Samstag, 17. August 2013

Seit neuerdings ....

... ist auch die zweite Limousine für "Krankenfahrten" zugelassen. Nach meinerseits genügend hartnäckiger Ansprache an den Unternehmer - entgegen den Wünschen der jahrelangen Limousinen-Diva, die nicht nur diese Fahrten aus irgendwelchen seltsamen Gründen nicht machen wollte, sondern sich bis heute auch gegen meine Lieblingsfahrten mit den Kinderchen stellt - die  1:1 bezahlt werden. Bei Krankenfahrten gibt´s immer ein bischen was hin- und her zu rechnen .... aber letztlich alles ein schlechter Witz - weil in Sekunden machbar - seitens der Diva.

"Ich fahre alle(s) ...." - war bislang immer meine Devise.
Bis auf wenige Ausnahme-Exemplare, die ich alle ein, zwei Jahre mal am Rand stehen ließ, mit etwa 4 Promille im Blut.

Kaum habe ich endlich  diese Option für Krankenfahrten - schnappe ich mir eine solche in der zähen Sommerferien-Mittagszeit - von Platz Drei in der Warteschlange - im "freien Verkauf".

Fahre hin - und treffe auf einen mir bereits "bekannten" Fahrgast. Dieser freundliche, kölsche Katzenliebhaber von neulich, der seiner Katze zusprach, er wolle ihr gar nicht diese schlechte Welt zeigen.

Jetzt - fahre ich diesen zur Strahlentherapie. "Sein Krebs" - ist wiedergekommen, nach ein paar Jahren.
Eine Niere - hat er sich seinerzeit rausnehmen lassen.  Nun sieht es so aus, als sei dieser "Krebs" erneut aktiv - und diesmal streuend.

Ein erstaunlicher Mensch. Wir unterhalten uns - über den Tod und das Sterben. Sind uns einig - daß der Tod an sich nicht zu fürchten ist - nur ein längeres Dahinsiechen, bevor´s rübergeht ....
Er meint - wenn alles klappt, habe er noch ein, zwei gute Jahre vor sich.
Ein lebensfroher Mensch. Bodenständig.

Im Verlauf der Fahrt - nach ein paar typisch "kölschen Witzchen" beiderseits - erfahre ich, daß er auch mit vielen alternativen Heilweisen vertraut ist - und sich bestens auskennt. Hat auch Heilpraktiker und Ärzte im Freundeskreis - ist also gut aufgehoben - und nicht etwa "gläubig ausgeliefert", wie viele Andere.

Ein Ausnahme-Exemplar - besonders, was seine Erwartungen betrifft.
Dennoch meine ich - er solle einfach mal optimistisch bleiben - immerhin gäbe es immer noch sehr viele ganz andere Entwicklungen - als solche, die von irgendwelchen Ärzten prognostiziert und somit auch zu einem gut Teil herbeigeredet würden. Der Mann - weiß das alles.
Und ist dennoch für sich klar - so jung, wie er noch ist - daß es in Ordnung ist, wie es ist.

Morphium hat er genommen gegen seine Schmerzen - und es hat überhaupt nichts bewirkt. Also - hat er´s wieder abgesetzt. Und vieles Andere auch - was lediglich das Körpersystem weiter vergiftet.

Denke - ein klarer Geist. Und eine Seele von Mensch. Verabschiede mich mit "Bis demnächst also!" - was ich auch nicht immer tue. Aber manchmal gibt es solche Seelen - da freust Du Dich einfach, wenn Du sie nochmal wieder triffst.     

5 Kommentare:

mundanomaniac hat gesagt…

Schön Deine Berichte wieder und der weiter andauernde Rückzug ins Einfache (das ein Phänomen des Späten ist). Natürlich sind wir in jungen Jahren vor allzu viel Weisheit verschont. Der weise alte C.G.Jung:
„Seine- Lebenshöhe- nicht- Wollen ist dasselbe wie sein- Ende-nicht-Wollen. Beides ist: Nicht-Leben-Wollen. Nicht-Leben-Wollen ist gleichbedeutend mit Nicht-sterben-Wollen. Werden und Vergehen ist diesebe Kurve. Diese ganz unzweifelhafte Wahrheit macht das Bewußtsein, wenn irgend möglich nicht mit... Ein Junger, der nicht kämpft und siegt, hat das Beste seiner Jugend verpaßt, und ein Alter, welcher auf das Geheimnis der Bäche, die von Gipfeln in Täler rauschen, nicht zu lauschen versteht, ist sinnlos, eine geistige Mumie, welche nichts ist, als erstarrte Vergangenheit. Er steht abseits von seinem Leben, maschinengleich sich wiederholend bis zur äußersten Abgedroschenheit. Was für eine Kultur, die solcher Schattengestalten bedarf.“

Freitagabend fuhr ich mit der Liebsten, beide Fußkrank derzeit)zum Groover nach Oberammergau mit Taxi - hin 40,- , zurück dasselbe. (Konnten wir uns aufgrund zweier Spenden einmalig leisten.)Ich dachte lebhaft an Dich, hätte Dir diese Ausnahmetouren gerne gegönnt. Es war dann ein Traumkonzert vor einigen 30 Leuten im Biergarten. Trotz gezerrter Wade musste ich mich zum Tanzen aufmachen, die Seele hat so im Inneren geschaukelt ... es war dann dieser "Altentanz", wie ich ihn nenne, gesehen (TV) in Afrika, wo die alten Frauen (und Männer) in der langen Reihe der Dorfbewohner durchs Dorf grooven ... Altentanz geht auch bis 88 glaube ich - bei mir auch, wenn sonst niemand mitmacht, die "Mittänzer" sind dann bei mir im Herzen.

Dir und Deinen Fahrgästen, jung und alt, wünsche ich weiterhin dichte, einfache, menschliche, "afrikanische" Momente in der Limousine.
Nicht zuletzt, um mich daran zu erfreuen ...

aus Murnau grüßt, wie immer,

Mundanomaniac

Jan S. Kern hat gesagt…

Liebe Sati,
immer wieder lese ich gerne Deine "Taxi-geschichten", und diese ist besonders schön, finde ich.
Herzliche Grüsse,
Jan

wildgans hat gesagt…

"Altentanz"- datt is ja wohl ma watt Schönes...
Und dieser Fahrgast, ja, wie Du schreibst: ein klarer Geist!

Sati hat gesagt…

"Altentanz" gibt´s auf Kuba ... extra eine langsamer gespielte Rumba für die Senioren. Damit fängt dann das Fest an - bevor die Jungen später immer feuriger und wilder werden. Ich finde das sehr aufmerksam und schön so.

Danke für den C.G.J. ....
Nicht leben wollen = nicht sterben wollen - da ist was dran.

Interessant, diese Überschneidung bezüglich "Fußkranksein" ....

Danke für´s Lesen hier, Ihr Lieben, und für´s freund(schaft)liche Grüßen, Sati

Sati hat gesagt…

PS an MM - Dieser "Rückzug ins Einfache" - ist m.E. die beste Möglichkeit, um dem scheinbar komplizierten Unsinn der Welt zu entfleuchen und sich im Moment zu erfreuen - an dem, was gerade so geschieht.
Christlich-einfach interpretiert:
Liebe Deine Nächsten - und erfreu´ Dich dran.

Freue mich - daß Du für die Schluffen mittanzt, die nicht aus den Hufen kommen.