Donnerstag, 19. Dezember 2013

Voll erwischt - getriggert durch "unerbetene Redeströme" drüben ....

... bei der wilden Gans ... und ich finde mich sofort in der Limousine wieder. Und beim Üben in den vielen vergangenen Monden - das Üben, wie sich solche am besten abstellen lassen.
Ein paar Tricks gibt es da schon - aber nicht bei jedem gleich wirksam. Bei manchen - scheint rein gar nichts zu helfen. Selten ist es für mich in Ordnung - wenn ich merke, daß der Mensch einfach mal mit jemandem reden muß, weil er gar nicht mehr anders kann. Und weil er/sie einfach zuviel zu tragen hat für ein Schulternpaar. Selten - bin ich auch noch eine Weile stehengeblieben, wenn ich merkte, daß das jetzt wirklich wichtig ist - und auch hilfreich in dem Moment. Aber nicht allzu oft.

Gefährlich sind solche Momente - wo Dich ein solcher unerwünschter Redeschwall ungewollt unter sich begräbt - und Du einen kurzen Moment zu spät reagierst! Das kann am nächsten Tag zu einer akuten Erkältung oder gar Bronchitis führen. Hab´s jetzt lange genug beobachtet ..... und passe immer besser auf mich auf.
Tatsächlich laden sie nämlich ihre Energie bei Dir ab - wenn Du nicht wach bist. Und Du wirst es deutlich spüren, wenn sie wieder weg sind, daß Du nicht aufmerksam genug warst und ihr Zeugs aufgeschnappt hast. Nein, daß ist keine "Esoterik" - das ist Erfahrung und langjährige Beobachtung.

Simpler und oft wirksamer Trick: Zügig und sehr deutlich, ja laut mitten rein in den Redeschwall grätschen mit der einzig wichtigen Frage: "Wo wollen Sie hin?!!!" Bei Bedarf nochmal mitten reingrätschen mit sowas wie "Wie war die Hausnummer nochmal?!"

Hilft oft - manches Mal ist danach wohltuende Ruhe im Karton. Bzw. ich kann hören, wie es im Kopf neben mir rattert - aber wenigstens der Mund ist zu. Hilft aber nicht bei allen. Und schon gar nicht bei denen - die gar nichts mehr merken. Solche, die wirklich nur noch in einer Art Wiederholungsschleife unterwegs sind - und ein fest zementiertes Bild vom Leben haben.

Ja, tatsächlich muß ich gut auf mich aufpassen. Auch noch nach Jahren - ist es möglich, daß ich mich doch wieder nerven lasse, triggern lasse ... durch solches Gejammer, auf welches ich quasi allergisch reagiere. Sowas wie "Ach, ist das nicht fürchterlich?!" zum Beispiel - kann mich manchmal fast wahnsinnig machen.

Eine fällt mir wieder ein - eine junge Frau - die sagte das am Sonntag Mittag, als ich sie gerade zu einem schicken Brunch fuhr. Ein Fingernagel war  ihr abgebrochen, als sie ihre Stiefel anzog. "Ist das nicht fürchterlich?!"
Ich war mit Gedanken an mein dünnes Konto beschäftigt und mit der Tatsache - immer noch viel zu viele Stunden meiner wertvollen Lebenszeit zu verschwenden in einem Job - der keine Freude und keinen Erfolg bringt. In einem Job - der nichts abwirft, um mal wieder "brunchen" zu gehen oder was anderes Angenehmes zu tun. Nach vier oder fünf Stunden - vielleicht die zweite Fahrt ....Und sie - heult ihrem abgebrochenen Nagel nach und findet das "fürchterlich".
Ich - denke an Millionen oder Milliarden von Menschen - die Drecksarbeit verrichten und nicht über die Runden kommen damit - das - finde ich fürchterlich. Und ich merke - wie ich innerlich zornig werde ....

Übrigens - das ist ein typischer Frauenspruch: "Ist das nicht fürchterlich?!". Von einem Mann habe ich sowas noch nicht gehört - außer von denen, die vom anderen Ufer kommen und die Frauenrolle übernommen haben.
Fast jedes Mal denke ich mir - leck mich inne Täsch - wenn das "fürchterlich" sein soll - hast Du aber ein schönes, leichtes Leben!

Dann gibt´s auch das Gegenteil von den Jammersusen: Leute, die wirklich ein schweres Los tragen - aber nur selten darüber jammern. Manchmal erzählen sie einfach ... und ich kommentiere lediglich mit einem herzlichen "Ach - Du Scheiße!" Oft - lachen wir sogar drüber. Das ist dann "tragikomisch".

