.... als ich den Spermüll vor die Tür stelle. Mit einem Transit. Freundliche Männer aus Osteuropa. Auf der Suche nach Beute. Nein - sage ich demjenigen, der mich anspricht - leider nichts mehr von Wert. Alles, was von Wert war, ist bereits weg. Habe alles auf die Strasse gestellt. Wann? Oh - in den vergangenen Tagen. Jetzt ist nur noch Sperrmüll übrig.
Ok, danke. Ja, danke auch.
Sehr viele dieser Leute sind unterwegs in der Kolonie. Die letzten "Dinge von Wert", die ich heute mittag vor´s Haus stellte, waren radikal weggeputzt, kein Staubkörnchen mehr übrig. Viele Frauen sind allein unterwegs und sichten. Nehmen kleinere Dinge mit. Und dann - kommen diese Männer mit dem Transporter.
Denke - sie finden manchmal ein relatives Auskommen auf diese Weise.
Der Nachbar kommt und meint - stellen Sie das jetzt schon raus? Ja, tue ich. Habe keine Ambitionen, das morgen früh um sechs zu machen. Ja, aber ... da würden doch bestimmt viele ihr Zeug dazustellen. Hmmmhh - entscheide mich für weiteren Optimismus. Wird schon. Und meine nur - ich habe gerade genug zu tun. Bin froh, wenn das Zeug weg ist.
Er geht auf den Hof und sieht sich die neugebauten Balkone an - kommt mit einem Kopfschütteln zurück. Ich frage "Nicht schön?" und lache. Habe mir das auch schon angesehen heute und über die recht akrobatisch anmutende "Stelzentechnik" gestaunt.
Er eröffnet mir, daß er früher mal Stahlbauer war - Großprojekte mitgebaut hat - bis er die Schnauze voll hatte - und sich jetzt gerade ernsthaft fragt, wer solch einen Scheiß genehmigt habe.
Ja - sage ich - ich habe zwar keine Ahnung von sowas, aber mir sah es auch ein bischen dünn untenrum aus. Ich kann nur noch lachen über dieses Absurdistan. Wir verbleiben einvernehmlich - was interessiert uns das noch. Füge noch hinzu "Ist doch auch schön, wenn einen das alles nicht mehr interessieren muß."
Er will auch schon lange weg - hat aber noch nichts Passendes gefunden. Fühlt sich nicht minder bescheiden hier, weil - ebenso wie ich bis neulich - nur noch sehr unwillig gelitten. Das - geht irgendwann an die Substanz bzw. an die Lebensqualität. Auch bei ihm und seiner Gefährtin. Er will gerne hierbleiben, im Viertel, ist hier geboren und verwurzelt. Kann ich zwar verstehen, aber es ist halt sehr teuer hier, weil heiß begehrt, besonders von den Immis. Doch warum - soll er nicht einfach Glück haben. So wie ich damals auch - als ich noch für mich begehrte, hier zu landen.
Das ganze Leben besteht schließlich aus Zu-fällen.
Ein netter Kerl - wenn auch oft ein wenig muffelig. Aber irgendwie auch knuffelig. In jedem Falle - gute Nachbarn, beide. Danke nochmal dafür.
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