Samstag, 2. Juni 2012

Neugeburt am Morgen

Heute morgen haben meine Schutzengel mich veranlaßt, meinen Rücken um vielleicht 10 cm ins Hohlkreuz zu biegen und von der Strasse wegzuziehen - sonst wäre es das gewesen.
Ich stand an der Spitze vom Halteplatz neben der Limousine, den Rücken der Strasse und meine Vorderseite der Fahrerseite der Limousine zugewandt, als ich einen sehr lauten, bedenklichen Knall hörte und wußte, da kommt was auf mich zu ... ohne zu wissen, was. Mein Becken bog sich also so weit es gerade ging Richtung Limousine, mit dem Bauch nach vorne, um etwas auszuweichen, was ich mit den vorderen Augen gar nicht gesehen hatte.
Ein Kollege  wollte gerade von der anderen Strassenseite mit dem Taxi auf den Halteplatz drehen und hatte einen heranrauschenden Mercedes übersehen. Die beiden krachten heftig ineinander und der Mercedes trudelte haarscharf hinter meinem Rücken vorbei, verschwand weitertrudelnd und mit quietschenden Reifen hinter einer Kurve. Der Kollege stand immer noch da mit seinem Taxi - Schockstarre - mitten auf der Strasse.
Ich stand auch immer noch da, nun dem trudelnden, schwarzen Mercedes hinterherblickend und realisierend, daß ich gerade mit Hilfe einer Kompanie Schutzengel dem Freund Schnitter nochmal von der Schippe entkommen war.
Zu dem anderen Kollegen hinter mir sage ich "Wow! Da habe ich jetzt wohl richtig viel Glück gehabt." Der hat alles gesehen und nickt, kann gerade nix sagen.
Wir schauen auf das recht zerknüllte Unfalltaxi - der Fahrer schafft es, den Wagen hinten auf den Halteplatz zu setzen, steigt aus - und steht, immer noch unter Schock, ziemlich verdattert mitten auf der Straße. Ich rufe ihm zu "Herr Kollege - kommen Sie von der Strasse runter, sie stehen noch unter Schock."
Wir peilen weiter - wo ist denn der schwarze Mercedes jetzt gelandet?
Nach einer Weile kommt eine sehr aufgelöste Frau angelaufen - und steht zusammen mit dem Unglücksfahrer mitten auf der Strasse. Ich rufe wieder "Kommen Sie bitte von der Straße runter!" und fasse die Frau am Rücken, schiebe sie sanft in Richtung Halteplatz. Nehme noch schnell einen Auftrag an, der gerade für mich kommt. Der Kollege hinter mir - ist eher perplex, hat gerade mehr als genug eigene Sorgen.
Die Frau ruft etwas wie ".... was denn da passiert wäre, sie wäre doch nicht schuld gewesen ...." Ich reisse beide Arme hoch rufe ihr erstmal zu: "Danke, danke - daß ich noch lebe!" Dann frage ich sie, ob ich mit zu ihrem Auto gehen soll - der steht da ungesichert und offen ein paar Meter um die Ecke. Ja, bitte. Ich habe noch meine Hand an ihrem Rücken und sage "Geben Sie mir mal ihre Hand ...." So gehen wir zu ihrem Wagen - ich stelle das Warndreieck auf und sie holt ihre Handtasche und schließt ab.  Als wir zurückgehen, kommt mir der Kollege mit seinem Taxi entgegen, der alles am besten im Blick hatte - er hat eine Fahrt und fragt mich, ob er mir die geben soll. Nein nein - ich fahre jetzt in die Dingsstrasse, alles klar. Gut. Die Frau versorge ich noch schnell mit allen Taxinummern und meiner Handynummer - sie hatte keine Schuld und hat, Danke ihr und den Göttern, gerade nochmal das Lenkrad so herumgerissen, daß sie mich nicht geplättet hat zwischen ihrem Wagen und meiner Limousine - und lasse sie mit dem Unfall-Pechvogel allein, die unterhalten sich beide bereits auf türkisch. Eine sehr schöne Frau, sie wollte gerade zu einer Hochzeit fahren ...  - und vor allem: Nicht hysterisch, lediglich geschockt.
"Ihr Kollege will die Polizei nicht rufen" sagt sie zu mir. Ich sage - doch doch, dann rufen Sie eben die Polizei. Machen Sie sich keine Sorgen, sie haben ja alle unsere Nummern." Vielleicht machen die das ja untereinander aus - das geht mich nichts an.
Ich fahre ein wenig verzögert zum Auftrag, eine sehr nette junge Frau, die es nicht eilig hatte. Und eine sehr gute Fahrt für mich, es geht ein wenig raus aus der Kolonie. Ich fahre heute besonders umsichtig ... merke erst während dieser Fahrt, daß ich auch noch einen Schrecken zu verdauen habe. Aber die Freude über meine genialen Schutzengel ist weit größer als dieser! Ich feiere den ganzen Tag - eine Art Neugeburt
Interessanterweise war dies einer meiner ersten Gedanken heute morgen, als ich die Limousine startete: Paß heute gut auf, Sati - es liegt was in der Luft. Skorpion-Mond .... und kurz vor Vollmond. Man kann das wirklich bemerken auf den Strassen, daß der Verkehr an manchen Tagen recht verquer läuft und die Leute komisch re-agieren - also der Tag mit erhöhter Vorsicht zu geniessen ist.
Auf dem Rückweg halte ich an einem schönen Spargelhof an und kaufe köstlichste Dinge ein. Dann erlaube ich mir noch einen weiteren Stop - und schenke mir einen Teppich. Einen mit blumigen und bunten Ornamenten - den ich mir sicher sonst heute nicht so entschieden ausgewählt hätte. Ein Neugeburts-Teppich. Am Nachmittag noch - nach relativ langer Zeit mal wieder - ein neues Buch - Metaphysisches. Ich danke den Schutzengeln und dem Schnitter für diese "sanfte Erinnerung" - daß ich schließlich  nicht ewig hier bin.  Und mehrfach dafür - daß dieser morgendliche Tornado lediglich in einem Blechschaden gemündet hat und wir alle - bis auf völlig normale Schockreaktionen - wohlauf sind.
Hallelujah - was für ein schöner Teppich!
Ein von unseren Schutzengeln für uns ausgerollter auf der Straße.
Und jetzt noch einer der Erinnerung unter meinen Füßen - nicht zu lange zu warten mit dem, was ich vielleicht noch gerne tun will.

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