... das ist ja mal nett. Die ehemalige Kollegin steigt ein - eines der selten gewordenen "kölschen Taxi-Urgesteine", die ich vor ein paar Monden noch in einem wirklich netten Film über Taxileute aus den Anfangszeiten sah. Spreche sie drauf an und sage ihr - daß ich normalerweise freiwillig nach der Schicht sowas nicht angucke - aber das wäre wirklich interessant gewesen.
Mittlerweile fährt sie nicht mehr. Damals fiel sie mir immer wieder mal auf. Nicht nur, weil sie offenbar eine "große Schnauze" hat, wenn´s nötig ist - sondern irgendwie fand ich sie auch "souverän". Und witzig auf ihre Art - sie fuhr zu Karneval die Limousine quasi mit "brauch-gerechten Aufbauten" .... der Hammer.
Ich erfahre, daß sie lange Zeit im Vorstand der Innung mitgewirkt hat. Aber irgendwann - sie ist ja schon weit über Zwanzig - habe sie aufgegeben. Die Zunft sei ja quasi fest in fremdländischer Hand - und die haben immer gegen sie gestimmt. Ja - meine ich - hätte ich schon öfter von einigen Unternehmern vernommen, die auch nicht glücklich sind mit dem, wie es inzwischen läuft.
Ja, die seien aber nun wirklich selbst schuld - wenn sie nicht auf die Versammlungen kämen, meint das Urgestein. Man könne schließlich nicht immer nur drauf warten, daß andere die Dinge für einen nach den eigenen Wünschen regeln. Dat stimmt wohl ...
Ich höre raus - daß das alles kein Kindelspiel war - und das sich mancher einstiger Ärger für sie noch bis in die Jetztzeit zieht in Form von rechtlichen Auseinandersetzungen.
Dann erwähnt sie - sinngemäß:
"Das war doch früher mal unser tägliches Brot - das Gespräch mit den Menschen. Deswegen sind doch viele gerne zu uns gekommen. Und heute - sprechen viele nicht mal mehr die Sprache."
Hebe das hier mal "weihnachtsgrün" hervor - pragmatisch, philsophisch und ethisch gesehen und belauscht - läßt sich das auf sehr viele Lebensbereiche übertragen! Und mit "Srache" ist hier auch weit mehr gemeint, als die bloße Hervorbringung von stammes-gesellschaftlich-vereinbarten Laut-Veräußerungen.
Kann ich bestätigen ... als "Spätgekommene" ... daß ich oft schon hörte: "Ach wie schön - endlich mal eine Deutsche". Denke kurz über den Satz des Urgesteins nach - und da hat sie wohl recht - aus ihrer Erfahrung. Ich werde also in Zukunft etwas milder sein mit solchen mir im Grunde eher unangenehmen Sprüchen ... und vielleicht auch mit diesem "Ach, wie schön - eine Frau." Mal sehen .... meine noch - dat wissen die doch gar nicht, ob das wirklich schön ist. Ich könnte ja auch einfach ein Arschloch sein."
Allerdings - sprechen die meisten Kollegen einst anderer Herkunft, die ich so kenne, entweder von Geburt hierzulande an - oder inzwischen nach Zuwanderung perfekt oder zumindest mehr als ausreichend deutsch - und sind auch sehr freundlich.
Und - ich sei ohnehin schon immer so aufgewachsen - also mit vielen verschiedenen Nationalitäten und kultureller Vielfalt in der Kolonie. Ich kenne es also gar nicht anders, es ist für mich einfach völlig "normal".
Und was bitte - sollen denn die Leute auch anderes machen - als entweder einen Kiosk oder noch eine Döner-Bude oder noch einen Gemüseladen aufmachen? Die kriegen doch oft gar keine anderen Jobs hierzulande.
Oh - getriggert. Sie läßt sich kurz noch drüber aus, wie oft sie als "Nazi" beschimpft worden sei, wenn sie einfach ihre Meinung offen gesagt habe. Und die nimmt sicher kein Blatt vor den Mund.
Auch hier - kann ich nur zustimmen: Davon habe ich ebenfalls mehr als genug - und das lasse ich ebenfalls nicht gelten. Ist zu einfach, die schlechte Nummer - nur en dummer, unsachgemäßer Totschläger.
Sie habe immer gesagt: "Nazi? Was heißt denn das? Nationaler Zionist vielleicht?"
Nicht übel, Frau Kollegin! Ganz und gar nicht übel! Wirklich eine gute, leicht bis schwer verwirrende Gegenfrage.
Manche sind gar "deutscher als deutsch" - da sind wir uns einig. Regen sich ebenso oder gar mehr auf über die anstehende Zuwanderung aus Osteuropa ... und/oder bestehen auf Einhaltung von Regeln und "deutscher Disziplin". Ich benenne es mal so - in der Kürze eines Blog-Postes.
Tatsächlich aber - läßt sich ihre "erfahrene Zeit" mit der meinen gar nicht vergleichen. Sie hat solche Zeiten erlebt - als eine der ersten Frauen überhaupt in dem Gewerbe - als es noch richtig rund lief und mensch davon ein feines Auskommen hatte.
Diese Zeiten, "als die Taxen noch Goldkutschen" hießen - wie es eine Kundin mal zu meinem Amüsement nannte. Heute undenkbare Zeiten - in denen sich ein Taxiunternehmer noch ein Haus bauen konnte von seinem Salär. Lang ist´s her. Und einen traf ich mal - der hatte sich tatsächlich dreie davon gebaut.
Zeiten, in denen die Taxileute in Ruhe Mittag gegessen haben und eine Fahrt deshalben auch einfach ablehnten, weil sie gerade der Muße nachgingen. Diese legendären Zeiten, als es noch keinen "Fehlalarm" über ein elektronisches Display gab - den fast alle Neueinsteiger am Anfang mal aus Versehen auslösen - so auch ich einst ... und im Nachgang etwas beschämt, weil ich eine Stunde lang die Kollegen derart blockiert habe - ohne es überhaupt zu wissen.
Als noch über Funk kommuniziert wurde (ich bin ja sehr froh, daß das nicht mehr der Fall ist und ich mir nicht den ganzen Tag sinnfreies Gequatsche anhören muß!) und bei einem Alarm bzw. Hilferuf sich tatsächlich noch alle in der Nähe befindlichen Taxen auf den Weg gemacht haben, um einem Kollegen beizustehen.
Das alles - habe ich ja gar nicht mehr erlebt.
Das ist schon lange - Nostalgie.
Meine noch - wenn es wirklich mal läuft, ist es im Grunde ein guter Job, in dem man auch viel Spaß haben kann mit den Menschen. Allein - es läuft ja nicht mehr wirklich, schon lange nicht mehr.
Dieses verbliebene kölsche Frauen-Taxi-Urgestein aber - hat das alles erlebt. Und ich vermute mal - das war eine ganz gute Zeit.
Hat mich jedenfalls gefreut gestern, sie nochmal zu sehen.
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