Donnerstag, 30. August 2012

Die Toten in den Träumen

Las bei C.G. Jung in seiner Autobiogaphie, daß er nach dem Tod seines Vaters wiederkehrende Träume hatte, in denen dieser gar nicht tot war. Es bereitete ihm Scham, daß er geglaubt hatte, der Vater sei tot, obwohl er es nicht war - im Traum.
Ich staunte und erinnerte mich - jahrelang träumte ich sowas, nachdem mein Vater gestorben war, als ich sechzehn war. Immer wieder - kam er die Treppe zur Wohnung rauf und ich tat meine Verwunderung auch kund im Traum - sagte ihm manchmal, daß ich geglaubt hätte, er sei tot. Irgendwann wurden diese Träume weniger und waren wohl ganz verschwunden. Dann starb viele Jahre später meine Mutter - und wieder kamen diese Träume. Albträume - denn sie war anfangs im Traum "noch nicht" gestorben - aber darbte und litt und ließ dies auf grausamste Weise an ihrer Umgebung aus. Irgendwann - stellte ich verwundert fest, daß sie wohl wieder gesund war. Sie hatte ihre Krankheit überstanden und auskuriert, ging wieder aus dem Haus und tat sich was Gutes, ging sogar auf Reisen.
Alte Konflikte kamen hoch. Sehe das jetzt erst klarer, seitdem die Räume für sehr alte Trauer plötzlich geöffnet sind.
Dann kamen wieder andere Träume, beide Eltern lebten - und führten ein gemeinsames Leben. Waren wieder vereint in seltsam-guter Kameradschaft. Ihre Wohnorte wechselten, gestalten sich immer mal wieder anders. Und ich stellte fest - die führen ein gutes Leben zusammen, auf ihre Weise, die sich mir nicht erschließen kann. Und ich gehörte nicht mehr dazu. 
Irgendwie - waren all diese Träume äußerst real.
Und ich freute mich - irgendwie - von einem anderen Menschen zu hören, der ähnliche Traumerfahrungen gemacht hat mit den nie wirklich gestorbenen Toten. Die leben in ihrem eigenen Reich munter weiter - und Heilung ist möglich. Das ist gute Kunde.
Und für mich war es wichtig, im Traum deutlich zu spüren - daß es ihre Welt ist und dort kein Platz für mich ist. Lange gab es bewußt-unbewußt einen Sog, hinterherzugehen, nachdem der komplette Clan verstorben war.
Jetzt geht es drum - neue innere Räume aufzumachen und auch der uralten Trauer den ihren zu geben - oft noch gepaart mit Zorn darüber, von ihnen allen zurückgelassen worden zu sein. Das geschieht von ganz allein. Fein.

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