Dienstag, 17. Dezember 2013

Ach, Gott ....

... sag mir doch - wie kommt es, daß ich den Menschen, die Dich gesehen haben wollen, nicht glaube?

Gleich zwei treffe ich. Die wollen wissen, wer Gott ist und was dieser will.
Der eine ist strenggläubiger Muslim - die andere ebensolche Christin einer evangelischen Freikirche.
Beiden lausche ich, so gut es geht, was sie von Dir zu berichten haben, ohne meinen unmaßgeblichen Senf einzuwerfen. Ich interessiere mich - für das, was sie glauben bzw. zu wissen glauben.
Beide mag ich - aber ich glaube ihnen kein Wort. Das weiß ich - weil ich´s im Herzen spüre. Da kommt keine Resonanz - auf Gesetze und Regeln, die Du angeblich aufgestellt hast - dazu noch in Büchern.
Sie machen Dich so klein, dabei behaupten sie, Du seist der Größte.
Sie sagen beide - obwohl sie ja an ganz andere Bücher glauben und sich an diesen festhalten - Du hättest nur das Gute geschaffen - und nicht ALLES.

Ich verstehe und respektiere, daß sie sich an Dir festhalten wollen, daß Leben ist ja auch eine rechte Achterbahn. Aber ich begreife nicht, warum sie Dich so kleinmachen wollen - als Despoten hinstellen wollen, der auf strengen Regeln beharrt und ein eifersüchtiger Kleingeist ist.

Die neununachtzigjährige, sehr schicke und geistig-rege Dame - Donnerwetter! - erwähnt gar, daß Du den Menschen einst  geschaffen haben sollst aus einer gewissen Einsamkeit heraus. Hier hake ich kurz ein und meine:"Genau! Ihm war langweilig - und er brauchte was zum Spielen - mit sich selbst." Die alte Dame meint: "Gut, nennen wir es mal so."
Jemand, dem ich mal lauschte, nannte es quasi "göttliche Masturbation" ... auch eine Möglichkeit, es in Worte zu verknappen.

Sie erzählt mir, wie sie "zu Gott gefunden hat" - nachdem sie mir über ihre eben eingekauften Geschenke für die Hochzeit eine jungen Paares berichtete: Der Bräutigam erhält eine Bibel - das würde ihm sicher gut tun. Und die Braut erhält ein Buch aus ihrem Studienfach Psychologie - allerdings mit Bezug auf die Bibel. Das - finde ich mal ein richtig gutes, interessantes Geschenk! So sind wir also beim Thema.

Sie sei "zu Gott" gekommen in einer schweren Depression, die über Jahre ging und bei der sie zwar in Behandlung war - aber es hatte alles nichts geholfen. Eines Tages aber - vernahm sie Gottes Stimme, die zu ihr sprach, daß sie geliebt sei. Und ein Licht habe sie durchflutet, Gottes Licht.
Daraufhin habe sie mit dem Studium der Bibel begonnen - aber im Gebet. Auch des alten Testamentes. Man müsse dies im Gebet tun - einfach lesen bringe nichts.

Ich höre ihr einfach zu. Sie habe dann von Gott vernommen, daß sie noch einiges zu bereinigen hätte. In sich selbst. Und ihn dann nochmals gefragt - was noch anstehe? Daraufhin habe ihr dieser mitgeteilt - daß ihr Versuch von "autogenem Training" dereinst ein Irrläufer gewesen sei - sie selbst nennt das "Esoterik". Ebenso - wie Meditation. Ich wende kurz ein - daß inzwischen viele "Priester" auch Zen-Meditation betreiben und lehren und daß das nichts Schlechtes sei - im Gegenteil. Aber ich höre schnell - für sie ist das "Esoterik" - und "Esoterik" ist schlecht - wenn nicht gar Teufelswerk.

Eine Frage muß ich ihr noch stellen: Wie es sein könne, daß Gott laut altem Testament ein eifersüchtiger Gott sei? Wo er - als Schöpfer von allem - das doch wahrlich nicht nötig hat? Die Antwort ist wenig erhellend - für mich .... ich habe sie daher auch schon wieder völlig vergessen.

Einmal findet auch der Teufel Erwähnung - der uns ja immer versucht, wie sie es nennt. Ich glaube nicht an eine Trennung dieser Art - ich glaube an eine Schöpfung - und auch nicht an einen personifizierten Gott. Sage gar nichts dazu - aber bemerke es bei mir.

Es ist ja so einfach - alles "Schlechte" einem gefallenen Engel zuzuschreiben und zu -reden - und nicht mehr auf sich selbst zu schauen. Auf das Potential von Allem, im Menschen angelegt. Eine Frage des Gärtnerns ....im Garten Leben.

