Dienstag, 9. Oktober 2012

Zur "Causa Steinbrück" - es gibt da Unterschiede zwischen Recht, Ethik und Glaubwürdigkeit ...

Was den Wirbel um die Einnahmen des Herrn Steinbrück betrifft: Ich gehe mal grundsätzlich davon aus, daß er nichts getan hat, was gegen geltendes Recht verstößt. Demnach ist es schlicht legitim, für einen Vortrag von vielleicht zweieinhalb Stunden 70.000 Euro zu kassieren. Aber nicht alles, was "Recht" ist - von wem genau festgeschrieben?! - ist auch ethisch zu billigen. Sofern er sich also  als "Sozialdemokrat" präsentiert - gibt es da einige Bedenklichkeiten ethischer Art, die dazu führen, daß er keinerlei Glaubwürdigkeit ausstrahlt. Besonders, weil er zu den Mitwebenden einer Agenda 2010 und von Hartz-IV gehörte. Im Übrigen ist er Bilderberger ......
Er ist also ein Stabbrecher über Andere - wie jeder, der mitbeschließt, daß ordinäre Menschen im Monat von etwa 350 Euro leben sollen, das würde reichen für eine "Grundsicherung".
Gehe ich mal davon aus, daß er i.d.R. bzw. im Schnitt nur wenige Tausend Euro für einen Vortrag von wenigen Stunden erhalten hat - entspricht ein solches Salär immer noch dem Jahresunterhalt eines Hartz-IV-Sklaven. 
Diese Unverhältnismäßigkeit - ist mit nichts zu begründen.

Stelle ich mir jemanden vor, der sich glasklar zum Kapitalismus bekennt und den Darwinismus vertritt (die Stärkeren kommen durch ... natürliche Selektion)  - so ist ein solcher Vertreter für mich glaubwürdig, weil er/sie ehrlich ist, egal wie knallhart seine Ethik anmutet. Aber der Herr Steinbrück gibt vor, einer sozialdemokratischen Ethik zu dienen - und das kann ich auch bei bestmöglicher Hirnakrobatik nicht sehen.

Es geht mir auch gar nicht nur um diese Person - sondern mich erzürnt jeder Stabbrecher über Andere. Jeder, der der Ansicht ist, daß er wertvollere Dienste leistet als Andere. Für mein ethisches Empfinden sollten Menschen wie Notärzte, Rettungsassistenten, Feuerwehrleute, Krankenschwestern, Müllwerker u.v.a. - fürstlich entlohnt werden für die knallharten und kräfteaufwändigen Dienste, die sie leisten.

Fuhr neulich an einer Unfallstelle vorbei, gerade, als ich die Limousine abstellen wollte am Abend. Kam nicht zum Abstellplatz wegen Vollsperrung. Zum ersten Mal wurde ich zum "Gaffer" - völlig fasziniert von einer Szene, die sich auf den Straßenbahngleisen abspielte. Ich sah, wie eine Traube von Helfern um eine auf den Gleisen liegende Person versammelt war und wie einer von denen gerade dabei war, diesen Menschen zurückzuholen ins Leben. Spürte eine Mischung aus ungeheurer Anspannung und ebensolcher Konzentration. Für eine solche Arbeit - braucht es viel Mut! Vermutlich sogar viel Liebe.
Das sollte fürstlich entlohnt werden. Sowohl mit materiellen Werten als auch mit Anerkennung. Solche Menschen sollten sich keine Sorgen machen müssen um ihr Auskommen.
Aber auch - niemand anders, egal was er leistet oder scheinbar nicht leistet. Mit einer gesunden Ethik - bodenständig und real - bräuchte sich niemand sorgen um sein Auskommen. Es gibt immer genügend Menschen, die aus Berufung Dinge tun wollen, die sich ein anderer für sich niemals vorstellen könnte - und vice versa. Es regelt sich - von selbst.

Ein Salär von zig-Tausend Euro für wenige Stunden "Vortrag" - ist m.E. völlig abgehoben und von Bodenständigkeit bis zur Geisteskrankheit entfernt.  Und dann auch noch über solche zu richten, die wirklich arbeiten und etwas von-sich-geben, ist mit Worten gar nicht zu beschreiben für mich. Ich habe eine echte Klemme, das in der gebotenen Schärfe zu formulieren. Diebstahl, Raub und Ausbeutung sind allzu zarte Begriffe, die mir dazu einfallen.

Wie so oft - hat es für mich auch ein Gutes, daß der Herr Steinbrück da gerade vorgeführt werden sollte von seinen Widersachern, die um keinen Deut besser sind: Wieder mal kommt der Irrsinn unserer Realität ein Stück mehr ans Licht - für alle gut sichtbar, die auch hinschauen.

Unvergessen für mich der Ausspruch eines ehemaligen Grünen, der später zur CDU wechselte, wie das Fähnchen im Winde - Oswald Metzger, ein Stabbrecher über Hartz-IV-Existenzen vorm Herrn: Unter 3.000 Euro Tagesgage ginge  er erst gar nicht aus dem Haus. Ja, Herr Metzger, kein Problem - solange sie Anderen wenigstens eine Tagesgage als Monats-Salär zugestehen - wovon sie meilenweit entfernt sind.

Symbolische Anmerkung zu Peer Steinbrück - ein dreifacher Stein. Zweimal im Namen, Peer von Peter = petros, der Stein ... und Steinbock dazu. Ziemlich harte Nuss.

Keine Kommentare: