Montag, 9. April 2012

Noch früher abgestellt ....

... hallelujah! Nach der Abrechnung beim Unternehmer - wo ich auch auf den Sohn traf, der nicht minder geschreddert und frustriert ist zur Zeit über unseren "Lauf", als ich. Viele viele Doppelpünktchen, keine Bewegung für´s Taxi-Fahrgeschäft in diesen Tagen. Ja - wir kennen das. Und dennoch - ist es jedesmal wieder erneut mühsam. Der "Jeffe" belehrt uns - das sei reine Nervensache. "Ja", sage ich - "eben! Deswegen ja - bin leider gerade etwas entnervt". Da sitzt Du sinnlos in der Gegend herum und wartest eine Stunde auf die nächste Fahrt - die dann nochmal satte 4,15 bringt - während zuhause genug Arbeit wartet. 
Wir Fahrenden schauen uns nur wissend an und ich sage zum Kollegen "Hör mal - da spricht wieder der erfahrene (!!) Experte". Jou - Lachen hilft immer. Der "Jeffe" fährt nämlich nicht selbst - aber dafür weiß er es oft erstaunlich besser, als wir. Immerhin - löst sich der Frust in Windeseile in solch angenehmer, toleranter Arbeits-Gesellschaft und die wunderschöne, freundliche Hauskatze kommt prompt vorbei, um mir ihr schnurrendes, sofortheilendes Nervenbalsam  zu verabreichen. Ich höre noch "Was ist denn mit der Katze los?" - während ich bereits an ihr rieche und meine Nase in ihr tiefenentpanntes Nackenfell eintauche - welches sie mir darbietet, während sie sich auf den Rücken rollt. So sind sie, die Tiere - überaus tröstlich in ihrer Präsenz und jederzeit bereit, einen an die Schönheit des Momentes zu erinnern. Schon seit gestern treffe ich - nach langer Zeit - wieder auf Katzen als Thema - die mich früher immer begleitet haben, manchmal zahleich, aber immer mindestens zweie - damit sie nicht allein sein müssen über Tag.

Der Limousinen-Tag - war schlicht gesagt für den Arsch. Das Beste war noch ein Schlafkoma, in dem ich zum ersten Mal in meiner bisherigen Laufbahn sogar ein Auftragssignal verpennt habe - weil es so schön war im Traum. Glücklicherweise nicht meines, sondern das des Vordermannes. Wenige Minuten später wurde ich wach - und zog nach vorne. Instinkt eben. Eigentlich - war ich erst hellwach im Traum - hatte mich nur ausgeklinkt aus der Strasse - und lauschte einem Schriftsteller, der u.a. erörterte, welchen Unterschied es macht - ob man so ein Wort wie "Arschloch" ausspricht oder eben radikal zu Papier bringt. Er meinte, es macht einen großen Unterschied, obwohl es verbal so häufig genutzt wird. Doch wenn die Leute es auf dem Papier bzw. in seinen Geschichten lesen - träfe es doch noch mal einen anderen Nerv. Ich sehe das ähnlich. Gefällt mir, wie der Mann erzählt - und höre irgendwo im Nirwana sehr aufmerksam zu - um darüber ins völlige Nichts einzutauchen.

Irgendwann vorher gegen mittag läuft eine Frau an meinem aktuellen Halteplatz herum, wir stehen zu drei Taxen dort und sie schaut in jedes neugierig hinein. Ich bin die Mitte. Sie kommt wieder zurück - und will mich etwas fragen. Ich hab´s geahnt... sie will, daß es in meine Limousine reinregnet .... Völlig nervöse und aufgelöste Person. Die Bahnen würden nicht fahren - "Keine Ahnung", sage ich, weiß von nichts - und sie wolle in etwa eineinhalb Stunden zum Bahnhof. Ja - sage ich - dann rufen Sie doch bitte einfach zu gegebener Zeit die Zentrale an, 2882, dann bekommen sie ein Taxi, kein Problem. Ja - das hätte die Zentrale ihr auch schon gesagt, aber sie sei so aufgeregt - und: Sie wolle einen deutsch-sprachigen Fahrer. Tja - sage ich, damit kann ich Ihnen jetzt auch nicht weiterhelfen .... aber wie gesagt, rufen Sie einfach an - und wir kommen dann. Kein Problem! Ja - aber ihre Schwester, die würde da und da wohnen - die bräuchte dann auch eines. Ich wiederhole mich nochmal - 2882, kein Problem, sie können auch vorbestellen ... das ist zwar jetzt geklärt - aber die will gar nicht aufhören, mir ihre sehr wirren Gedankengänge in die Limousine zu geben. Ich mache einen Punkt. Wäre ich Psychologin - ich könnte ein Vermögen verdienen. Und mich den Menschen entsprechend widmen, ihnen meine Zeit schenken. Aber ich tue es nicht mehr für 2,50 die Stunde ..... die Antwort auf ihre konkrete Frage - bekommt sie natürlich umsonst - mit recht viel Geduld.

Als sie weg ist, frage mich ernsthaft, wie ich mein Leben überstehen sollte, wenn ich solche "Sorgen" hätte! Ist die jetzt wirklich extra im Regen mit Schirm zum Taxistand gekommen - um einen "deutschsprachigen" Fahrer(in) zu haben? Was für diffuse Ängste! Und um die geht es meistens - um diffuse Ängste. Bei jedem und jeder - anders geartet.
 
Ich schätze mal, daß etwa 99 Prozent der Tagschicht weit mehr als genügend die deutsche Sprache  beherrschen, um einen Fahrgast zum Bahnhof zu fahren. Habe mich schon immer gewundert über die angeblich vielen Taxileute in den Erzählungen der Gäste, die vermeintlich nichts verstehen würden. Ich - treffe die nie. Ein Einziger fiel mir dazu ein - der schon ewig fährt - und der dazu ein übler Fahrtenräuber ist - aber selbst der sollte es locker zum Bahnhof schaffen. Die beiden anderen Kollegen - hat diese Dame erst gar nicht angesprochen.

Eh - wo Du glaube - wo Du sein?  Bisse Du inne de Kölle - habbe wir schon der dritte Generation vonne de Ausseländer - unte de gaaanze viellle mitte de deutsche Passe - und die sprechen alle perfekt deutsch - und ihre Muttersprache dazu - und immer öfter auch englisch. Naja ..... wie gesagt - ich habe ggf. eh ganz andere Sorgen.

Heute - vermutete ich erstmals, daß viele meiner Kollegen vielleicht einfach so tun, als verstehen sie nichts? Eine wunderbare Möglichkeit - um sich ggf. radikal abzuschotten. Hatte ehrlich gesagt auch schon mal dran gedacht - mich ggf. als Russin  oder so zu outen - nix verstehen ... wo du wolle?

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