Nein - ich kann nicht wirklich resonieren mit dieser Dame - obwohl es mich interessiert, was sie für sich zu berichten hat. Und ich sicher bin - daß es für sie ein guter und richtiger Lebensweg war bzw. ist. Ich muß aber auch nicht "widersprechen" - denn es ist gut so, wie es ist.

"Feiern Sie Weihnachten mit Jesus!" sagt sie zum Abschied. Ich nicke nur ein wenig und lächel nochmal - das geht für mich in Ordnung. Habe schon oft mit Jesus - aber auch mit Buddha und anderen gefeiert. Was immer das bedeuten mag. Sicher werde ich mich auch nochmal gerne an sie und diesen Satz erinnern - zur Weih-Nacht, die bei mir zur Wintersonnenwende tendiert ...

Nur - daß Gott eifersüchtig und kleinlich sein soll - daß paßt in meinen Schädel wahrlich nicht hinein.

Zum Abschied - spricht sie mir Gottes Segen aus. Hmmmhhh .... ich bedanke mich einfach mal. Schadet ja nichts. Und frage anschleßend den Schöpfer - wie manche Menschen auf die Idee kommen - sie könnten seinen Segen verteilen - und andere könnten es nicht? Wieso manche Menschen glauben - sie hätten Gott persönlich angetroffen - und andere nicht?Am dringlichsten erscheint mir die Frage - wie manche auf die Idee kommen, sie würden die all-einige Wahrheit kennen - aber andere nicht?
Bekomme hier nur eine dünne Antwort - die lautet etwa: "Es ist ein Spiel. Und dieses ist so groß - daß es eh kein Mensch verstehen kann. Laß doch diese Menschen - einfach in ihrem Glauben - und glücklich damit."
Bin einverstanden.

Auch der strenggläubige Muslim weiß - wie es sich mit Gott verhält. Ich lausche auch ihm und bemühe mich, einfach die Klappe zu halten und nicht etwa "reaktiv" zu sein. Gäbe es einen Teufel - so wäre dieser hier immer wieder versucht, mitten rein zu quatschen und etwas Gegenteiliges und/oder Ketzerisches einzuwerfen - allerdings als offene Frage.

Ich lausche also - so gut ich es vermag. Und am Ende sagt der Kollege zu mir: Das war ein sehr gutes Gespräch. Ich erwidere: Ja - und wir beide werden uns nach dem Tode nochmal wiedertreffen - und uns dann nochmal darüber unterhalten. Nein - das machen wir vorher - ist seine Antwort. Er hat meine Ironie nicht aufgenommen - vermutlich gut so. Ich mag auch diesen - recht gerne. Und respektiere seinen Glauben, so gut ich es vermag.

Aber wieder - wieder und wieder - treffe ich auf diesen kleingeistigen Gott - der hier ein Leben nach vielen Regeln einfordert.
Was ich wirklich respektiere ist das Studium des Kollegen. Obwohl er meine "Gottesstudien" kurzerhand verwirft, nachdem ich ihm mitteile - daß ich mich ebenfalls sehr viel mit Religion befaßt habe. Er fragt nicht nach ... aber weiß:
Man müsse sich - mit einer - mit seiner - in der Tiefe befassen.  Es mache keinen Sinn, viele zu kennen, aber nicht die eigene in ihrer Tiefe.
Und seine ist natürlich die Beste. Klar!
Er begründet das so - daß der Koran quasi die letzte, überarbeitete Version der anderen alten Bücher sei - in dem Gott nochmal bessere Informationen gegeben hat. Auch hier wieder - kann ich gar nicht von Herzen oder aus der Seele resonieren. Aber - es ist eben sein Weg, den er begeistert geht. Das wieder - weiß ich zu schätzen. Auch - wenn es nicht der meine ist.

Mein Weg - besteht bislang aus vielen Versuchen, dem Mysterium näher zu kommen. Und keiner war richtig. Aber auch keiner - falsch. Denke - daß Gott Humor hat und sich denkt - gut, laß sie es halt mal versuchen .... wird eh nicht klappen. Klappt nie - und hat noch nie geklappt.
Immerhin - maßt sie sich nicht an - wirklich etwas über mich zu wissen.
Oder gar meinen Segen zu spenden ....
Die Welt - die Schöpfung - in Gut und Böse - Hell und Dunkel und solches Zeugs einzuteilen.
Manchmal schon - aber nur für alltagstaugliche Moment-Entscheidungen.
Nicht etwa - grundsätzlich.
Immerhin hat sie gelernt - von Dogmatismus Abstand zu nehmen.
Und keinem Menschen je zu glauben - der behauptet, mich zu kennen.
Und immerhin - traut sie mir ALLES zu.

