Dienstag, 17. April 2012

Samstag kriege ich (m)einen neuen Schlüssel

Ein guter Tag für Ordnung - ein Saturn-Tag. Bin gespannt, wie sich das anfühlen wird - war seither nicht mehr dort. Muß unbedingt feinstes Badeöl mitnehmen. Und eine Pizza besorgen für meinen lang ersehnten Backofen in der Herzküche.
Gestern abend war ich platter als platt - und habe gar nichts mehr bewegt. Ging gar nicht.
Die letzten sieben Jahre hier in der Kolonie waren derart zum Bersten angespannt, daß ich gestern abend beschloss, dort erst einmal eine Woche nur zu baden, zu sitzen, mal was zu essen zwischendurch, und zu schlafen. Sicher wird es wie immer ganz anders kommen.
Ich hoffe, es kommt wieder Energie. Allein schon durch das Licht. Hier - war es mehr als schwierig geworden, solche noch zu generieren. Im besten Falle - werde ich sogar wieder ein wenig Spaß haben, in die Kolonie zu fahren, im Wissen darum, daß ich abends wieder aus dieser raus komme. Aber auch all diese Vor-stellungen sind eben nur solche.
Inzwischen war es so absurd geworden, daß ich die Limousine fast als Zuflucht gesehen hatte - was natürlich auch Blödsinn ist. Aber der tiefe, seelige, traumhafte Trance-Schlaf, der mich gestern erneut mitten auf lauter, belebter Strasse überfiel, war wirklich süß. Sehe mich schon auf der Wiese am Rande der Teiche bei den singenden Unken sitzen und vor mich hindümpeln .... einfach nur dünpeln, im halbschlafenden Reptilienhirn herumdümpeln. Mich weit weg in die Urzeit und ins Wasser hineinlauschend, aus dem ich geboren wurde.
Ein langwieriger Umzug, noch nicht gekannt. Die meisten gingen zügig vonstatten und mit erheblich mehr Plan als dieser. Die krasseste Nummer war einer, bei dem ich nur zwei Tage Zeit hatte, um Sack und Pack zu sortieren (also doch auch eher planlos) - irgendwann  fand ich mich heulend vor und dachte: So - jetzt nimmst Du Deine beiden geliebten Katzen und zwei Koffer unter die Arme und läufst ganz weit weg - und ganz woanders hin.
Die zähe Zeitschleife jetzt, seit März, hat mich nochmal gelehrt, daß ein vorübergehender Besitz von Dingen (bei mir sind und waren es in Kürze vorwiegend Bücher und Instrumente) zwar für eine Weile tröstlich erschien, aber letztlich nicht von wirklicher Bedeutung sind. Hatte mich mit zuviel davon umgeben, um meine Nicht-Geborgenheit zu kompensieren. So trenne ich mich und freue ich mich schon seit Wochen auf weitere Ent-äußerung von all diesen Dingen. Auch diverse Instrumente werde ich veräußern und abgeben. Zunächst einmal müssen sie noch mit rüberschaukeln, denn rein zeitlich habe ich noch nicht alles wegschaffen können, was ich noch wegschaffen will.
Der unschätzbare helfende Engel, der selbst auf anderen Umzugs-Reisen sein wird, schickt mir seine besten Kollegen als Umzugshelfer. Die haben Nerven aus Stahl, sind mehr als geschickt und äußerst Außergewöhnliches gewohnt. Für diese wird es wohl eher ein Spaziergang. Und ehrlich gesagt - gibt es hier gar nichts Außergewöhnliches, im Gegenteil, es ist halt nur (m)ein unruhiger Geist, der kein eigenes Revier hatte in den vergangenen Jahren bzw. keinerlei beruhigenden Rückzugsort - und der nun endlich, wenigstens für angemessene Zeiten, zur Ruhe kommen will.
Es gibt eine Waschmaschine (die ich als sehr großen Segen betrachte!) und ein Bett, welches zum -zigsten Male auseinandergeschraubt und wieder zusammengebaut werden wird - und wieder mit auf Reisen geht. Ein vortreffliches Möbel, welches alle Umzüge unbeschadet übersteht. Und ein Sofa, welches ich doch noch eine Weile nutzen werde. 
Alles Andere - ist äußerst mobil.  In der neuen Wohnung - gibt es phantastische Einbauschränke, die mich von allen weiteren Möbeln entlasten. Kurz - ich kann weiter daran arbeiten, meinem ehemaligen Traum von den zwei Koffern Stück für Stück entgegenzuarbeiten. Die beiden wunderbaren und unschätzbaren Katzenfreunde - sind schon lange übergegangen ins Katzenparadies.

Denke oft an solche Menschen, die diesen Luxus eines eigenen Reviers noch nie erlebt haben. Denke auch, daß sind nicht wenige auf diesem Planeten. Denke, es wäre ein Vordringliches, jedem Menschen solcherlei (Rückzugs-) Raum möglich zu machen. Ihr ihr/ Ihm sein eigenes Revier zu lassen - um derart wieder die eigene Seele zu entdecken.
Was ich noch gelernt habe: Mich nicht mehr zu verausgaben. Mußte hier wirklich haushalten - mit Kräften und Geld. Dachte noch bis vor wenigen Monaten und bis dahin mein Leben lang - eher unbegründet, wie ich im Laufe der Monde feststellen darf -  ich könne nicht wirklich gut mit Geld umgehen. Inzwischen habe ich anderes gelernt - über mich. Es geht wunderbar. Es geht auch wunderbar, sich sehr reich zu fühlen - ohne allzu große Einkünfte. Es gibt eben eine Art von Reichtum, der über den vermeintlichen und von Natur aus temporären Besitz von Dingen hinausgeht.
Vor vielen Jahren besuchte mich einmal mein "Ex-Chef", lange nach meinem Kündigen, der bemerkte, ich "hätte ja so gut wie nichts". Er sprach von sogenannten Wertgegenständen. Das war noch zu der Zeit, als es mir monetär äußerst gut ging. Ich dachte kurz darüber nach und merkte an - ".. scheinbar brauche ich das ganze andere Zeug nicht wirklich, sonst hätte ich es mir ja kaufen können. Das, was ich hier habe - ist für mich durchaus von Wert. Es muß also vorwiegend eine Frage der jeweils persönlichen Wertschätzung sein." Denke öfter mal an diese Begegnung. Erklärte dem Mann noch - eine mental aufnahmebereite Zwillingssonne - was ich da genau alles in meinem Besitz bzw. zu meiner Verfügung habe und wie wertvoll es sei (gute alte Stereo-Anlage, Waschmaschine, Instrumente, Bücher ....) - und was für ein überschäumender Luxus das alles im Grunde sei - er dachte zügig, wie es sich für eine Zwillingssonne geziemt, seine mitgebrachten Vor-stellungen um. Als ich ihn später einmal besuchte - konnte ich meinerseits nichts von Wert finden.
Unterhielt mich neulich noch mit dem helfenden Engel darüber - ein Freund war verstorben, der sein Leben lang seine eigenen Schätze gesammelt hatte. Mit seinem Tod verloren plötzlich all diese Schätze ihren Wert - weil sie für Andere eben nichts wert waren. Aus reiner Wertschätzung für den verstorbenen Menschen haben sich die Freunde um eine gute Verwendung dieses Nachlasses gekümmert. Nicht um der Gegenstände selbst willen, sondern um der Seele willen, die diese so liebevoll angesammelt hatte.
Es geht also nicht um Dinge - und dennoch sind diese beseelt.

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