.... das Innenleben der Schreiberin steht dem äußeren Wetter nicht nach. Gestern noch windige und fröhliche Begegnungen, heute allzu oft schwermütiges Warten auf Godot. Selbst der Trick, erst gar nicht mehr drüber nachzudenken, funktioniert nicht. Ich will - am liebsten sofort - und heftig mit dem Fuß aufstampfend - endlich (wieder?) etwas tun können. Das - geht aber nicht wirklich in diesem Job. Zum Studieren bin ich derzeit zu müde und es fehlt das Sujet, daß wahrlich eintauchen läßt. Zwillingssonnen-Leiden: Nichts bleibt greifbar, alles fliegt weg wie die Blütenpollen im Sommer. Dazu fehlt die Geduld, weiterhin aufs Keimen zu warten. Ironie des Schicksals - an manchen Tagen liebe ich den Job fast. Sicher nicht wegen des Geldes - das fällt selbst bei gutem Lauf nicht wirklich üppig aus - und man muß tatsächlich viel dafür tun - nämlich viel fahren und hübsch konzentriert bleiben. Eher - wegen der Abwechslung. Jeder Tag ist anders. Und bringt wieder andere Situationen und Begegnungen. Ich bin sicher, daß es eine Menge weit eintönigere Jobs gibt. Und wenn ich ehrlich bin - möchte ich mit niemandem wirklich tauschen, der mir so von seiner Arbeit erzählt.
So bleibt also die Frage - wie mit Wechselbädern, Widerstand und Unlust umgehen ... wie weiterhin die nötige Geduld aufbringen, bis der zündende Funke kommt? Die bislang gehörten, Abertausende von "Antworten" darauf - sind keine. Vermutlich gibt es keine. Da muß mensch einfach durch. Bis ein Türchen aufgeht, an welches mensch nie gedacht hat, gar nicht hätte denken können, weil der Verstand so eng ist und immer nur auf seinem kleinen Karrussel seine immergleichen Runden dreht. Und plötzlich - alles ganz anders ist.
Ja, verrückterweise denke ich öfter mal, daß dieser Job eigentlich ein Segen für mich ist. Ein Geschenk der Götter - eine Vorübung in Sachen Selbstständigkeit = selbst und ständig. Eine Huldigung an den Moment, der ohnehin nicht wirklich manipulierbar ist. Nur, liebe Götter: Selbst und ständig - ist ja im Prinip ok. Aber ein bischen dran drehen können möchte ich doch! Sonst macht "Selbst und ständig" nicht wirklich Freude.
Immerhin etwas Weiteres dazugelernt: Heute kommt nach etwa 75 sinnlosen Warteminuten in der brütenden Hitze ein Asiate ans Auto - und möchte nur etwas fragen. Ich gebe ihm gerne und freundlich seine Antworten, erst auf deutsch, als er etwas fragend schaut - dann doch lieber auf englisch ... das geht einfacher für uns beide und macht die Sache klarer. Er bedankt sich - ich freue mich, daß ihm geholfen wurde.
Und als er weg ist, stelle ich erfreut fest, wie schnell ich wieder "hochkomme", stimmungstechnisch. Oder anders - ich hänge wohl nicht mehr so tief im persönlich-egozentrischen-Stimmungsmoloch wie noch vor einigen Monden - als ich oft echt sauer war, daß das da nur mal wieder jemand eine "kostenlose Auskunft will", statt mich aus meinem Wartejoch zu erlösen. Nicht einmal die Spur eines solchen Gedankens tauchte auf. Früher wäre ich nicht so gutgelaunt gewesen - und hätte ihm womöglich meinen ganz persönlichen Ärger "übergebraten". Das - finde ich - gut gelernt. Es gibt also immer nochwas zu lernen ... auch auf der Limousine. Besonders, wie mensch so ein hehres Ideal wie "Gelassenheit" in die Praxis umsetzt. Wobei dazu auch die Gelassenheit gehört, einfach mal scheiße drauf zu sein. Und einfach mal - früher abzustellen, statt sich selbst weiter zu quälen.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen