Bekam eine Botenfahrt - feine Sardellen und köstlichste Kräuterliköre zu einer Tapas-Bar bringen. Die beiden spanischsprachigen Herren beim Großhandel für Delikatessen aus spanischsprachigen Gefilden waren sich wohl uneinig, welche Lieferung ich mitnehmen soll und wechselten ein paar harsch anmutende Worte untereinander, einigten sich aber zügig. Als ich beim Einladen helfen wollte und zu einer Einzelflasche in einem Umkarton griff - donnerte die mir fast auf den Boden, weil der lose Deckel der runden Hülle abfiel und die Flasche gen Erdanziehungskraft sauste. Gerade noch abgefangen und gerettet, offenbaren die beiden mir grinsend "Die kostet 100 Euro!" Ich antworte mit einem von Herzen erleichterten "Ach, Du Scheiße!" und wir lachen - Pulle heil, hallelujah. Der eine von beiden nennt mir die Adresse des Lokals und den Namen - ok. Zum Abschied sage ich nochmal, daß ich doch sehr froh bin, daß diese Flasche ganz geblieben ist. Nochmal Lachen - und freundliches Winken.
Stelle die Limousine vorm Tapas-Lokal in der City ab und schreibe erst mal eine Quittung. Tür steht auf, Laden ist aber noch zu. Wird innen immer geräumiger, und obwohl recht dunkel drinnen ist, hat es dort eine sehr schöne Atmosphäre. Die Chefin ruft mir zu "Danke, mein Schatz, daß Du mir die Sachen bringst. Du hilfst mir sehr!" Ich registriere diesen Akzent, der mich in Windeseile "verreisen läßt" und weiß sofort - die darf fast alles zu mir sagen! Es kommt - von Herzen - obwohl es zur "Umgangssprache" gehört. Das macht aber gerade den wohltuenden Unterschied für mich in dieser Sprache: Du wirst ständig gepeppelt mit solchen netten "Beiläufigkeiten" wie "meine Liebe", "mein Herz", "mein Leben" - mi amor, mi corazón, mi vida - und zwar, ohne daß es je kitschig wäre. Es ist schlicht herzlich. Noch herzlicher die obligatorische Einladung zum Kaffee, noch bevor es um "die Sache(n)" geht. Ich trinke sonst gar keinen Kaffee tagsüber - aber hier weiß ich, ich möchte sehr gerne einen! Dann - bezahlt sie erst mal und gibt ein sehr schönes Trinkgeld.
Die Duena muß also erst die Kaffeemaschine anwerfen - ich sage, dann lade ich schon mal ein bischen aus. Nein nein, das will sie machen. Kommt gar nicht in Frage, ich helfe auf jeden Fall mit! Ok - sie heizt die Maschine an und ich bringe schon mal den ersten Karton. "Du bist stark!" - "Ja, bin ich!" - "Woher hast Du das?" .... bin schon wieder unterwegs .... Sie ist ja selber stark, eine ganz starke und höchst professionelle Persönlichkeit, durch und durch. War wohl eine Projektion von sich auf Andere.
Sie ist viel schmaler als ich und hievt sich mal eben die zwei verbliebenen Kartons mit leckerem, spanischen Rotwein auf die Arme ... ich nehme ihr einen ab und bekomme zu hören "Aber mach das Auto wieder zu." Ja sicher, mach ich.
"Hast Du meine Terrasse gesehen, amor?" - ich gucke raus und lache: Alle Tische voll mit den Gelage-Resten von der Nacht. Da wartet echte Arbeit.
Mein Caffé kommt .... wir nehmen beide einen Espresso. Und der - ist so köstlich, wie schon lange keiner mehr. Da kannst Du wirklich den Löffel reinstellen, der hat vielleicht "Caramba". Hab ich´s doch geahnt .... da kommt kein Italiener mit. Wir unterhalten uns noch ein bischen, dann gehen wir beide wieder an die Arbeit - die unterschiedlicher nicht sein kann. Zum Abschied nochmal so ein herzliches "Gepeppel" - mach´s gut, mein Herz. Ich antworte auf spanisch - Danke, und bis in Kürze.
Ein kurzes Verreisen .... in diese erstaunliche Liebenswürdigkeit einer doch anders gelagerten Mentalität. Vielleicht - geht es um eine Art "natürlichere Verbindung von Begegnung und Arbeit", die Begegnung ist wenigstens ebenso wichtig. En paar freundliche Rituale - sind wichtig. Ein paar freundliche Worte, ein wenig Aufmerksamkeit - besonders aber Offenheit in der Begegnung! - ich kann es schlecht auf den Punkt bringen. Aber es ist anders, als wir hier miteinander umgehen. Und ich rede nicht nur von "Deutschen" sondern auch von vielen anderen Mentalitäten, auf die ich via Limousine treffe. Diese hier heute Angetroffene und nur lückenhaft Beschriebene - liegt mir einfach mehr, als viele andere.
Und ist auch klüger - denn ich werde ihr Lokal und ihre Gastfreundschaft von nun an gerne herzlich weiterempfehlen. Hier das Lied zum Caffé.
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