Dienstag, 28. August 2012

Energiefragen und "Existenzminimum"

Den Göttern sei Dank - es klappt mal wieder. Es klappt sehr knapp, aber es klappt.
Mußte in der lauesten Zeit des Jahres - in den Sommerferien, die arg an den Nerven zerrten und mir nochmals die Sinnlosigkeit meines wartenden und dienst-leistenden Jobs aufzeigten - eine hübsche Summe zusammenbringen, um Miete und eine Rechnung zusammen zubekommen.
Die Extra-Rechnung ist von der ARGE - der Name paßt - in der Kolonie war ich nämlich noch "Aufstockerin" und habe Almosen vom Staat bekommen, da mein Salär unterhalb des festgesetzen "Existenzminimums" liegt. Einerseits war ich oft dankbar dafür - andererseits habe ich mich schlecht damit gefühlt, nicht ganz auf eigenen Füßen zu stehen. Hatte persönlich viel Glück mit den für mich zuständigen Mitarbeitern dieses Amtes - sie waren Menschen und haben mich weitgehend in Frieden gelassen, wenn ich mal wieder vorstellig werden mußte. Meist haben wir uns unterhalten über dies und das - sogar über das System an sich - während des Pflichttermins - und ich habe diese "Wiedereingliederungsvereinbaruung" gezeichnet. Seit meinem Umzug - bin ich raus aus dieser Mühle - und habe mich vor Ort auch nicht wieder "angemeldet" - habe auch nicht die Absicht, im Gegenteil.  Habe nun im Grunde erheblich weniger Geld zur Verfügung - aber irgendwie geht es. Staune selbst in letzter Zeit oft - wie ich jemals auf die absurde Idee kam, ich könne nicht mit Geld umgehen. Offensichtlich kann ich das ganz gut, denn es kommt ja hin. Und dabei ist es weniger geworden, die Miete ist gestiegen und meine Kosten auch, zum Beispiel die Fahrtkosten. Dennoch habe ich alles, was ich brauche und lebe immer noch gut.  Manchmal hätte ich gerne ein "Sicherheitspolster" und auch etwas mehr Mittel, um mal Urlaub zu machen oder wieder mal ein wohltuendes Seminar zu besuchen, mir eine köstliche Massage zu schenken - aber gerade bin ich erst mal froh, daß ich zumindest das Erforderliche zusammen habe. Eine Nachzahlung ans Amt von ein paar Hundert Euro war fällig - hatte mich etwas zu spät abgemeldet und nun forderten sie natürlich ihr Geld zurück. Sollten sie haben bzw. haben sie nun. Ich brauchte es aber - um den Sprung machen zu können und u.a. die Kaution vorzulegen. Hätte ich den Sprung beantragt via Amt - säße ich wohl immer noch der dunklen Hinterhofhütte und in der Kolonie - und wäre vielleicht inzwischen völlig durchgedreht.
So habe ich also den Absprung vollzogen - aus der Kolonie und auch aus der Alimentation über´s Amt. Beides fühlt sich gut und richtig an. Und - es geht. Komme also inzwischen mit recht wenig Geld für mich hin - bzw. mit noch weniger. Ich notiere sowas nicht auf Papier sondern habe einen groben Überblick im Kopf - und bin auch keine Pfennigfuchserin. Spare mir nichts vom Mund ab - brauche ich auch nicht, denn die besten Lebensmittel gibt es ohnehin für wenig Geld und frisch auf dem Markt.
Bin immer wieder erstaunt - wie gut mein Leben dennoch ist - und wie das Notwendige immer wieder zusammenkommt. Vertrauen muß sein - ohne das geht gar nichts.

Viel Wut war da. Ist immer noch da. Und begrüßenswert. Wut hat Kraft und gibt Auftrieb - Verzweiflung und Resignation sind weit schwieriger zu überstehen. Zeigten sich ebenfalls und waren zunächst nicht willkommen, was sich änderte. Sie sind sehr alt - und wollen ebenfalls angeschaut werden. Habe den Raum aufmachen dürfen.
Manchmal sind Neid und Zorn da - auf die, die die Taschen voll haben und doch nicht etwa klüger oder wertvoller sind. Auf solche, die sich Luxussorgen machen - wie sie ihr Geld anlegen, um es über die Krisen zu retten. Hübsche Luxussorgen. Aber ich weiß - daß die meisten es gar nicht wissen, daß es Luxussorgen sind. Ich hate selbst mal solche. Was mir inzwischen verrückt scheint. Erinnere mich an einen eigenen Ausspruch, der lautete "Jetzt habe ich nur  noch (!!!) Hunderttausend .... auweia!".
Nein - es fühlt sich nicht an, wie ein "klägliches Existenzsminimum".
Es genügt - sich mal kurz in der Innenstadt in der Nähe eines Mülleimers aufzuhalten und zu beobachten, wieviel Mülleimer-Taucher da inzwischen vorbeikommen, um zu sehen, was ein "Existenzminimum" ist. Ganze Scharen sind es inzwischen. Und die Anderen gehen derweil ihrem einzigen Hobby nach - Shopping. Aufprall der Gegensätze.
Von den meisten - immer noch unbemerkt.

Es fühlt sich manchmal durchaus wie eine Art "Existenzminimum" an - aber eines, welches getragen ist vom Wunsch nach dem Wesentlichen - dieser hat nichts mit einem Wunsch nach finanzieller Armut zu tun. Getragen von der Gewißheit, daß es nicht unbedingt mehr braucht - denn ich bin ja immer noch reich, wenn auch zur Zeit nicht an finanziellen Mitteln. Habe trotz inzwischen überwiegend verhaßtem Job - aus der diesem implizitierten Handlungsunfähigkeit heraus -  viel Zeit für mich - und wenig sinnlosen Ärger mit Anderen. Lerne - die Kollegen zu schätzen und meine Freude an dem Spiegel zu haben, welcher sie mir sind. Viel Selbstironie - aber auch viel Lebensakrobatik. 
Und: Es war ja mein Wunsch - möglichst viel Tand und Überflüssiges abzugeben. Wenn auch ein wenig anders, aber es ist eben gerade, wie es ist.

Führe zwei Leben, drei oder vier ...
Eines, welches der immer noch nicht-wirklich-aktiv-möglichen Jagd nach den Lebensunterhaltungskosten gewidmet ist, in zutiefst überlebter und nicht mehr geliebter Umgebung, manchmal zermürbend. Das Andere - die Erleichterung, von saftigen grünen Wäldern umgeben und genährt zu sein und so die Batterie wieder füllen zu können. Nach vielen Jahren endlich wieder in den weiten Himmel schauen zu können und morgens vom Sonnengott geweckt auf freundlichste Weise aus dem Schlaf- und Traumreich zu erwachen, sinnenreich, geborgen und mit dem Luxus von Morgennebel über den Wipfeln, manchmal ein Eichhörnchen beim seelenruhigen Frühstück in den Baumwipfeln beobachtend.
Ein weiteres - "innerlich", vermutlich das Wichtigste von allen, die äußeren sind wohl eher Facetten, die sich aus diesem bilden.
Nein, es ist nicht alles idyllisch oder gar leicht - aber es bleibt immerhin lehrreich. Und auch das - ist viel wert.
Den Göttern sei dank - daß sie mich weiterhin unterstützen.

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