Montag, 30. April 2012

Ein zutiefst geborgener Umzug …


Die beiden Umzugsengel brachten mich sicher und geborgen rüber mit Sack und Pack. Es war etwa so, wie ich es mir schon dachte: Sie kamen kaum an und schon ging es los. Den Mann, den ich vor ca. 25 Jahren zum letzten Mal gesehen hatte und der nun wieder auftauchte, begrüße ich mit einem sehr herzlichen „Mensch, was bist Du alt geworden!“ und er erwiderte „Ja, Du aber auch.“ Ich – war vor allem schwer geworden in den vergangenen sieben Jahren – er kannte mich noch mit federleichten 55 Kilo.
Beide Engel meinten, ich hätte super vorgepackt. Ich selbst – hatte so meine Zweifel und Bedenken, denn mein eigener Perfektionismus bringt mich manchmal um den Verstand. Ich war nicht wirklich zufrieden mit meiner Vorpack-Aktion – mit mehr Energie hätte ich das alles noch anders vorbereitet - aber es klappte viel besser, als ich dachte. Die beiden Männer haben Energie für vier und sie steckten mich sofort an. So hatte ich es mir, wie gesagt,  gedacht – und mich Mittwochs am Nachmittag völlig ausgelutscht vom alten Acker Köln gemacht.
Noch gute eineinhalb Tage – um ein wenig aufzutanken in einer recht leeren, neuen  Wohnung. Zwei Fuhren in meinem kleinen, feinen Kombi hatte ich mitgenommen, vor allem mein Lager für den Fußboden und die Nächte. Ganz schön hart, so ein Fußboden – umso weicher die erste Nacht im eigenen Bett.
Das ist ein altes Ritual von mir: In der leeren Wohnung auf dem Boden schlafen und nachspüren, schauen, wirken lassen. Und bemerken, daß im Grunde nichts fehlt – bevor die vielen Sachen nachkommen.
Den Transporter holte ich gleich ich hier um die Ecke ab – fand eine Firma in der Nähe und es stellte sich heraus, daß ich die locker zu Fuß erreichen konnte. Gibt ja keinen Zufall, dachte ich zum –zigsten Mal, als ich erfuhr, wo die genau sitzen.
Das große Auto ließ sich gut fahren – ich vertraute einfach mal auf meine Fahrkünste, obwohl ich so einen Transporter zuvor noch nie gefahren habe. Zweimal abgewürgt – die klassische Variante – und dann ließ er sich gut bedienen. Setzte ihn direkt rückwärts an hier in der Einfahrt, alles prima.
Wir mussten zweimal fahren – ich habe einen Berg von Instrumenten. Der mir bereits Vertraute kriegte sich gar nicht ein – und auch der andere Engel staunte nicht schlecht. Am meisten habe ich wohl selbst gestaunt, was sich da alles in meinen Händen befindet – jetzt, wo ein großer Proberaum damit angefüllt ist. Außerdem staunten wir noch über die vielen Büchertüten … ich hatte doch schon etwa ein Drittel abgegeben. Als ich die vielen Kartons sah, sagte ich noch inbrünstig: Das kann nicht alles von mir sein! Keine Ahnung, wem das alles gehört und was da drin ist.
Das wird ein Projekt bleiben – Dinge abgeben bzw. verkaufen. Für´s nächste Jahr. In aller Ruhe. In der Zeit wird sich auch klären, was mit dem Instrumentenschatz geschieht. Es wird sich zeigen, ob ich nochmal ein echtes Feuer dafür entfache – oder ob auch das überlebt ist.
Reduzieren ist in jedem Falle gut. Das Schöne am noch unsortierten Proberaum ist – die Wohnung ist nicht vollgestellt mit Zeug. Und so soll es bleiben. Viel freier Raum.
Beide Engel waren ebenso wie ich begeistert über die richtig gut-gemachten Einbauschränke – und als feinstes Sahnehäubchen zeigte ich ihnen meine begehbare Geheimkammer. Das war der Hit. Ist - der Hit.  Ein Engel konnte meinen Kühlschrank gut gebrauchen – so bin ich den auch schon los. Die Zeiten sind vorbei, wo ich nochmal irgendetwas „auf Vorrat“ mitschleppen möchte.
Nach weniger als sechs Stunden, trotz zweimal laden und fahren, war alles geregelt – in bester Gesellschaft und mit einigen netten Pausen zwischendrin. Wie ich es mir dachte – eine Art Spaziergang, mit solchen Menschen. Wenn mensch solche Menschen kennt – kann eigentlich nicht viel schiefgehen im Leben.
Im tieferliegenden Sinne – haben sie mich nochmal an meine eigenen „Werte“ erinnert. An meinen „Stamm“. Um solche Werte wie Geld, Reichtum, Profilierung geht es in diesem nicht. Und es war wieder einmal erstaunlich, wie uninteressant „Zeit“ in diesem Zusammenhang ist – ob man sich ein Viertel-Jahrhundert nicht mehr gesehen hat. Irgendwie – erkennt man sich wieder.  Ich war also – fühle mich immer noch – mehr als getragen durch die Bekanntschaft mit einigen Exemplaren dieses Stammes – die immer da sind, wenn mal was ist. Und die ansonsten auch sehr eigenbrödlerisch sein können und sind.
Eine schöne Kombination von Engeln übrigens: Der eine den Arsch voll Hummeln – der Andere sehr ruhig. Der Ruhige, mir noch nicht bekannte, fuhr im Transporter mit – wir unterhielten uns eine Weile … und dann durfte auch einfach Schweigen sein. Das hat nochmal eine eigene Qualität – mensch kann nicht mit jedem in aller Ruhe schweigen.
Ich erinnerte mich dieser Tage an einen erquicklichen Zen-Spruch: 70 % ist Perfektion. Ich hatte diese gerade eben noch gemeistert … erstmals „nur“, sonst visiere ich lieber 90 % an. Die beiden Engel waren sofort mit 99 % da. Das „fehlende 1 %“ - erschien am Ende in einer fehlenden Schlauchschelle für die Waschmaschine. Diese besorgte ich und versuchte mein Glück – als es nicht klappte, fragte ich den neuen Nachbarn, der sicher auch handwerklich geschickt ist und weit mehr Kraft hatte als ich für die anvisierte Aktion … ging aber nicht. Also kam der instruierende Engel heute nochmal und improvisierte – das können  nur noch sehr wenige – es klappte natürlich bei ihm. Und so sollte es dann wohl auch sein, denn ich nutzte tatsächlich die Gelegenheit, alle nochmal zum Wandern und anschließendem Essen einzuladen. Freue mich schon drauf, ein paar gute Stunden mit ihnen zu verbringen. Danke, M., für die Erinnerung – der „Organisationsengel“, der anderweitig unterwegs war in Sachen Unterstützung, ist nur schwer zu so etwas zu bewegen. Jetzt – wird er einfach „mitgebracht“ von den Anderen.
Kurzfassung: Alles lief bestens. Besser – geht nicht.

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