Samstag, 13. Oktober 2012

Markt- und Kellerbesuch ....

Marktbesuch im kleinen Nachbarort. Kleiner, feiner Markt - alles da, was ein Mensch so benötigt - für die Ernährung, Kleidung und auch Schönheit in Form von Blumen und Pflanzen.
Für 20 Euro erstehe ich: Äpfel einer alten und vitaminreichen Sorte, Möhren, Porree, einen Blumenkohl, rote Paprika, Tomaten, rote Beeten, Fenchel, Feldsalat ... 10 langstielige, frische rote Rosen und ein Stück Kuchen - als Göttergabe, quasi der teuerste Teil des Einkaufs - sowie ein 1.000 Gramm schweres, köstlichstes Holzofenbrot aus Roggen und anderen Körnern . Das kriegst Du - schon gar nicht in dieser Qualität - in keinem Supermarkt. Quasi alles - regional hergestellt, angebaut. Ein Schlaraffenland. Mußte mich hier nochmal wiederholen - schrub ja schon öfter über den für mich mit Abstand besten und günstigsten Ort zum Einholen - Wochenmarkt eben - und meine Freude daran, was das Leben mir dort durch die BäuerInnen und HändlerInnen zuteil werden läßt. Heute - hatte ich mal Samstags frei und freute mich, diesen kleinen Markt in der Umgebung kennenzuleren. Übrigens, für mich ein weiterer vitaler und wertvoller Aspekt, auf einem Markt einzukaufen: Hier werden noch ehemals natürliche, zwischenmenschliche Kontakte in Form von Austausch gepflegt.  Es gibt nicht etwa Selbstbedienung - sondern  eine Form von Kommunikation zwischen den Menschen vor - und hinterm Tresen - und sei sie noch so banal, etwa in Form von schlichter Ansage, was gewünscht ist.  Dieses uralte Spiel machte mir heute am Gemüsestand umsomehr Freude, als das ich von einem strahlenden Wesen bedient wurde - und wir uns mehrfach breit angrinsten während des Geschäftes. Dazu - lernte ich etwas über eine alte Apfelsorte. Und an anderem Verkaufsstand wurde ich freundlich gefragt, ob ich Beratung wünsche? All diese schlichte Kommunikation - gibt es noch auf lebendigen Märkten - aber sicher nicht mehr an vielen anderen Orten. 
Ging noch ein wenig durch den Ort und kurz auf eine Art Hügel. Zwar herrschte auch im Ortskern samstägliches Treiben, aber kein Vergleich mit der Kolonie. Es ist viel  beschaulicher. Und das - tut mir sehr gut nach sovielen Jahren in der großen Stadt. Hin- und Rückfahrt durch´s erbauliche Grün - so idyllisch wie in einem Rosamunde-Pichler-Streifen ....
Manchmal fehlt es mir noch an der rechten Wahrnehmung - auch nach einem halben Jahr hier - daß ich tatsächlich nicht mehr in der Kolonie hause. Liegt auch am noch andauernden und sinnlosem  Job in der Kolonie .... der zieht zuviel Energie ab, alles viel zuviel Gewohnheit und Routine.
Gestern abend - fand ich mich plötzlich und endlich mal für eine wahrnehmende Weile in meinem "Keller" wieder. Der eigentlich gar kein "Keller" ist - sondern ein geräumiger, heller und sehr freundlicher Raum. Mit weißen Wänden, einer feinen weißen, schalldämmenden Styropor-Decke und einem freundlich-hellen Bodenbelag. Am Tage fällt reichlich Licht durch zwei Fenster und auch Sonnenstrahlen.  Jetzt ist er sogar mit neulich auf der Straße verschenktem, perfektem Arbeitstisch ausgestattet - mit weißer Arbeitsplatte. Wollte nur mal eben ein Musikinstrument raufholen ... und stand dann dort, staunend, wieviel freundlichen Raum ich noch gar nicht eingenommen habe - obwohl er mir doch hier zur Verfügung steht. Immerhin - ein Moment des Merkens und Staunens.
Tatsächlich - kann ich gerade nicht viel "tun", außer viel Geduld mit mir zu haben. Alle Vorstellungen, wie es sein sollte und was ich alles hier auf die Beine stellen könnte - sind, waren eben noch Vor-stellungen. Die Seele - fordert ihre ganz eigene Zeit. Und ganz besonders freie Zeit - wovon ich gerade glücklicherweise einige wertvolle Tage habe. Es ist und war - sehr viel zu verdauen, was so in den vergangenen Jahren geschah - wieviel Überladung, (Überlebens-) Stress und Enge sich aufgebaut haben und nachwirken, obwohl die Umstände sich schon teils geändert haben - hallelujah!  Das ist vielleicht, was unter Karma zu verstehen ist: Die Früchte der eigenen Dummheit und Ignoranz - wollen auch geerntet werden. Bzw. - geerntet sind sie - Verarbeitung und Verdauung sind not-wendig. Und hierauf habe ich offenbar nicht wirklich viel Einfluß, denn er dauert länger, als ich dachte, dieser Verdauungsprozeß.  Das Verdauuen von allem, was eher bitter geschmeckt hat oder noch schmeckt - um dann mit leerem Magen - wieder von vorne zu beginnen. "Fällst Du sieben Mal hin - steh acht Mal auf" - sagt man irgendwo im Osten. Anders - geht´s nicht. Aber was die Liegezeit auf der Schnauze betrifft - da braucht´s eben manchmal Geduld. Diese aktuelle - dauert zumindest scheinbar länger und hat eine andere Qualität: Der ehemals jugendliche Leichtsinn scheint verblasst, die Zeiten, in denen ich mich, "nach-was-auch-immer", zügig wieder auf die Beine stellte und einfach weterging. Ich bin jetzt wohl keine 20 mehr (was ich oft kaum glauben kann ...).
Jetzt - so kurz vor 50 etwa - stellt sich die Frage: "Wat soll dat allles hier - jenau? Wofür is dat - jenau - juut? Wat - willl denn dieses Leben bloß von mir?"
Was zum Teufel - soll ich hier genau lernen?"  Die alte Methode - einfach aufstehen, Staub abklopfen und weiterlaufen - funktioniert nicht recht. Für die kommenden Jahre - braucht es wohl etwas Gehaltvolleres. Das Gute: Alles, was jeh in irgendeiner Weise gehaltvoll war - ist noch bei mir. Materiell - wie immateriell.  Ruft weiter  nach Neusortierung.
Schön schon mal - daß es keinen dunklen Keller mit allzu hungrigen Geistern mehr gibt - sondern nur noch einen geräumigen, freundlichen und hellen Raum mit guten Optionen.

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