Es scheint sehr leicht und locker geschrieben - aber sicher nicht oberflächlich. Ich freue mich gerade - eine Art Gleichgesinnten zu treffen, der mir vielleicht noch etwas Wertvolles "beibringen" kann, mein eigenes ergänzen und klären kann, mittels seiner eigenen Erfahrung.
Ein kleiner Auszug, der schon mal viel Wahrheit enthält:
„Als Taxifahrer fängt man gewöhnlich an, wenn es im Leben
richtig schief läuft. Für die meisten
ist ein Taxiunternehmen die letzte Zuflucht, wenn alles andere nicht geklappt
hat. Keiner sagt beim Schulabschluß, daß er mal Taxifahrer weden will. Wer hierher kommt, braucht einen Job und nimmt
alles an, um über die Runden zu kommen, bis sich etwas Besseres findet …..“
Bei mir kam noch etwas Anderes hinzu, wie ich auch schon mal gepostet hatte: Ich liebte es, als Kind im Urlaub bei meiner heißgeliebten Oma mit meinem weltbesten Kumpel von nebenan auf dem Hof im alten, stillgelegten Citroen meines Cousins zu sitzen und stundenlang "Taxi" zu spielen - damals noch mit Handschaltung. Die Geräusche hatten es mir angetan .... so lausche ich auch heute noch diesem unvergleichlichen Klick Klick Klick des Limousinenblinkers ... irgendwie erinnert mich das an die lauten Uhren bei meinen Omas und diversen anderen Vorfahren, obwohl ich diese manchmal auch unerträglich fand in ihrem gnadenlosen Lauf. Doch manches Mal brachte mich dieses eintönige Geräusch im immer gleichen Takt auch sehr weit weg und in tiefste Trance, aus der ich erstaunt irgendwann wieder zurückkam - nachdem die Alten aus ihrem Mittagsschlaf wieder erwachten. Den ich zwar oft haßte, denn ich mußte ja ganz ruhig sein, sofern ich zu dieser Zeit nicht draußen war - aber eben auch liebte für diese wundersamen Momente des Ins-Nichts-Gleitens .... auf der Treppe des Hauses sitzend und schon sehnsüchtig darauf wartend. Ich hege also aufgrund meiner schönsten Kindheitstage schon lange die Vermutung, daß das Taxifahren bereits damals in mein Programm geschrieben war.Den Schein machte ich Anfang der Neunziger ... mal so auf "Vorrat", "wenn mal was ist". Ich bekam seinerzeit sofort ein Jobangebot von einer sympathischen Unternehmerin bei der Prüfung - welches ich aber nicht annahm, denn es gab noch viele andere Wege für mich einstweilen. Eine mit Freunden betriebene Kneipe stellte sich zügig als schlechte Idee heraus und es gibt diesen blöden Spruch, der mich seinerzeit inspirierte "Wer nix weed, weed Weet - un wenn de dat nit pack´s - jehste op die Tax." (Wer nichts wird, wird Wirt - und wer das nicht schafft, fährt Taxi). Damals - noch regelmäßig Kundin, immer dem Blinker lauschend. Und Taxifahrer völlig in Ordnung findend - manchmal sogar rührend tröstlich. Ich befand mich noch oft in (Liebes-) Dramen ... und diese alten Männer waren wirklich süß und sehr beruhigend in diesen Momenten!
Außerdem war ich auch vorbelastet durch eine bis heute recht ungebrochene Freude am Fortbewegungsmittel "Auto". Mein Vater forderte mich bereits als 13-jährige auf einem Waldpfad spontan auf, meine ersten Experimente mit Kupplung und Anfahren zu machen. Der dicke, lustige Fahrschullehrer brachte mir in der ersten Fahrstunde bei, wie man auch im dritten Gang anfahren kann. Etwa 50 % meiner ehemaligen Geliebten waren gut ausgebildete KFZ-Spezialisten. Einer überließ mir - ungefragt, wegen dem Spaß dran - einen ihm vertrauensvoll überlassenen, amerikanischen 12-Zylinder "Camaro" für einen Tag .... was für ein Gerät. Und wie ungewohnt zu chauffieren - diese lange, vorgebaute Schnauze. Der gleiche wollte mir damals auch ein Motorrad schenken - ich lehnte ab, war es noch nicht gewohnt, derartig teure Geschenke im Leben anzunehmen. Lernte das erst später - und auch, daß ich eh keine Motorradfahrerin bin und niemals werde - zuviel Umstände vor dem Start, das ganze Zeugs anziehen ist nicht meine Sache - für einen kurzen Moment der Beschleunigung.
Viele Jahre habe ich in damals noch vorhandenen Schrauber-Werkstätten verbracht, wo immer was los war und viele Leute zusammenkamen. Viele Parties haben wir in diesen Werkstätten und Hinterhöfen gefeiert - immer den köstlichen Duft von Schmieröl und warmen Motoren in den Nasen. Und den von Freiheit, abseits von vielen Normen.
