Samstag, 14. April 2012

Aus den Geschichten der Anderen ...

... halte ich mich in direkten Gesprächen möglichst und weitgehend raus.  Das hat einen simplen Grund: Meist mischen wir uns mit Bewertungen ein, die aus unserer ureigenen Geschichte und Weltensicht resultieren, und diese sind für Andere ungeeignet. Jedes hat sein eigenes Los - und mag es äußerlich auch ähnlich anmuten, wird es innerlich doch jeweils persönlich erlebt - und ganz verschieden. Deswegen ist es für mich weit freundschaftlicher, den Anderen in seinem persönlichen Drama nicht noch zusätzlich mit rein subjektiven Rat-Schlägen zu prügeln, sondern einfach den Raum offen zu lassen dafür, daß er/sie die eigenen Antworten findet. Dieser Raum kann nur offenbleiben, wenn ich mich so weit es geht  jeglicher Bewertung und Beurteilung enthalte - zumindest verbal. Natürlich denke ich mir manchmal meinen Teil - in dem Wissen, daß es auch wirklich  mein Teil ist und nicht unbedingt etwas mit dem Anderen zu tun hat. Was ich mir erlaube in solchen Begegnungen ist Humor. Besonders, wenn zum Beispiel ein Fahrgast darauf insistiert, daß seine Geschichte ganz besonders schlimm sei und daher meine Betroffenheit erwartet.  Es tut gut, gemeinsam über unsere Dramen zu lachen, ist meine Erfahrung.

Was ich auch manchmal tue, gerade in diesen Tagen: Ich schaue mir diese vielen einzigarten Geschichten aus der Frage heraus an, ob wir wirklich selbst unser Leben gestalten oder ob es eher vorgegeben ist.  Schicksal, Kismet, Fatma.... und wie es bei mir damit steht. Spannend sind für mich dabei vermeintliche "Erfolgsgeschichten" - da sie mir so fremd sind.
Meist stelle ich nach kurzer Betrachtung fest, daß auch diese Menschen ihr Päckchen erhalten haben - was von außen so leicht und glattlaufend aussieht, hat seine ganz eigenen Facetten. Und viele mußten zwischendurch mehr als einmal scheitern und auf die Schnauze fallen, wie auch immer. Das sind für mich dann eher Hinweise darauf, daß es sich beim Abenteuer Leben viel mehr um Schicksal handelt, als darum, daß irgendwer irgendetwas wirklich in seiner/ihrer Hand hat. Zumindest, was den konkreten Output des Inputs betrifft. Diese Betrachtung des Lebens von Anderen - hat nur einen Grund: Mich mit meinem eigenen auszusöhnen und damit, daß ich eben vieles nicht in der Hand habe. Natürlich schmeckt mir das nicht immer, wer will schon der geworfene Stein sein?! Mich damit anzufreunden ist immer noch eine Herausforderung. Langsam, sehr langsam, muß ich es aber doch einsehen. Das Leben ist einfach viel zu verrückt, als das ich es mir ausdenken könnte.

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