Gerade gestern - bevor ich eben bei der wilden Gans über unerbetene Wortschwälle las - habe ich beschlossen, etwas Neues, Radikaleres anzuwenden, wenn mal wieder eine(r) gar nichts merkt. Ich werde einfach sagen: "Ich möchte das nicht hören." und wenn das nicht ausreicht, darf noch "Es interessiert mich nicht." folgen.
Braucht etwas Übung - muß erst geölt werden.

Habe bisher immer gedacht - daß ich meinen Mitmenschen lieber einen gesunden Respekt entgegenbringe. Einfach so. Tue ich auch meistens. Also - sie möglichst einfach so nehmen, wie sie halt sind.
Aber manchmal - braucht es einen gesunden Selbsterhaltungstrieb.
Dieser - beugt dann auch potentiellen "Überraschungs-Erkältungen" vor.
Wenn es wieder mal eine(r) geschafft  hat, Dir in einem unaufmerksamen Moment seine eigene Energie auf den Buckel zu laden ....

Neulich fuhr ich eine, die gerne mit unserer Zunft unterwegs ist - und die mir eröffnete, sie hätte einen "Heidenrespekt" davor. Weil doch so ein Innenraum einer Limousine sehr eng sei.
Ja - sagte ich - das ist er. Und oftmals - auch unerwünscht "intim".
So intim - daß ich manchmal nach einer kurzen Fahrt mehr von einem Menschen erfahren habe, als der Ehepartner in Jahrzehnten.
Es bräuchte sicher ein dickes Fell? Ja - das braucht es auf jeden Fall. Und das wächst einem im Laufe der Zeit.
Ich erzähle ihr ein bischen aus dem Nähkästchen - und wundere mich selbst darüber. Tu ich selten - und nur bei solchen, die wirklich interessiert nachgefragt haben.
Nein - ich rege mich nur noch selten auf über das "Verkehrsgeschehen". Auch das lernt sich - mit den Jahren - wenn mensch Glück hat. Am schönsten ist es immer - wenn die Fahrgäste für mich das Schimpfen übernehmen .... das amüsiert mich auch heute noch manches Mal.
Nach einigen Anfangslehrjahren merkt man  - mit ein wenig Glück - daß jeder Ärger auf das eigene System schlägt - und das es sich deshalb überhaupt nicht lohnt. Das kann ich mir also gar nicht leisten - aus rein gesundheitlichen Gründen.
Dennoch kann es vorkommen, daß Dir mal wieder jemand gehörig die Knöpfe drückt. Und manchmal muß ein kurzer Brüll einfach sein - denn Du kannst nicht immer nur zurückstecken. Manchmal - muß einfach ein kurzer, befreiender Brüll raus - und dann ist es wieder besser. Aber - vergleichsweise nur noch sehr selten.

Berichte ihr von einer Kollegin - die sei aber ohnehin ziemlich schräg - die sich einst künstlich aufregte über einen Zusammenprall mit einem Kollegen. Ich fragte sie - wozu sie sich überhaupt aufregt? Das sei halt so - bei ein paar Tausend Leuten - daß man ab und an auf ein rechtes Arschloch treffe. Und - ich empfahl ihr, es einfach an sich runterlaufen zu lassen. Nein - das wollte sie aber nicht. Sie will nicht "so abstumpfen" (wie ich vielleicht?).
Gut. Dann weiterhin viel Spaß beim Aufregen. Muß ja jeder selbst entscheiden. Ich muß heute noch lachen - als ich es der Kundin erzähle.
Irgendwann später - treffe ich wieder auf diese seltsame Kollegin. Inzwischen hatte ich erfahren, daß sie, die einst bei meinem weltbesten Ex-Unternehmer fuhr - diesen verklagt hatte beim Arbeitsgericht. ??? ... Ist immer wieder erstaunlich, was für korrekte Leute von irgendwelchen schrägen Vögeln verklagt werden - wegen nichts und wieder nichts. Jetzt also - ist gerade Kundschaft eingestiegen am Halteplatz - und die Hysterische taucht plötzlich neben mir auf und stellt sich mit ihrer Limousine so neben mich, daß ich nicht vom Fleck komme. Ich habe keinen Schimmer, was die Tante von mir will - sehe nur, daß sie sehr aufgebracht und empört ist. Werde dann von ihr beschimpft - ich hätte sie doch eben "geschnitten" - und ich wüßte das doch ganz genau. HÄ?!!! Ja - und sie fände das total Scheiße von mir .... Wie geschruben - ich weiß  nicht, welche Krankheit sie da genau hat. Und ich entschuldige mich auch nicht für meinen zügigen, aber moderaten Fahrstil bei ihr ... die ich überhaupt nicht gesichtet habe. Habe nur einmal irgendwann gesichtet - wie sie rangiert hat vor einem Hotel und gedacht "Auweia - ´unser´ schönes Auto!" .... Jetzt gucke ich die nur ungläubig an und meine - "Laß mich jetzt mal raus hier. Die Leute warten." Neulich grüßt die mich plötzlich freundlich .... und ich weiß - ich mag sie wirklich nicht.

