Die beiden Umzugsengel brachten mich sicher und geborgen rüber mit Sack und Pack. Es war etwa so, wie ich es mir schon dachte: Sie kamen kaum an und schon ging es los. Den Mann, den ich vor ca. 25 Jahren zum letzten Mal gesehen hatte und der nun wieder auftauchte, begrüße ich mit einem sehr herzlichen „Mensch, was bist Du alt geworden!“ und er erwiderte „Ja, Du aber auch.“ Ich – war vor allem schwer geworden in den vergangenen sieben Jahren – er kannte mich noch mit federleichten 55 Kilo.
Beide Engel meinten, ich hätte
super vorgepackt. Ich selbst – hatte so meine Zweifel und Bedenken, denn mein
eigener Perfektionismus bringt mich manchmal um den Verstand. Ich war nicht
wirklich zufrieden mit meiner Vorpack-Aktion – mit mehr Energie hätte ich das
alles noch anders vorbereitet - aber es klappte viel besser, als ich dachte.
Die beiden Männer haben Energie für vier und sie steckten mich sofort an. So
hatte ich es mir, wie gesagt, gedacht –
und mich Mittwochs am Nachmittag völlig ausgelutscht vom alten Acker Köln
gemacht.
Noch gute eineinhalb Tage – um
ein wenig aufzutanken in einer recht leeren, neuen Wohnung. Zwei Fuhren in meinem kleinen, feinen
Kombi hatte ich mitgenommen, vor allem mein Lager für den Fußboden und die
Nächte. Ganz schön hart, so ein Fußboden – umso weicher die erste Nacht im
eigenen Bett.
Das ist ein altes Ritual von mir:
In der leeren Wohnung auf dem Boden schlafen und nachspüren, schauen, wirken
lassen. Und bemerken, daß im Grunde nichts fehlt – bevor die vielen Sachen
nachkommen.
Den Transporter holte ich gleich ich
hier um die Ecke ab – fand eine Firma in der Nähe und es
stellte sich heraus, daß ich die locker zu Fuß erreichen konnte. Gibt ja keinen
Zufall, dachte ich zum –zigsten Mal, als ich erfuhr, wo die genau sitzen.
Das große Auto ließ sich gut
fahren – ich vertraute einfach mal auf meine Fahrkünste, obwohl ich so einen
Transporter zuvor noch nie gefahren habe. Zweimal abgewürgt – die klassische
Variante – und dann ließ er sich gut bedienen. Setzte ihn direkt rückwärts an
hier in der Einfahrt, alles prima.
Wir mussten zweimal fahren – ich
habe einen Berg von Instrumenten. Der mir bereits Vertraute kriegte sich gar
nicht ein – und auch der andere Engel staunte nicht schlecht. Am meisten habe
ich wohl selbst gestaunt, was sich da alles in meinen Händen befindet – jetzt,
wo ein großer Proberaum damit angefüllt ist. Außerdem staunten wir noch über
die vielen Büchertüten … ich hatte doch schon etwa ein Drittel abgegeben. Als
ich die vielen Kartons sah, sagte ich noch inbrünstig: Das kann nicht alles von
mir sein! Keine Ahnung, wem das alles gehört und was da drin ist.
Das wird ein Projekt bleiben –
Dinge abgeben bzw. verkaufen. Für´s nächste Jahr. In aller Ruhe. In der Zeit
wird sich auch klären, was mit dem Instrumentenschatz geschieht. Es wird sich
zeigen, ob ich nochmal ein echtes Feuer dafür entfache – oder ob auch das
überlebt ist.
Reduzieren ist in jedem Falle
gut. Das Schöne am noch unsortierten Proberaum ist – die Wohnung ist nicht
vollgestellt mit Zeug. Und so soll es bleiben. Viel freier Raum.
Beide Engel waren ebenso wie ich
begeistert über die richtig gut-gemachten Einbauschränke – und als feinstes
Sahnehäubchen zeigte ich ihnen meine begehbare Geheimkammer. Das war der Hit.
Ist - der Hit. Ein Engel konnte meinen
Kühlschrank gut gebrauchen – so bin ich den auch schon los. Die Zeiten sind
vorbei, wo ich nochmal irgendetwas „auf Vorrat“ mitschleppen möchte.
Nach weniger als sechs Stunden,
trotz zweimal laden und fahren, war alles geregelt – in bester Gesellschaft und
mit einigen netten Pausen zwischendrin. Wie ich es mir dachte – eine Art
Spaziergang, mit solchen Menschen. Wenn mensch solche Menschen kennt – kann
eigentlich nicht viel schiefgehen im Leben.
Im tieferliegenden Sinne – haben
sie mich nochmal an meine eigenen „Werte“ erinnert. An meinen „Stamm“. Um solche
Werte wie Geld, Reichtum, Profilierung geht es in diesem nicht. Und es war
wieder einmal erstaunlich, wie uninteressant „Zeit“ in diesem Zusammenhang ist
– ob man sich ein Viertel-Jahrhundert nicht mehr gesehen hat. Irgendwie –
erkennt man sich wieder. Ich war also –
fühle mich immer noch – mehr als getragen durch die Bekanntschaft mit einigen
Exemplaren dieses Stammes – die immer da sind, wenn mal was ist. Und die
ansonsten auch sehr eigenbrödlerisch sein können und sind.
Eine schöne Kombination von
Engeln übrigens: Der eine den Arsch voll Hummeln – der Andere sehr ruhig. Der
Ruhige, mir noch nicht bekannte, fuhr im Transporter mit – wir unterhielten uns
eine Weile … und dann durfte auch einfach Schweigen sein. Das hat nochmal eine eigene
Qualität – mensch kann nicht mit jedem in aller Ruhe schweigen.
Ich erinnerte mich dieser Tage an
einen erquicklichen Zen-Spruch: 70 % ist Perfektion. Ich hatte diese gerade
eben noch gemeistert … erstmals „nur“, sonst visiere ich lieber 90 % an. Die
beiden Engel waren sofort mit 99 % da. Das „fehlende 1 %“ - erschien am Ende in
einer fehlenden Schlauchschelle für die Waschmaschine. Diese besorgte ich und
versuchte mein Glück – als es nicht klappte, fragte ich den neuen Nachbarn, der
sicher auch handwerklich geschickt ist und weit mehr Kraft hatte als ich für
die anvisierte Aktion … ging aber nicht. Also kam der instruierende Engel heute
nochmal und improvisierte – das
können nur noch sehr wenige – es klappte
natürlich bei ihm. Und so sollte es dann wohl auch sein, denn ich nutzte
tatsächlich die Gelegenheit, alle nochmal zum Wandern und anschließendem Essen
einzuladen. Freue mich schon drauf, ein paar gute Stunden mit ihnen zu verbringen.
Danke, M., für die Erinnerung – der „Organisationsengel“, der anderweitig
unterwegs war in Sachen Unterstützung, ist nur schwer zu so etwas zu bewegen.
Jetzt – wird er einfach „mitgebracht“ von den Anderen.
Kurzfassung: Alles lief bestens. Besser
– geht nicht.
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