... ich klaue es mir mal eben - um einzuordnen, woran sie mich hiermit erinnerte:
"Fast der einzige Zustand, in dem man klarste optische Halluzinationen
sich an einem Kranken abspielen sieht, ist das Delirium tremens (s.den
Alkoholismus). Er greift in der Luft Fäden, er hascht nach Käfern in den
Zimmerecken, er stützt die einfallende Wand, er hält die Zügel seiner
Pferde, er liest vom leeren Blatt.
…oder die Tätigkeiten einer Hausfrau werden von einer Stimme begleitet: jetzt nimmt sie das Messer, jetzt schält sie Kartoffeln usw. (aus “Grundriss der Psychiatrie” von Prof. Dr. Hans W. Gruhle, München 1947)"
Mein Kommentar bei ihr - ist leider im Nirvana verschwunden. Dafür erinnerte ich mich eben sehr lebendig an zwei Besuche bei Freunden in der "Geschlossenen" - lange her. Und äußerst beeindruckend. Teilweise sehr amüsant. Der andere Teil - etwas befremdlich. Aber letztlich - irgendwie doch alles wie im sonstigen Leben, nur ehrlicher ausgeflippt.
Manche von den vermeintlich Irren sehr freundlich, höchst interessiert und erfreut über jeden Besucher - Andere auf der andern Schiene unterwegs, Verachtung und Bitterkeit demonstrierend. Also wahrlich nichts Ungewöhnliches. Ein freundlicher "Luftgeiger", auf dem Tisch stehend, konzentriert spielend, bleibt mir unvergessen bei meinem allerersten Besuch in der "Geschlossenen" - sich höflichst herabneigend und mir die Hand zum Gruße gebend. Um es mal mit dem alten Udo Lindenberg zu sagen "Da war soviel los" - und in meiner Abwandlung "Da gab´s soviel Spaß."
Ich war nur zweimal dort, um "eingefahrene" Freunde zu besuchen. Beim ersten Mal gerade sechzehn, meinen geliebten, platonischen Freund aufsuchend, der sich freiwillig dorthin begeben hatte, um einen Alkohol-Entzug zu meistern. Wie gesagt - wir hatten recht viel Spaß in der "Empfangshalle". Und im Grunde traf ich hier keine andersartigen Menschen, als im sonstigen Leben. Obwohl ich noch derart konditioniert war, daß ich etwas sehr Andersartiges erwartete. Er stellte mir seine Bekannten vor - und ich fragte mich, was jetzt bitte an denen nicht "stimmen" sollte?
Unser aller geliebter O. meisterte seinerzeit seinen Entzug - er war schon mit zwölf draufgekommen, lange Geschichte - dafür war er früh erwachsen geworden - und ging nach Bayern in einen sehr malerischen Ort. Dort - machte er eine solide Handwerkslehre und dann die Bekanntschaft seiner Geliebten, die auf Heroin war. Er ging mit auf ihren Trip. In die ganze Hölle - die er ja schon gut kannte. Als wir ihn besuchten - mein Geliebter und ich - waren sie zusammen wieder auf dem Weg raus. Brachen mit allen ehemaligen Kontakten - was oberstes Gebot ist. Doch auch als wir nur zu Besuch waren - riefen diese Leute immer wieder dort an. Das alles - ist nicht wirklich schwierig - erfordert nur eine gewisse Konsequenz. Wir trafen dort auch auf einen sehr bodenständigen, neuen Freundeskreis beim geliebten O. Später erfuhr ich dann vom Ex - daß O. inzwischen als Bierfahrer arbeitet .... hmmmhhh.
Alles, was O. erlebt und empfunden hat - war wahr. Für ihn. Der war - überhaupt nicht verrückt, sondern einfach sehr sensitiv.
Später besuchte ich eine Freundin in der "Geschlossenen" - sie hatte das Label "Psychotikerin". Und sie hatte ständig Angst vor diesem "Label" und das es wieder geschehen könne, daß sie "ausraste". Eines Tages war es dann soweit - wie heraufbeschworen - von Ärzten, Psychologen und allen Anderen - die einen anderen Menschen für "nicht-normal" erklären.
Mit etwa 50.000 Anderen landete sie mal wieder in dieser LKH-Landschaft. Ehrlich - keine Sau weiß, was das überhaupt sein soll Was genau bei diesen Menschen abgeht und wo sie gerade sind. Mein "normaler" Zugang zu ihr war tatsächlich komplett abgerissen, als ich sie besuchte - sie erzählte mir Dinge, die ich nicht im Entferntesten wahrnehmen konnte. Sie war schlicht - woanders unterwegs. Eine minimale Brücke zur vermeintlichen "Realität" gab es noch - als ich sie fragte, unter welche Psycho-Pillen man sie gestellt habe. Das wußte sie erstaunlich gut zu beantworten. Wenn ich diesen Dreck gefressen hätte - wäre ich sicher auch dort geblieben.
Ich sage - unser bis dato gemeinsamer Bezug zu einer allein-seligmachenden Wirklichkeit war gerissen. Sie - war in ihrer. Ich in diesem Kästchen, in dem wir glauben, daß sich dort das Leben befindet. Alles, was sie für sich erlebte - war sicher für sie auch wirklich.
Was ich damals für mich eruiert habe - beim Besuch der vermeintlich Gestörten - ist simpel: Die "Normalen" sind es - die nicht verstehen, begreifen, erfassen können. Die "Normalen" füllen die eigentliche Anstalt
Die Legionen der Psychiater und Psychologen - verstehen nicht die Bohne und sind lediglich darauf programmiert, die verlaufenen Schäfchen wieder in die Horde zu bringen. Sind selbst derart psychisch gestört, daß sie sogar höchst toxische Pillen verschreiben, um die über den Hag gesprungenen wieder zurückzuholen - in den kleinen, engen Käfig der das Göttliche beleidigenden Beschränktheit.
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