Das Buch und die Perspektive des Autors interessiert mich natürlich besonders - weil ich mich ja gerade nach einigen sehr intensiven Jahren des Meditierens und des Studierens von buddhistischem Gedankengut in die Kolonie zrückkatapultiert hatte - um dort "zurück auf die Strasse" zu gehen und das alles im echten Leben nochmal zu überprüfen, nicht im Kämmerchen und in geschützten Vereins-Lokalitäten von Buddhisten, bei denen die gleiche Zwietracht unteeinander herrschte, wie überall sonst auch. Die Lebensgeschichte des Autors ist zwar anders gelagert - doch die Essenz des "Gesuchten" ist wohl eine ähnliche. Ich freu mich drauf, seine Gedanken zu begleiten, viele meiner eigenen wiederzufinden und derart nochmal so einiges zu sortieren, was in diesen Jahren geschah.
Was den von den Göttern gerade nochmal abgewendeten Massiv-Unfall vom Samstag betrifft: Der hat mich ebenfalls im Nachgang nochmal sortieren lassen. Eigentlich - hat er mich nicht mal verwundert, denn derzeit bin ich völlig durch mit diesem Job. Deutlicher hätten sie es mir nicht nochmal zeigen können. Gestern lieferten sie einen Nachschlag in Form von elendem Umsatz und "Überhauptkeinglückmehrhaben" - was das betrifft. Verschwendung von wertvollen Stunden des laufenden Stundenglases. Immer schwieriger, es auszuhalten, dieses sinnlose Warten auf Geld. Als Sahnehäubchen auf den ohnehin vorhandenen Frust servierten sie mir einen Spruch einer befreundeten Frau am Telefon: "Wenn Du Geld brauchst - mußt Du arbeiten." Erst war ich zornig über diesen - dann nahm ich ihn als erneuten Hinweis ....
Sehr lustig fand ich den erstmal nicht - zumal er von einer Person kommt, die seit bald 30 Jahren den gleichen Job macht - für eine recht übel agierende Finanzbranche. Eine mit festem, gesichertem Einkommen. Eine - die auf Sicherheit setzt. Eine, die es nicht zu schätzen weiß, daß ich aufstehe und arbeiten will - aber nicht kann, da ich ja keine Kunden ins Taxi zerren kann. Vom Zeitwaufwand mal ganz zu schweigen. Ein Außenbild - was meine derzeitige Zunft betrifft. Ich habe inzwischen ein Innenbild - und gelernt, meinen jahrelangen selbst-ständigen Einsatz gut zu schätzen!
Ich dachte auch nicht nur an mich, als mir der Kamm kurzfristig zu schwellen begann - sondern auch an einige Kollegen, die sich in jüngster Zeit diesbezüglich geöffnet hatten im Gespräch. Es geht vielen so, daß sie es als recht sinnlos erleben. Einer der vielen moslemischen Kollegen deutete neulich gen Himmel und meinte "Wir werden geprüft." Ich lachte - und nickte. Weiß, was er meint. Das Gottvertrauen wird geprüft, jeden Tag neu. Am gleichen Tag meinte ein Fahrgast zuvor "Was mögen Sie wohl angestellt haben, daß sie heute arbeiten müssen" und ich lachte ebenfalls mit der Antwort "Das - wüßte ich wirklich auch mal gerne." Wir einigten uns zügig drauf, daß es schlimmere Schicksale gibt - er selbst war schwer krank, u.a. "Krebs" diagnostiziert. Wobei ich inzwischen mehr dazu tendiere, daß es "Krebs" als eigentliche Diagnose gar nicht gibt - denn mittlerweile scheint ja quasi jeder an "Krebs" zu verenden ... und die Ärzte wissen gar nicht wirklich, was es ist. Dieser Mann - hatte einen herrlichen, trockenen Hamburgeraner-Humor ... und war immerhin schon 84. Er erffönete mir seinen Herzens-Wunsch - eigentlich hätte er schon längst sterben wollen, dann aber lieber doch wieder nicht - er wolle lieber ebenso einschlafen, wie beide seiner Eltern einst. Und er meinte, die Chancen ständen ja schließlich gut für ihn, aufgrund seines Erbes von diesen.
Hatte gerade in jüngster Zeit sehr viele nette und auch schöne Begegnungen mit Menschen in der Limousine - die mir irgendwie wertvoll sind. Und ich hatte mich wieder ein wenig geöffnet, manchmal erstaunlich, was nur dadurch an Freude entstehen konnte. Seit ich wieder einen "Lebensraum" habe - fiel mir das leicht. Es ist nur so: Ich habe keine Geduld und "keine Kraft mehr, meine Kraft zurückzuhalten", um auf Geld zu warten. Da muß was passieren! ES - arbeitet .....
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