einen Wessi so absurd klingen mögen. Aber sie wurden ja so nachgesprochen, sicher von sehr vielen. Jeder Ossi möge mir verzeihen - daß ich es natürlich nicht wirklich nachvollzehen kann - aber so ein Eintauchen in derartigen Film ist immerhin ein guter Versuch. Ich glaube auch, inzwischen erfahren zu haben, daß die eigentliche Geschichte hinter der offiziellen Geschichtsschreibung ganz anders verlief (wie eh und je) - ob es Nazi-, Ost- oder Westdeutschland betraf oder unsere heutige Zeit betrifft, doch die Studie des "Alltagslebens" und des menschlichen Miteinanders bleibt dennoch interessant.
Was mir gestern besonders auffiel, war - daß sich im Grunde die Systeme in West und Ost nicht im eigentlichen Kern unterschieden. Die jeweilige Bevölkerung war nur ein wenig different indoktriniert - was aber sicher so gewollt war und einem "hölheren Zweck" entsprach.
Auch hier bitte ich alle ehemaligen Ossis um Nachsicht, denn die Altagszustände und Lebensumstände in der DDR waren sicher in vielen Teilen schwieriger zu meistern, als im Westen - sofern man mit dem System abgeschlossen hatte.
Was mir im Film doch sehr ähnlich erschien, waren diese "Wohnzimmerambiente", die häusliche Heimeligkeit, die da via Interieur aufkommen sollte. Ich fand mich in meiner eigenen Kindheit wieder, es kam mir durchaus sehr vertraut vor.
Der Irrsinn der Moderne und der Plattenbauten - tauchte auch im Westen einst auf, in den 70ern wurden übelste Bausünden begangenen und es gab ja eine zeitlang eine Art "Plattenbauten-Wettrüsten" zwischen den beiden angeblich politisch so verfeindeten Landesteilen.
Was die Parolen betrifft - die mögen im Osten weit krasser und somit offensichtlicher gewesen sein - oder liegt es vielleicht nur an der Perspektive und an der eigenen Blindheit für das, was einem selbst so "normal" erscheint und was man zunächst recht ungeprüft im eigenen Dasein übernimmt?! - doch auch hier gab es sie zu Genüge und sie wurden gerne geglaubt. Halt auf den Kopf gestellt. Kader und Ränkeschmiede gab es und gibt es allerorten reichlich. Auch im Westen fiel einer aus dem System, wenn er anders dachte - bekam Berufsverbot. Zugegeben fuhr man wohl nicht ganz so schnell in den Knast ein - für nichts und wieder nichts.
Will sagen - ein echter "qualitativer Unterschied" ist für mich insofern aufgehoben, daß die Menschen beider Staaten gesteuert wurden, und zwar in eine ähnliche Richtung, wenn auch materiell-qualitativ sehr unterschiedlich ausgestattet. Auf Wohnung, Auto und Karriere - um es mal sehr flach zu sagen. Und auf nicht-selbstständig-denken. Auf Feindbilder. Auf Linie. Beiderseits für einige Jahrzehnte nach dem Krieg auf den gemeinsamen "Wiederaufbau". Vielleicht gab es da sogar im Osten etwas, was viele wenigstens für eine Weile noch getragen hat - nämlich eine (zunächst so erscheinende) gemeinsame Ideologie. Ich formuliere dies vorsichtig und möglichst wertfrei - denn so mancher wird gelitten haben wie ein Hund darunter. Aber die "Ideologie des Kapitalismus" - war eigentlich gar keine - wie wir ja heute alle gemeinsam erfahren. Sie hat keinerlei seelischen Nährwert. Und ich sage keinesfalls, daß die sozialistische besser gewesen wäre - ich vermute nur, daß sie für eine Weile erheblich stärker war, als vermeintlich "gemeinsame Idee", die einen befeuern kann.
Das kippte natürlich, wie wir ja nun wissen. Weil es den Menschen irgendwann nach Freiheit verlangt.
Aber was ist denn heute?
Heute - wird Geschichte von morgen geschrieben. Wenn es eines Tages Filme über unsere Jetztzeit geben sollte - werden die Menschen sich wundern über die Parolen, die aktuell ausgegeben und von so vielen geglaubt werden. Aber nicht unbedingt, weil die so klug geworden sind, sondern weil sie bereits anders gehirngewaschen wurden. Eine echte Ideologie - wird sich nicht finden lassen, nur das längst verweste Kapitalismus-Gespenst, welches gerade heftig um- und über Leichen geht. Die Parolen werden gerade vom "EU-Parlament" ausgegeben und via Medien vorgekaut. Nicht grundlos sprechen manche von einem "kapitalistischen Sozialismus" oder einer Euro-Diktatur. Usw. und so fort .... Spätestens seit der zwangsweisen Abschaffung der guten, warmen Glühbirne neulich - als Symbol - kann auch jedem von "Verschwörungstheorien" weit entfernten Menschen ein kleines Licht aufgegangen sein.
Um es kurz zu machen - Geschichte zeigt, daß sich nichts in der Essenz verändert hat. Daher ist es gut, in den eigenen Spiegel zu schauen - und in den Spiegel der Geschichte, die nie aufgehört hat. Tröstlich dabei - alle Systeme fallen irgendwann. Ob eines Tages mal was wirklich Anderes nachkommen wird - bleibt abzuwarten.
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