Ging heute erstmals wieder durch
den Wald und auf die höchste Erhebung hier. Traf ein vor mir flüchtendes Reh
und bewunderte seine Fähigkeit, lautlos und geschmeidig durch all das Geäst zu
jagen. Blieb noch eine Weile stehen, aber es kamen keine weiteren hinterher.
Aus dem Wald herauskommend gibt es einen landschaftlich-paradiesischen Platz
mit weiten Wiesen und einer Märchen-Aussicht auf die Hügel der Gegend. Fast wähnte ich mich im schönen Bayernland
und in einem Rosamunde-Pichler-Streifen. An der ersten Kreuzung hinter Wald und
Wiesen in Richtung „Zivilisation“ zurück gibt es eine Art Hof, auf dem sehr
viele Tiere hausen. Die zahlreichen Hunde schlugen schon an, bevor ich um die
Ecke bog. Ich registrierte wieder die anderen Tiere, die vor dem Hoftor am
Wegesrand hausen. Ziegen, Schafe, Pferde, Ponies …. Beim ersten Spaziergang
seinerzeit, nachdem ich die Wohnung angeschaut hatte, war es ähnlich laut und
wild dort – aber da kam auch gerade das Postauto. Und ich registrierte schon
den Menschen, der dort lebt. Heute – kam er wieder heraus, weil die Hunde laut
kläfften, als ich vorbeikam. Ein großgewachsener Hund schoß aus dem Tor heraus
mit einem Affenzahn – und lief in die falsche Richtung, was mich zutiefst
amüsierte. Ich rief ihm zu „Hier, Schätzchen, hier bin ich.“ Ein nettes,
weiches Streichelschaf in der Rolle einer reissenden Bestie. Er stand direkt an
meinem Knie – um sich streicheln zu lassen – und hörte erst gar nicht auf den
Bewohner, der ihn zurückrief, um den vorhergehenden Aufruhr zu sortieren. Ich
sagte also noch zu diesem großen, freundlichen Schaf „Geh schön nach Hause
jetzt.“
Dieser Hof mit den vielen Tieren
hatte schon bei meinem ersten Besuch mein Interesse erweckt und ich hatte mir
vorgenommen, mal nachzuhören, was das für ein Ort ist. Heute – ergriff ich die
Gelegenheit beim Schopfe, den Hofherren selbst zu fragen – bevor mir fremde
Wertigkeiten entgegengebracht werden.
Ich grüßte ihn also und fragte
geradeheraus „Was ist denn das hier für ein Ort hier, was machen Sie mit den
vielen Tieren?“ Er fragt zurück „Was geht Sie das denn an?“ Ich antworte „Gar nichts.
Da haben sie ganz recht. Ich war nur neugierig“ Ja – so seien die Menschen –
neugierig. Wer ich denn sei? Oh, ich wohne jetzt hier in der Nähe – und werde
wohl öfter vorbeikommen auf diesem Weg. Er erzählt, daß er schon oft
Schwierigkeiten bekommen habe mit den Nachbarn (recht weit entfernt !!!), weil
die Hunde eben anschlagen und sich gerne ein bischen wichtig tun. Und –zig Male
hat man ihm das Ordnungsamt und die Polizei auf den Hals gehetzt. Ich
versichere ihm, daß ich von diesen Institutionen weit entfernt bin, wollte eben
einfach gerne wissen, was das für ein Ort ist. Natürlich – ist es einer für
Tiere, die ihr Gnadenbrot bei ihm erhalten. Dachte es mir schon – aber dachte
auch, es sei das Beste, ihn bei dieser goldenen Gelegenheit direkt selbst zu
fragen, bevor mir Andere erzählen, was das für ein „unmöglicher Ort“ oder sowas
sei. Und ihn bei der Gelegenheit auch noch vorzuwarnen, denn ich werde dort
tatsächlich öfter um die Kurve kommen. Sein Grund liege schließlich an einem offiziellen
Wanderweg. Ja – dennoch sei es eigentlich ein Privatweg. Und es könne also
sein, daß mir ab und an ein Hund begegnet auf diesem. Ich solle mich also nicht
erschrecken. Nein nein, das tue ich sowieso nicht – ich mußte nur eben lachen,
weil der Hund in die falsche Richtung gelaufen ist. Das scheint ihn jetzt auch
ein wenig zu amüsieren.
Ich denke mir nur wieder – wie
verrückt diese Menschenwelt ist. Mitten im vermeintlichen Paradies hetzen sie
Dir die Ordnungsmächte auf den Hals – weil der Vorgarten nicht so steril ist,
wie sie es wollen. Der Individualist – erzählt noch, daß jetzt viel Arbeit
ansteht, das Frühjahr kommt und will vorbereitet werden. Ja – sage ich – das
glaube ich sofort, daß es hier immer viel zu tun gibt. Ja – kein Wochenende
oder sowas, meint er.
Jetzt – hat er vermutlich weit
mehr erzählt, als er wollte. Einem neugierigen Menschen – der seine Tiere und
diese kleine Insel mag. Und dieses schauspielernde, nette Hundeschaf.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen