Montag, 20. August 2012

Gamescom-Selbstreflektion eines Pubertierenden

Fahre eine Familie vom Bahnhof um die Ecke ins Thermalbad - schon wieder so eine blöde Kurzfahrt ... Der Mann macht sich Gedanken, ob sie denn wohl überhaupt noch reinkämen oder ob es wohl überfüllt sei?! Ich meine etwas wie - das hätte ich bisher noch nicht vernommen, daß das überfüllt sei. Ich täusche mich.
Kann am Thermalbad sofort eine neue Fahrgästin aufnehmen - schön! Taxi-Wechselfälle eben. Eine schöne, großgewachsene, schlanke und termperamentvolle, quicklebendige Frau - die mir von der Warteschlange am Eingangsbereich berichtet - sie lassen jetzt nur noch Leute rein, wenn andere rausgehen. Ich meine - was für ein Vergnügen. Und ergänze - daß ich solche Einrichtungen grundsätzlich Montagsmorgens besuchen würde, wenn überhaupt. An diesem Tag - scheint es überall so zu sein - alle suchen irgendwie eine Abkühlung bei 40 Grad.
Sie berichtet mir von ihrem Sohn - der ist auf der Gamescom. Sie treffen sich nachher am Bahnhof wieder - und sie macht sich einen schönen Tag in Köln.  Sie liebt die Kolonie, sagt sie. Ja, meine ich, als Touristin geht das in Ordnung. Träumte selbst heute nacht - von einem Ausflug in die Kolonie, also privat, ohne Limousine. Mit Abstand. Einfach mal so, als entspannte Besucherin. Das - kann sicher sehr nett sein und es gab durchaus Zeiten, wo ich die kulturellen Möglichkeiten gerne ausgeschöpft habe. Allerdings wird mir das nicht mehr passieren, solange ich noch dort für mein Salär auf den Straßen unterwegs bin - das ist mehr als genug von dieser Stadt.
Der Sohn - ein Spielefreak, ein Ballerspieler .... hatte eine Erhellung während des Besuchs dieser Messe, auf der sich die zahlreichen Besucher wohl für mehrere Stunden in einer langen Schlange anstellen - nur, um nach zwei, drei Stunden Ausharrens mal ein Probespielchen der neuesten Art machen zu können. Siehe oben - Thermalbad-Einlaßschlange. Mir fällt ein - meine Limousinen-Wartezeiten scheinen dagegen fast schon harmlos, zumal ich diese definitv nicht "freiwillig" in Kauf nehme, sondern aus momentaner Notwendigkeit.
Der Sohn - hat sich gespiegelt im Publikum. Hat gesehen - wie er selbst drauf ist. Kam ins Nachdenken, ob er wohl wirklich so sein bzw. bleiben möchte. Er sah - das, was ich auch sah, aber im Spiegel für sich selbst: Einheitsuniformen, schwarze T-Shirts mit Emblemen, Dickleibigkeit (er selbst auch) aufgrund zuvielen Sitzens vor Bildschirmen, blasse, ungebräunte Haut wegen Meidung von Aufenthalt an frischer Luft, viele strähnige, fettige Haare und viele recht ungepflegte Erscheinungen.
Die lebendige Mutter war im vergangenen Jahr aus Interesse mit hineingegangen und hatte sich das alles mal angesehen. Sie konnte auch  viel Positives erzählen - aber wie bei allem ist es eben der Grenzgang, wie weit man in welche Welten abtaucht - und sich nicht mehr wiederfindet. Ich freue mich - für ihren merkenden Sohn und sage "Das - ist Gold wert! Lange nicht jeder ist fähig, sich selbst derart zu reflektieren."
Erzähle ihr, daß die Bundeswehr dort einen Stand hat und junge Leute rekrutiert. Sie mag es kaum glauben - aber es bietet sich ja quasi an. Ein Vater, den ich fuhr, erzählte mir das. Er selbst hat ebenfalls einen Sohn, der lange Zeit auf Ballerspiele abgefahren ist - und er hat diesen einst gnadenlos hochgenommen, indem er ihm erzählte, die Bundeswehr hätte angerufen. Die würden im Netz beobachten, wer sich für welche Ballerspiele interessiert - und wären auf ihn gekommen. Sie hätten gesagt - er wäre sehr geschickt und würde sich bestens für einen Einsatz in Afghanistan eignen. Der Sohn - hat es dem Vater abgekauft - und ich bekam was zu lachen. Was es alles gibt - und was für phantasievolle "Notwehrmaßnahmen" heute von den Erziehenden eingesetzt werden ....
Aber - wie gesagt - im Grunde fuhr ich nur friedliche, wenn auch etwas seltsame, in ihre elektronische bzw. digitale Welt versunkene Geschöpfe - die in der Regel nur auf Bildschirme schießen.

Und jede Menge Kohle ist im Spiel - ein Riesen-Business - so daß wir Taxileute auch noch einen guten Umsatz fahren konnten. Geizig sind sie nicht, die Gamescom-Gäste. Das ist doch schon was.

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