Treffe an einem Halteplatz auf einen, den ich noch nie registriert habe zuvor. Seltsamerweise kommt der mir aber irgendwie bekannt vor. Nicht äußerlich - innerlich. Eines der wenigen Urgesteine, er hat schon 35 Jahre Taxi-Karriere hinter sich und ist bereits in Rente. Fährt vermutlich gerade aushilfsweise - es sind Sommerferien und viele sind in Urlaub, die Unternehmer freuen sich, wenn jemand aushelfen kann.
Dieser hier - ist also einer von der alten Sorte. Offen, freundlich und gelassen, bis auf die übliche Nörgelei ... über die schlechte 4-Euro-Fahrt vorher nach langer Wartezeit. "Da hast Du mir ja gerade was Schönes eingebrockt" - ich stand an anderem Platz vor ihm und habe mir außer der Reihe eine Krankenfahrt geschnappt. An diesem Krankenhaus-Halteplatz, an dem sich die immer gleichen stapeln und sich die Reifen platt stehen zu sieben, acht Autos ... viele sind ebenfalls schon Rentner. Und keiner von denen macht Krankenfahrten - am Krankenhaus.
Jetzt treffe ich den also schon wieder und wir vertreiben uns die Zeit mit einem Schwätzchen. Ich lasse mir Nostalgisches aus der einstigen Taxiwelt berichten. Von goldenen Zeiten - in den Siebzigern. Da lief das immer prima und bei solchem Sommerwetter sind die Kollegen mittags kurzerhand mal für ein paar Stunden ins Schwimmbad gegangen, bevor sie später nochmal vier Stündchen gefahren sind. Jeden Tag waren gute 200 DM drin, berichtet er.
Erzählt von den Veränderungen über die Jahre bzw. Jahrzehnte. Unter den Kollegen und auch beim Publikum. Von zunehmder Aggressivität.
Ich kann das ganz gut nachvollziehen, habe ja ebenfalls in meinem Leben viele Veränderungen beobachtet, was "Gesellschaftliches" betrifft.
Auch der Zusammenhalt unter den Kollegen sei viel besser gewesen. Ich frage nach - ob es sowas tatsächlich mal gegeben habe oder ob man das immer nur denkt im Nachhinein? Nein, das wäre schon so gewesen. Kann ich mir insofern gut vorstellen, als daß es ja früher auch viel mehr "feste Leute" gab, die tatsächlich ihr Leben lang den Job gemacht haben. Gibt´s ja kaum noch - nur noch einige wenige Exemplare. Und im Laufe "meiner Jahre" sind schon wieder viele von denen verschwunden. Haben aufgehört und/oder ihre Autos endlich verkauft. Und einige kommen dann wieder, als Aushilfsfahrer, weil sie´s ohne die Straße zuhause gar nicht wirklich aushalten.
Denke kurz nostalgisch, daß früher wirklich mal einiges besser, wenigstens aber anders war. Besser war sicher die Auftragslage, mensch konnte gut von seiner Arbeit leben. Und es gab noch mehr Leben neben der Arbeit. Gemütlichkeit - fällt mir ein. Das kommt von Gemüt.
Wo keine Knappheit an Aufträgen herrscht, braucht auch niemand zu tricksen oder Fahrten klauen. Gab es sicher auch mal hier und da, aber nicht aus Mangel an Gelegenheit, sondern aus Charakterschwäche.
Omis und Opis hatten vermutlch mehr Muße als heute, wo sie manches Mal von den Fahrern angeschnauzt werden, sie sollten sich gefälligst beeilen beim Aussteigen. Und sich oft bei mir unaufgefordert entschuldiigen, daß es etwas - länger dauere. Obwohl ich überhaupt nicht drängel. Lassen Sie sich Zeit - hier die richtige Antwort - für´s beiderseitige Gemüt.
Zeit - haben wir ja noch. Manche jedenfalls. Zeit - für ein freundliches Wort und ein Lächeln. Manchmal sogar für ein überraschendes Gespräch, welches sich am Ziel noch eine Weile fortsetzt, weil´s einfach interessant ist.
Zeit - läßt sich also immer noch manches Mal vergolden.
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