.... jetzt habe ich leicht reden - wo ich mich auf den Ortswechsel und etwas Neues freuen kann. Auf eine gemütliche Wohnung mit "eigenem Charakter". Und den Wald drumherum. Auf die Natur, auf frische, satte gesammelte Wildkräuter, auf Vogelgesang, auf gute Luft und und und ....
Ja, das freut mich, daß ich jetzt endlich mal wieder leicht reden habe. Es war zuvor so schwer geworden.
Eine von vielen verrückten "spirituellen" Ideen hatte mich einst ergriffen: Die "Hauslosigkeit", die bei Buddhistens so hoch im Kurs steht. Besonders gerne von solchen angepriesen, die selbst ihrer "Hauslosigkeit" in einer hübschen Villa nachgehen.
Dieses abgehobene "Sich überall gleich wohl fühlen können-müssen" aufgrund von "Gleichmut".
Völliger Unsinn. Ich hab´s getestet, über Jahre. Erst bin ich in die "Hauslosigkeit" gegangen - natürlich zu Budhhistens bzw. in ein solches Zentrum, wo ich auf sehr engem Raum hauste. Hat mir vom Raum im Prinzip gereicht, da ich ja ein großes Seminarhaus und ein riesiges Naturschutzgebiet als weiteren Auslauf hatte. War aber rein zwischenmenschlich alles zu eng. Engstirnig. Ein Segen - daß ich es recht schnell erleben konnte. Außerdem - gab es wohl vor mir noch nie jemanden dort, der soviele Dinge mit in die "Hauslosigkeit" gebracht hatte. Stereo-Anlage, PC, Trommeln .... eigentlich lustig, weil so gar nicht spartanisch. Dazu hatte ich noch wichtige Dinge im Keller meiner Mutter verstaut. War also sozusagen direkt wieder am Start, nachdem ich aus der eher kurzen "Hauslosigkeit" wieder zurück in die Kolonie kam. Was fehlte, fand sich. Also - Hausstand wieder vorhanden. Nicht luxurriös - für viele eher ein Albtraum - aber für mich genügend Luxus. Kein Backofen - aber ein "Küchen-Kabuff" mit kleiner Arbeitsplatte und Spüle, darauf einen mobilen Zweiplatten-Herd gestellt. Und eine neue Waschmaschine. Waschmaschinen sind ein wahrer Segen, finde ich.
Erheblich mehr Raum als bei Buddhistens - und "mein eigener". Kein seltsamer Gemeinschafts-Krampf und keinerlei Gemeinschafts-Gespräche mehr, bei denen sich ohnehin nur die gleichen Hierarchien und Profilneurosen zeigen, wie sonst auch üblich. Ne - danke - für mich soll das wohl nicht sein auf Dauer. Wäre vielleicht länger geblieben, hätte es nicht eine abstruse Mobbing-Konfrontation gegeben. Lange her - und heute bin ich sicher nicht traurig darüber, daß das Leben mich zügig wieder woanders hingeweht hat.
Zwar zurück in die Kolonie - aber anders als zuvor. Fand binnen dreineinhalb Wochen ein sehr günstige Bleibe in einem der heißbegehrten Viertel der Stadt. Ein sehr netter Mann vermietete mir die Wohnung - ohne viele Fragen. Eigentlich hätte sie schon längst weggewesen sein müssen - aber es gab einen Druckfehler in der Zeitung bei der Telefonnummer. Ich schaute also im Telefonbuch nach, als ich keinen Anschluß hatte ... und erstaunlicherweise waren wohl sonst kaum Leute auf diese Idee gekommen. Sie war also die meine, quasi außer Konkurrenz. Gott sei Dank - denn ich fiel für die vorhergegangenen dreieinhalb Wochen der ehemaligen Frau meines Neffen durch meine Anwesenheit in ihrem Haus zur Last - der mich aufgenommen hatte. Er revanchierte sich auf diese Weise - nach vielen Jahren und seinerzeit glücklich über diese Option - für einen Freundschaftsdienst meinerseits, den ich ihm einst leistete. Das war die eigentliche "Hauslosigkeit" - ganz ohne Bleibe in der Luft zu hängen und ggf. eines dieser üblen Rattenlöcher in der Kolonie anmieten zu müssen. Ich hatte also - den Arsch voll Glück. Einerseits. Fand zügig eine Bleibe, genau dort, wo ich gerne hinwollte, und danach zügig einen Job und ein Auskommen - mir fiel der Taxischein wieder ein, den ich vor vielen Jahren gemacht hatte. In jedem Fall (!!!) besser als irgendein stumpfer Bürojob. Und für eine zeitlang - ein kleines Abenteuer. Ich entdeckte diese Stadt wieder einmal auf ganz neue Weise - wie schon mehrmals zuvor.
Meine verquere "spirituelle Idee" blieb mir erhalten: Eine Art Ehrgeiz, mich in jeder Lebenslage gleichermaßen wohl fühlen zu wollen. Ich dachte - so müsse das funktionieren mit diesem "Gleichmut". Ein Witz. Und eines von diesen zahlreichen "hehren Idealen", die mir - Gött sei Dank - im Laufe der Jahre wieder abhanden gekommen sind.
Heute bedeutet mir diese hehre Vorstellung von "Gleichmut" im Grunde nichts mehr - und wenn ich sie irgendwie definieren sollte, würde ich vielleicht sagen: Gleichmut ist - wenn Du Dich ohne jeglichen Anflug von schlechtem Gewissen oder Reue auch völlig daneben benehmen kannst - einfach, weil es gerade geschieht.
Oder anders, bezogen auf den Ratschlag eines allzuviel falsch zitierten Buddha, der, wie Jupp-Jesus, nie eine Anhängerschaft gesucht hat und auch nichts aufgeschrieben hat: Frei sein von "Praise and Blame" - Lob und Tadel. Da gibt es in einer Personen-Beförderungs-Limousine reichlich Lektionen. Der eine sagt so - der andere sagt so!
Gestern sagte jemand zu mir: "Oh - wie erfreulich - endlich mal ein sauberes Taxi. Da möchte ich Sie aber mal loben."
In Wahrheit - wollte er wohl eher meine Kollegenschaft tadeln? Ich ging nicht drauf ein - auf sowas gehe ich möglichst nie ein. Dachte mir meinen Teil - und wie verquer das eigentlich ist.
Im Laufe der vergangenen sieben Jahre habe ich mich noch mehrere Male und oft erfolglos am "Gleichmut" versucht. Besonders auch, was meine persönliche Umgebung betrifft. Hier kann mensch sich durchaus eine ganze Weile lang selbst bescheissen. Sich erzählen, daß doch eigentlich alles in Ordnung ist und kein Mangel herrscht. Sich an kleinen Freuden wieder für eine Weile am eigenen Schopf hochziehen. Aber im Grunde funktioniert das nur solange, bis die eigenen Reserven aufgebraucht sind.
Insofern - freue ich mich jetzt einfach auf eine neue, freundliche Bleibe und "arbeite" lieber mal an meinem echten Wohlbefinden statt an irgendwelchen abstrusen "Idealen" - wenn ich auch noch nicht recht weiß, wie das genau funktioniert. Immerhin - waren die letzten sieben Jahre gut zum Sieben.
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