Wäre Gott also ein Zyniker - was er sicher auch ist - würde er sich wohl freuen, daß seine = meine Programmierung gut gelungen ist. Meine ebenso gut - wie die dieser Anderen - die er auf "seine Bücher" programmiert zu haben scheint.

Andere darauf - ihn Göttin zu nennen.
Wieder Andere darauf - nur von "Wissenschaft" zu sprechen.
Und so weiter und so weiter ....
Das Spel mit sich selbst - ist endlos.
Einmal angefangen - hört es nicht mehr auf.
Oder vielleicht doch - eines Tages?
Ich weiß es - sicher nicht.
Manchmal frage ich mich - ob die Schöpfung selbst es weiß?
Und ich glaube nicht einmal das ...

Vielleicht noch dieses: Glaube - versetzt Berge.
Ja - das glaube ich.

Aber ich glaube niemandem - der für sich alleine oder in auserwähltem, kleinen Kreise (die alte Dame berichtete mir u.a. auch von Gottes auserwähltem Volke - was mir schon seit ehedem völlig absurd erscheint!) eine Idee von Gott zu haben glaubt.
Was für eine kleingeistige Anmaßung -  in einer  - gottgebenen!? - Unendlichkeit. 

4 Kommentare:

wildgans hat gesagt…

Wenn jemand zu Gott spricht, nennt man das Gebet.
Wenn Gott zu dir spricht, nennen manche das Wahnsinn.
Du hast also mit derart Erkrankten gesprochen?
Bei mir ging angesichts von Auschwitz jeder Glaube an etwas Übergeordnetes vorbei...

Sati hat gesagt…

Bei mir nicht, liebe Wilde!
Also - ein Glaube an etwas "Übergeordnetes" ... was es allein deswegen zweifelsohne gibt - weil es mich gerade jetzt hier gibt. Ich habe mich nicht selbst losgeschickt .....

Und "Auschwitz" ist immer - jetzt. "Wir Jetztzeitzombies" stehen dem in rein gar nichts nach - im Gegenteil.
Auschwitz - wird heute durch Drohneneinsätze und viele andere scheinbar "ganz normale Begebenheiten" um ein Vielfaches getoppt ....

Zynischerweise - merkt es trotzdem niemand - obwohl wir doch weltweit vernetzt sind.

Habe lange für mich gebraucht - um es zu bemerken. Meine eigene Doppelmoral - weil ich ja früher und lange Zeit immer ein besserer Mensch war - als all die "Auschwitzler".

Irgendwann - ich glaube, der markanteste Anfang war der 11.09.2001 - habe ich bemerkt - daß wir alle in der Jetztzeit - keine Berchtigung haben - unseren Ahnen etwas vorzuwerfen.

Übrigens - zu "Auschwitz" .....
reden wir doch mal zur Abwechslung über die Ausrottung ganzer Kontinente zuvor ...
und nur aus einem Grunde: Damit es nicht allzu einlastig wird/bleibt.
Damit die "Schuld" endlich mal gerecht verteilt wird.
Und womöglich auch die sogenannten "Schulden" ... gleichmäßig verteilt würde es einfach einen Erlaß geben - niemand hat mehr und niemand hat weniger.

Wahnsinn ist m.E. nicht etwa - mit "Gott" im Gespräch zu sein - eher, sich nicht in solchem zu finden.
Wahnsinn ist für mich nur - sich etwas anzumaßen, was eh nicht paßt.

So - weit - und so kurz - aus der unendlichen Achterbahn.
Und aus der konkreten Jetztzeit heraus - in der u.a. ein friedensnobelpreis-fehlgeschmückter-US-Präser jeden Dienstag seine Drohnen-Todeslisten abzeichnet .... und in der die Sprache wahrlich verkümmert.

Spontane Antwort - auf das ewig-wieder-hervorgekehrte, allzu oft nicht in die Jetztzeit reflektierte - transzendierte Stichwort "Auschwitz" .... Sati

mundanomaniac hat gesagt…

Sati: "Wahnsinn ist m.E. nicht etwa - mit "Gott" im Gespräch zu sein - eher, sich nicht in solchem zu finden." ... welch eine wahnsinnige Aussage, ich kann ihr nur beipflichten.

MM

mundanomaniac hat gesagt…

Wildgans, Dir
"ging der Glaube ... verloren."

Jung sagt, es geht nicht um Glauben,
wer "Erfahrung" hat, der brauch nicht zu glauben.
Und was will die Erfahrung von einem?

Ich glaube (!) dass das Göttliche, das laut Meister Eckehardt in der Seele des Menschen zu Gott gewandelt wird, ich glaube, dass es nicht möchte, dass wir es zu "begreifen" suchen, sondern dass wir es zu entwerfen suchen vor offenem Horizont.

Sati, Dir brüderlichen Dank für obigen Feuertanz

Mundanomaniac