Sonntag, 1. April 2012

Die andere Hälfte des Marathons ... Löffelglück und Erbsenwunder

.. finden gerade statt. Die "Billy-Regal-Unkultur" weiter für den Sperrmüll vorbereiten, ausräumen und auseinanderschrauben in die Einzelteile, schon mal in den Hausflur vorräumen - morgen abend dann alles auf die Strasse stellen. Unbedachterweise habe ich gerade heute noch die Syssyphus-Aufgabe, knapp 40 Büchersendungen zu beschriften und zu frankieren, alles schön per Hand, morgen zur Post schleppen. Ich würde sagen, das hört ab sofort auf - und zwar genau ab jetzt! - dieses Marathon-Arbeits-Timing, als sei ich gerade frische 20 geworden. Blöderweise fahre ich auch noch einen Tag mehr diese und nächste Woche - weil Osterferien sind, die KollegInnen in Urlaub.
Dazu kommt, daß so ein Umzug immer auch eine sehr emotional aufwühlende Angelegenheit ist - wenn auch eher unbewußt als sonnenklar.
Nachdem ich also meine "freien Tage" bis oben hin mit Arbeit beladen habe - erlaubte ich mir wenigstens, heute sehr lange im warmen Bette zu bleiben. Um dort den Panikattacken nachzuspüren.
Völlig geschreddert aufgestanden, war mir sehr schnell klar, daß es nur eine Lösung gibt: Ruhe bewahren. Ruhige Nerven halten. Keinesfalls irgendwelche Panik-Gedanken nähren, sondern eines nach dem anderen erledigen. Gaaanz langsam, gaanz sanftmütig, Schritt für Schritt. Alles ist gut! Tatsächlich half das sofort. Denn: Die Dinge lassen sich durchaus erledigen. Nur die überflüssigen Gedanken an die noch abzutragenden Berge stören. Das aktuelle Mantra dazu lautet: Sati - erinnere Dich - Du packst es!

Merkur treibt zwischendurch seine Scherze mit mir. - setzt noch ein paar Extra-Aufgaben drauf.  Ich werfe irgendwelche Stapel um im Vorbeigehen oder schieße sie ab, weil ich gerade etwas in weitem Bogen wegwerfe -  oder sie fallen einfach von selbst. Gestern abend will ich einen Stein mit einem chinesischen Schriftzug durch´s geklappte Badezimmerfenster auf den Hof werfen - wer weiß, was da draufsteht?! - und dieser bleibt im offenen Fenster hängen, verkantet sich. Von innen kriege ich ihn nicht raus. Von der Hofseite - schon gar nicht. Probiere verschiedene Werkzeuge aus. Hebe den Stein immer wieder ein Stück an und dieser fällt immer wieder gerade runter, um sich erneut zu verkanten. Irgendwann gebe ich auf, um mich heute erneut an die Aufgabe zu machen. Auch die Wasserpumpenzange ist nicht hilfreich. Hoch und runter. Klack! Rein und raus - ne, von außen geht gar nichts.
Irgendwann denke ich, ein Löffel könnte hilfreich sein. Gehe ins Küchenkabuff, um einen zu holen, vergesse völlig, was ich wollte und spüle mal das Geschirr. Wieder im Salon denke ich - was wolltest Du eigentlich in der Küche? Keine Ahnung. Auf einmal ein klirrendes Geräusch aus der Küche - denke, ein Glas ist umgefallen. Tatsächlich ist ein Löffel aus dem Besteckkasten gefallen! Es ist immer wieder erstaunlich mit diesem Merkur! Der Löffel bringt die Rettung - mit einem Schwung hebe ich den Stein so hoch, so daß er endlich rausfliegt. Das hat seit gestern Abend etwa zwei Stunden extra gebraucht .... wie gut, daß es gar keine Zeit gibt. Und immerhin - mußte ich kurz vor der Lösung dieses Extra-Göttergeschenkes endlich über mich selbst lachen.

Inmitten dieses andauernden Chaos - welches sich durch die anstehenden Auf-Räum-Arbeiten nur nochmal umso deutlicher zeigt, es war schon lange vorher hier -  zeigt sich Dankbarkeit. Zum Beispiel für fast 50 Jahre robuster Gesundheit. Hatte mir ein paar blaue Flecken geholt gestern beim Räumen - und mir wurde wieder mal, nach längerer Zeit, klar, was für ein Segen es ist, gesund durch´s  Leben gehen zu dürfen. Auch dies eine sehr mentale Angelegenheit.

Noch ein Geschenk der Götter, seit meinem Buchverkaufs-Marathon, der auch im neuen Zuhause weitergehen wird:
Es widerstrebt mir, diese alte Adresse als Absender aufzuschreiben - bin schon längst "weg" und würde lieber schon die neue auf die Umschläge tanzen lassen. Ein gutes Zeichen! Und diverse Wohnungsträume zeigten mir ebenfalls, daß diese neue  Wohnung ein Geschenk ist. Träumte zuletzt von verschiedenen Optionen, die ich hatte - manche in Köln, teilweise sehr groß und durchaus mit Vorteilen .... doch ich wollte nur die "meine" - kleine feine. Mit Herzküche!

In dieser gerade herrschenden, äußeren Ungeborgenheit - schrieb ich mir mittags eine Menükarte für heute ... auch dies in Dankbarkeit für die mir zukommenden Geschenke des Lebens. Es gibt - natürlich: Frischen Spargel aus der Region! Zuvor - gab es frische Erbsen, um die Heinzelmännchen glücklich und neugierig und gewogen zu machen. Handgepult, versteht sich. So saß ich eine Weile still und andächtig vor dem Wunder einer Erbsenschote, die ich gerade auseinandernahm und mit den Augen untersuchte auf ihre Bauweise - und staunte wieder einmal über die unübertreffliche Perfektion des Göttlichen!

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