Montag, 30. April 2012

Eine erste fundierte Lektion: Es gibt auch im Paradies kein Paradies


Ging heute erstmals wieder durch den Wald und auf die höchste Erhebung hier. Traf ein vor mir flüchtendes Reh und bewunderte seine Fähigkeit, lautlos und geschmeidig durch all das Geäst zu jagen. Blieb noch eine Weile stehen, aber es kamen keine weiteren hinterher. Aus dem Wald herauskommend gibt es einen landschaftlich-paradiesischen Platz mit weiten Wiesen und einer Märchen-Aussicht auf die Hügel der Gegend. Fast wähnte ich mich im schönen Bayernland und in einem Rosamunde-Pichler-Streifen. An der ersten Kreuzung hinter Wald und Wiesen in Richtung „Zivilisation“ zurück gibt es eine Art Hof, auf dem sehr viele Tiere hausen. Die zahlreichen Hunde schlugen schon an, bevor ich um die Ecke bog. Ich registrierte wieder die anderen Tiere, die vor dem Hoftor am Wegesrand hausen. Ziegen, Schafe, Pferde, Ponies …. Beim ersten Spaziergang seinerzeit, nachdem ich die Wohnung angeschaut hatte, war es ähnlich laut und wild dort – aber da kam auch gerade das Postauto. Und ich registrierte schon den Menschen, der dort lebt. Heute – kam er wieder heraus, weil die Hunde laut kläfften, als ich vorbeikam. Ein großgewachsener Hund schoß aus dem Tor heraus mit einem Affenzahn – und lief in die falsche Richtung, was mich zutiefst amüsierte. Ich rief ihm zu „Hier, Schätzchen, hier bin ich.“ Ein nettes, weiches Streichelschaf in der Rolle einer reissenden Bestie. Er stand direkt an meinem Knie – um sich streicheln zu lassen – und hörte erst gar nicht auf den Bewohner, der ihn zurückrief, um den vorhergehenden Aufruhr zu sortieren. Ich sagte also noch zu diesem großen, freundlichen Schaf „Geh schön nach Hause jetzt.“
Dieser Hof mit den vielen Tieren hatte schon bei meinem ersten Besuch mein Interesse erweckt und ich hatte mir vorgenommen, mal nachzuhören, was das für ein Ort ist. Heute – ergriff ich die Gelegenheit beim Schopfe, den Hofherren selbst zu fragen – bevor mir fremde Wertigkeiten entgegengebracht werden.
Ich grüßte ihn also und fragte geradeheraus „Was ist denn das hier für ein Ort hier, was machen Sie mit den vielen Tieren?“ Er fragt zurück „Was geht Sie das denn an?“ Ich antworte „Gar nichts. Da haben sie ganz recht. Ich war nur neugierig“ Ja – so seien die Menschen – neugierig. Wer ich denn sei? Oh, ich wohne jetzt hier in der Nähe – und werde wohl öfter vorbeikommen auf diesem Weg. Er erzählt, daß er schon oft Schwierigkeiten bekommen habe mit den Nachbarn (recht weit entfernt !!!), weil die Hunde eben anschlagen und sich gerne ein bischen wichtig tun. Und –zig Male hat man ihm das Ordnungsamt und die Polizei auf den Hals gehetzt. Ich versichere ihm, daß ich von diesen Institutionen weit entfernt bin, wollte eben einfach gerne wissen, was das für ein Ort ist. Natürlich – ist es einer für Tiere, die ihr Gnadenbrot bei ihm erhalten. Dachte es mir schon – aber dachte auch, es sei das Beste, ihn bei dieser goldenen Gelegenheit direkt selbst zu fragen, bevor mir Andere erzählen, was das für ein „unmöglicher Ort“ oder sowas sei. Und ihn bei der Gelegenheit auch noch vorzuwarnen, denn ich werde dort tatsächlich öfter um die Kurve kommen. Sein Grund liege schließlich an einem offiziellen Wanderweg. Ja – dennoch sei es eigentlich ein Privatweg. Und es könne also sein, daß mir ab und an ein Hund begegnet auf diesem. Ich solle mich also nicht erschrecken. Nein nein, das tue ich sowieso nicht – ich mußte nur eben lachen, weil der Hund in die falsche Richtung gelaufen ist. Das scheint ihn jetzt auch ein wenig zu amüsieren.
Ich denke mir nur wieder – wie verrückt diese Menschenwelt ist. Mitten im vermeintlichen Paradies hetzen sie Dir die Ordnungsmächte auf den Hals – weil der Vorgarten nicht so steril ist, wie sie es wollen. Der Individualist – erzählt noch, daß jetzt viel Arbeit ansteht, das Frühjahr kommt und will vorbereitet werden. Ja – sage ich – das glaube ich sofort, daß es hier immer viel zu tun gibt. Ja – kein Wochenende oder sowas, meint er.
Jetzt – hat er vermutlich weit mehr erzählt, als er wollte. Einem neugierigen Menschen – der seine Tiere und diese kleine Insel mag. Und dieses schauspielernde, nette Hundeschaf.

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