Das Regen auch ein Segen ist - wissen nur wenige - aber diese geniesse ich.
Und das wir jetzt in den November kommen und eine "ordnungsgemäße Niedergeschlagenheit" dazu gehört - wollen auch nur noch die wenigsten begreifen. Die Natur rundum scheint wie jeden Herbst zu sterben - und sie spiegelt uns. Immer noch, hallelujah! Aus der Hoch-Zeit des Sommers (ach, das war ja gar kein "richtiger" Sommer ... blablabla) geht es eben über den sich üppig und verschwenderisch verschenkenden Herbst samt segensreicher Ernte - in den dunklen, kargeren Winter. Um, wenn alles gut geht, im Frühling wieder wie aus Zauberhand in ein erneutes Wunder zu erblühen. Ich persönlich liebe diesen reichhaltigen Wechsel der Jahreszeiten - auch, wenn ich rein berufsmäßig sehr gerne auf Glatteis und Schnee verzichte.
Vier Jahreszeiten - nicht etwa nur zweie oder immer ein laues Lüftchen. Und jede hat ihre eigene Schönheit.
Nichts Kuscheligeres, als ein kalter, arbeitsfreier Wintertag in warmer Wohnung, ein Dach überm Kopf und mehr als reichlich Nahrung verschiedenster Art im Haus. Das - wünsche ich allen.
Für unsere Zunft wird´s jetzt auch ein wenig ungemütlich draußen - aber der ggf. bessere Umsatz soll uns ein Trost sein. Und schließlich hat so eine Limousine eine feine Heizung bei Bedarf. Sogar eine Sitzheizung - wie ich Spätzünderin erst nach Jahren registrierte, als meine Kollegin mir davon berichtete. Aber Vorsicht - so angenehm, wie diese ist, sie schwächt die Blase. Erfuhr ich von einem jungen männlichen Fahrgast neulich - und dachte noch, sehr interessant. Er wußte mir auch zu berichten, daß für Männer "normal-gekühlte" Hoden gesünder seien als derart angewärmte.
Ich für meinen Teil - finde es spannend, den ersten Winter hier zu erleben, draußen vor der Kolonie. Muß noch einen guten Rythmus für das Heizen finden. Und - Spätzünderin in sehr simplen Dingen oftmals, wie geschruben - kam ich erst vor zwei Nächten auf die grandiose Idee, das sehr zugige Schlafzimmerfenster mittels der vorhandenen Jalousie noch etwas dichter zu machen. So ist es morgens nicht immer klatschnass von innen. Und die temporäre Kegelbahn-Grölerei errreicht mich kaum noch. Störte mich aber eh nicht wirklich im manchmal stoischen Schlaf.
Also - freue ich mich jetzt einfach auf eine "ordnungsgemäße November-Betrübnis" ... die mir eigentlich keine solche ist. Eher die gute Gelegenheit, auch meine "Säfte" mehr zu den Wurzeln und in die Stille zu ziehen. Und mich schon jetzt auf die Perchtenflüge zu freuen. Das alljährliche, sich über wenige Wochen etwas holprig-gestaltende Gewöhnen an die einhüllende Dunkelheit ist so gut wie gemeistert.
Und ich freue mich - hier draußen zumindest in meiner arbeitsfreien Zeit nicht der kirmesmäßigen Verdrängung des Dunklen ausgesetzt zu sein - wie sie in der Kolonie so gerne betrieben wird, mittels herannahenden verkaufsoffenen Sonntagen und unzähligen Weihnachtsmärkten etc.
Freue mich sogar - auf die baldige, moderat betriebene Außen-Weihnachtsdekoration der Nachbarin. Einfach ein bischen liebevolles Ambiente. Hier drinnen verzichte ich gerne auf solche Dekoration - es ist das ganze Jahr über "heimelig" - ohne Spezial-Chichi. Komisch manchmal - wie sorgenfrei das Leben sich gestalten kann trotz vieler Unwägbarkeiten. Ich weiß ja nicht einmal - ob ich meinen Job weiterhin behalten werde nach der Geschäftsübergabe. Aber - es wird schon. Irgendwie - geht´s halt weiter - solange das Stundenglas noch nicht abgelaufen ist.
Neuestes, sehr überraschendes Hobby: Eisblumenfenster am Morgen fotografieren. Ganze Mythen-Landschaften zeichnen sich darauf ab. Bin gespannt auf die Bilder, die von allein und von weit weg her entstehen.
Übrigens: Regen reinigt die Luft. Und duftet.
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