Nochwas habe ich gelernt - immer zweimal hinhören. Ganz oft habe ich als erstes gedacht - und denke es auch heute noch: "Ach Du Scheiße - wat is dat denn für ein anstrengender, komplizierter Vogel?" wenn die frisch eingestiegende Kundschaft mir schräg oder jämmerlich = jammernd vorkam. Und dann kann es sich im Laufe einer Fahrt - ganz anders rausstellen. Und oft sogar zu einem explizit freundlichen Abschied führen.

Geht aber nur - bei eigener, guter Tagesform. Wenn Du wach bist und weißt - daß auch Du selbst permanent projizierst. Hat auch eine Weile gebraucht - am Anfang waren die noch direkt unten durch bei mir ....

Einige Benimmregeln sollte es m.E. noch geben für´s Taxifahren - nicht nur von unserer Seite, sondern auch seitens der Kundschaft.
 
Grundsätzlich - oberste Regel!:  Nicht ungebeten vollquatschen und zumüllen! Erst mal - wie im richtigen Leben - vortasten, was gerade ist. Und ob es überhaupt was zu reden gibt. Der Mensch am Steuer - hat nämlich zu tun.
(M)ein einstiger Meister-Bruder fuhr ein paar Jahre in den USA und er hat nie mit der Kundschaft gesprochen.
Er fragte mich seinerzeit höchst erstaunt: Du redest mit den Leuten ???
In Berlin - müllen die Kollegen den Beifahrersitz mit Zeugs zu - damit sich niemand neben sie setzt - und sie haben ganz sicher gute Gründe. In der Kolonie - sind wir etwas lockerer gestrickt - aber das ist kein Grund für irgendwelche Despektierlichkeiten  oder Grenzüberschreitungen. Vielen Dank!

Und noch ein paar Dinge:
Erstens: Wenn Du telefonierst - setz Dich bitte nach hinten. Es ist auch dann schon sehr ermüdend und nervig - Deine Gespräche mithören zu müssen!
Zweitens: Normal höflich bleiben. Keinesfalls ohne Absprache duzen!
Drittens: Nicht über Deine intimen Beziehungen, Deine Krankheiten und/oder über´s Wetter reden. Über´s Wetter - niemals. Über alles Andere nur - wenn es sich in einem natürlich-interessiertem Gesprächsverlauf ergibt.
Viertens: Am Flughafen nie ins erste Taxi steigen, wenn Du nur eine kurze Strecke hast! Wir haben zwischen zwei und vier Stunden auf unsere nächste Fahrt gewartet - und wir sind auch nur Menschen, die gerne ihre Miete bezahlen können wollen. Wunder Dich also nicht - wenn wir mürrisch werden ... nach knochenharter Geduldsprobe. Wink Dir einfach unauffällig einen ran - der gerade frischauf vorbeifährt .... der hat was zu gewinnen.
Fünftens: Erzähl uns nie Deine gesammelten Geschichten über schlechte, schmuddelige, orts- und sprachunkundige TaxifahrerInnen. Sonst erzählen wir mal was - über unsere Kundschaft.
Sechstens: Zur Vertiefung - wir sind auch Menschen. Und ein paar Tausend davon. Jeder Jeck - es anders. Und Deine Vorstellungen über "die Taxifahrer" - kannst Du alle vergessen.
Siebtens: Bezahl Deine Fahrt möglichst in bar - und wenn Du möchtest, mit Trinkgeld.
Achtens: Heute benutzt man meistens ein Navigationsgerät statt wie früher mal - eine Karte. Das heißt aber nicht, daß wir nicht wissen, wo´s langgeht - oder unsere Fahrlizenz auf dem Schwarzmarkt gekauft haben.
Soweit erstmal - für´s erste .... könnte sicher noch verfeinert werden.
Und - mal ehrlich - das ist doch nicht zuviel verlangt?
Danke also schon mal - vorab!

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