Freitag, 15. Juni 2012

Einer von den goldenen Tagen heute ...

.... hatte reichlich Spaß und viel zu lachen. Wurde von netten, älteren Fahrgästen am Markt überraschend mit frischem Reibekuchen verköstigt, vom Reibekuchenmann per Gabel persönlich zur Limousine gebracht.   Alle gutgelaunt - trotz strömendem Regen. Erstand drei Kilo exzellenten Feldspargel zum Spottpreis ... kurz vor Saisonende. Las auf dem Weg drei Afrikaner auf und lauschte ihrer Sprache - Kisuaheli. Aus Tansania. Machte noch ein kleines Nebengeschäft mit diesen. Fuhr einen Germanistik-Professor, der sich freute, daß seine Universität heute zu einer der Elite-Universitäten gekürt wurde - just, als er im Taxi saß. Einen Verwaltungsmenschen, mmit dem ich mich über Lesestoffe austauschte, wie der Germanist sehr redselig. Recht unterhaltsame Fahrten -  wie sich beide zum Abschied noch bedankten.
Einen Busfahrer holte ich vom Busparkplatz ab, wo er den großen Bus zwischenparkte bis morgen, und fuhr ihn zu seinem Hotel in der City. Ein echtes Original, bestens gelaunt und die Ruhe weg. Fährt sonst einen Oldtimer-Bus aus den 50ern, für besondere Anlässe, oft über enge Schwarzwaldserpentinen. Mit seinem warmen Humor rettet dieser wieder mein "Schwabenbild" - traf dort oft auf sehr humorlose, verstockte Exemplare. Dieser hier - könnte auch ein Urkölscher sein. Ausgerechnet dieser meint zu mir, ich hätte ja wohl eh die Ruhe weg. Ich sage - nicht immer. Manchmal ärgere ich mich schon noch - aber erheblich seltener als früher. Er meint, es käme immer drauf an, was man draus macht im Leben. Ich nicke und freue mich, daß er das nochmal so sagt - recht hat er.
Auf dem Busparkplatz steht er noch mit ein paar Kollegen im Gespräch zusammen, bevor er zum Auto kommt. Ich öffne den Kofferraum von innen - per Seilzug. Der Mann steigt ein - und läßt den Kofferraum auf. Ich grinse und steige nochmal aus, sage "Ich mache eben noch einen kleinen Spaziergang ...." "Jaja - lassen Sie sich nur Zeit." Die anderen Busfahrer lachen auch und rufen "Wenn der automatisch aufgeht, muß er doch auch automatisch wieder zugehen." Hole ihn morgen früh wieder ab am Hotel - und bin herzlich zum Hotel-Frühstück eingeladen. Vielleicht - gehe ich sogar hin, habe schon lange nicht mehr im Hotel gefrühstückt. In guter "lebensgelassener" Gesellschaft.
Sagt doch diese Frohnatur glatt: "Es macht Spaß, Ihnen beim Lachen zuzuschauen."
Der nette iranische Kollege am nächsten Halteplatz lädt mich auf einen Ingwertee ein. Sitzt hinten in seinem Kombi mit offenem Dach - kommt kein Regen rein. Ich meine "Wie Camping ..." - und er: "Das Leben muß man auch geniessen. Wer weiß schon, ob wir morgen noch hier sind." Ich nicke nur.
Fahre noch einen sehr alten Mann nach Hause - der nur noch sehr leise spricht - aber viel erzählt. Und seinen Humor behalten hat - ein kölsches Original.
Danach treffe ich ein ebensolches am nächsten Halteplatz - und muß die ganze Zeit lachen über seine Art, über die Dinge und den schlechten Lauf zu schimpfen.  Über Geschichten, die er zum Besten gibt. Fährt seit einem Vierteljahrhundert ... "Ja - ist doch so, so isses doch!" .... wolte mal aufhören, weil er die Schnauze gestrichen voll hatte und stellte sich bei einem Paketdienst vor. Nach zehn Minuten sagte der potentielle Chef, er glaube, es wäre beser, wenn er doch weiter Taxi fahre. Und er selbst - war der gleichen Ansicht nach diesen zehn Minuten. So ist es eben - es ist wirklich Gold wert, keinen Chef zu haben und den Tag bzw. die Nacht wenigstens bis zu einem gewissen, möglichen Maß selbst einzuteilen. Der Kollege merkt an - von einer Frau könne man sich schließlich trennen, von Arbeitskollegen nicht, die hätte man weiter am Hals. Da ist was dran. Ein Freund von ihm sei Psychotherapeut .... es folgen köstliche Details und dann das Fazit - Das sei DER Beruf mit Zukunft, wo doch eh alle immer bekloppter würden. 
Die letzte Fahrt - ein nettes, kölsches Paar. Wir kommen irgendwie auf den kölschen Atommeiler ... die neue Giga-Moschee. Völlig deplaziert an dem Ort, wo sie in schon allzuviel Chaos und Enge mit Gewalt hineingepreßt wird. Er meint, das Beste käme ja noch ... die würde dann auch von der Polizei bewacht werden, wie die Synagogen. "Und dann stell Dir erst mal vor, was abgeht, wenn die ersten Graffiti-Sprüher kommen und eine Knoblauchzehe da drauf sprühen .... " Da hat er nicht ganz unrecht - und ich schmeiß mich gerade weg vor Lachen. Das ist manchmal echtes Kabarett in dieser Limousine.
Heute abend - bin ich angenehm müde vom Tränenlachen. Und wunderte mich glatt, daß meine Schicht schon am Ende war. Das - muß bemerkt werden.

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