Gestern abend paßt der junge Nachbar von unten mich ab, als ich nach Hause komme. Es gibt nochwas zu besprechen - und ich frage ihn schon meinerseits, wie es denn mit der weiteren Arbeitsteilung bezüglich Rasen und Garten stehe? Er hat nochmal den Rasen gemäht, fein. Ich erkläre mich bereit, nach Abkühlung der Temperaturen auf moderate Bereiche Unkraut zu jäten. Sage ihm nochmal - er solle mich halt einfach bei Bedarf ansprechen - und man müsse mir das hier immer noch ggf. zeigen, was da zu tun ist. Gut.
Ob ich bitte morgens die Türe leise schließen könnte, sie würden immer wach, wenn ich gehe? Ich schaue ihn etwas verwundert an und meine "Wie, noch leiser?" Ja, bitte. Gut. Habe ich ja gelernt in meiner Zeit bei Buddhistens - mich unsichtbar und unhörbar zu machen. Kein Problem. Entfernte also den Zettel im Hausflur, der tatsächlich - zu meiner Verwunderung - mir gegolten hatte. Alles ok - wenn man mit mir redet. Wenn man nicht mir redet, erweckt das nur meinen Trotz.
Er erzählt mir, daß hier manchmal jemand Nägel und Schrauben auf den Hof und die Auffahrt werfen würde - er hatte ja gleich vier platte Reifen neulich, als ich einen hatte. Ich sage erstaunt "Wo bin ich hier nur gelandet?! Da denkste, im ländlichen Bereich ist es friedlich und still - und dann sowas!" Wer denn sowas wohl mache? Er hat keine Ahnung. Ich vermute, es sind gelangweilte Kinder und/oder Jugendliche - die gibt es hier ebenso, wie die glücklichen Kinder.
Ein Junge zwischen Kindsein und Pubertät - drückt mir hier öfter meine Knöpfe mit seinem permanenten Geschrei. Er schreit fast nur herum - auf dem Kinderspielplatz, wo er noch bei den Kleinen weilt - obwohl er im Grunde auf dem Absprung ist in die nächste Lebensphase. Er schreit und schreit ..... eine Menge destruktives Zeug .... und die Kleinen machen es ihm dann nach.
Ich spüre oft Zorn aufsteigen und denke "Hallo! Können sich bitte mal die Eltern
mit diesem Sohn befassen - oder wenigstens die Nachbarn mit diesem
frustrierten Geschöpf?" - aber es passiert natürlich nicht. Zum Glück -
sind die alle spätestens um neun verschwunden.
Allerdings - verstehe ich bei Vandalismus und sinnloser Zerstörung - keinerlei Spaß. Werde also drauf achten - müssen. Als ich einzog - war die Hauswand besprüht mit Ziffern der hiesigen Postleitzahl. Sah einfach nur häßlich und sinnlos aus. Ist ja auch völlig sinnlos. Eine "Bande" und ihr sinnloses "Logo".
Was aber - hat das mit diesem Garten zu tun, der mich so gar nicht begeistert?
Ganz einfach - es fehlt das Lebendige in diesem Garten, und daher reizt es mich überhaupt nicht die Bohne, wenn ich ehrlich bin, mich um das Museum der Dame unter mir zu kümmern, derweil diese für zwei Monate schönen Urlaub am Meer macht. Es ist alles ordentlich, langweilig und steril. Bis auf eine kleine Ecke mit Tomaten, die langsam rot werden, und die die jungen Leute unten angelegt haben. Da gab´s im Frühsommer auch schon Erdbeeren. Wir unterhielten uns kurz darüber - daß wir sowas lieber mögen - und sinnvoller finden.
Es ist also - überhaupt nicht, nicht ein bischen "mein Garten" - im Gegenteil - es ist eine Art Museum der tödlichen Ordentlichkeit. Da der Garten mit den Buchsbäumchen und Büschen nichts dafür kann und ich nunmal in einer "Hausgemeinschaft" befindlich bin - sagte ich also zu, was das "Unkrautjäten" betrifft. Der Nachbar - hat wieder einen Job und viel weniger Zeit ab jetzt, sich um das von seiner Familie oft genutzte Terrain zu kümmern. Ich nutze dieses Terrain gar nicht - es ist mir schlicht zu tot. Es folgte in der Nacht ein Traum, der mir meinen Widerstand gut aufzeigte - de facto habe ich einfach keinerlei Lust auf Museumpflege. Werde also die Situation nutzen demnächst, nach Ecken bzw. Plätzen auszuschauen, wo ich ein paar heilkräftige Kräuter pflanzen kann, die sich zudem noch weitgehend selbst versorgen und pflegen.
Die - fehlen hier nämlich glasklar. Lebendige Kräuter, die viel Kraft haben und seit Jahrtausenden auch zum Schutz gepflanzt werden, zum Bewahren und Erhalten des Friedens rund ums Haus.
Ich bin sicher - schon mit Lavendel und Rosmarin an der rechten Stelle - würden hier schon weniger Irre Unsinniges und Hirnleeres an die Hauswand sprühen und Nägel auslegen. Wenn es nach meinem Gusto ginge - würde ich kraftvollen Beifuß begrüßen, der hält einem alle Verrückten vom Haus ab. Zitronenmelisse, Minze, Majoran .... köstlichstes, lebendiges Kraut. Da - könnte ich wohl eher liebevolle Pflege hineingeben - als in das überpflegte Gesträuch und die überzüchteten Baumarkt-Zierblumen.
Habe auch ohne diesen Museumsgarten genug zu tun - und daher noch mehr Widerstand, mich um fremde Vorstellungen zu kümmern. Aber, wie gesagt, will mal sehen, ob sich nicht doch noch was Gutes draus machen läßt, wenn er schon ruft - dieser seltsame "Garten", der ja (noch?) gar keiner ist.
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