"Alles redet von Liebeshochzeiten, aber ist das nicht eine ziemliche Gefühlsduselei? Geht es nicht letztlich doch nur um Penis und Vagina? Warum sagt bloß keiner, daß er sich in eine Vagina verliebt hat?"
Das kann mensch natürlich auch drehen - also die Frau, die sich in einen Penis verliebt.
Hoppla - da fängt es schon an mit der Verkultivierung: Eine Frau verliebt sich doch nicht in einen Penis?! Na gut - moderater: In einen hübschen, knackigen Hintern (ein solcher steht übrigens für das Sinnbild eines stoßkräftigen Penis ... ) oder in "seine Art, sich zu bewegen" .... diese sonore Stimme (je sonorer - desto mehr Potenz wird vermutet ...) oder die filigranen Hände ..... kultiviertere Umschreibungen halt.
Frage mich seit gestern, ob ich wohl unromantisch bin .... kann mich zutiefst amüsieren über solche schonungslose Radikalität = reine Wurzelbetrachtung.
Sehe zahlreiche Schwestern tief empört über diesen Spruch vor mir. Besonders, wenn solches von einem japanischen Zen-Macho vorgetragen wird. Und sehe doch eine tiefe Klarheit drin. Bemerke meine eigene Konditionierung - die mich ein wenig vor geschriebenen und damit festgehaltenen Wörtern wie "Scheiße" zögern läßt. Ebenso werden ja eher seltener "Penis" und "Vagina" direkt erwähnt - in der Alltagssprache. Selbst in angeblich aufgeklärten Kulturkreisen hat das noch etwas von Tabu, besonders bei weiblichen Wesen. Außer in einschlägigen Kreisen, die recht tabulos damit umgehen bzw. es schon wieder übertreiben mit der jeweils entsprechenden Fixierung - aber das ist auch nicht wirklich meine Welt. Ja - und auf den Straßen der Kolonie höre ich es auch schon mal eher - zum Beispiel, wenn mich eine junge Mittzwanzigerin heftigst als "blöde Fotze" beschimpft - weil sie selbst schlicht doof ist, sich hinter mir an einem Limousinen-Halteplatz anstellt und auf Ampel-Grün wartet, statt an mir vorbeizufahren. In solchen Fällen - lasse ich gerne das Leben für mich arbeiten - ein registrierender Fahrradfahrer erläuterte ihr gerne seinerseits, daß sie "die doofe Fotze" sei, die nichts kapiert hat. Soweit - noch eine eher harmlose Begebenheit.
Mich beschäftigt mehr der Kontrast zwischen angeblicher "Kultiviertheit" der Menschen - und dem darunter lodernden Trieb, der letztlich immer noch die wichtigsten Steuerungsfunktionen übernimmt.
Nein, ich bin nicht gänzlich unromantisch. Romantisch stimmen mich eine wohltuende Umgebung, Bäume und Blumen, der unermüdliche Hahnenschrei aus der Ferne, der sich den ganzen Tag lang den Hals auskräht (warum auch immer), kurze Begegnungen in stillem, einvernommenen Frieden und seelenwärmende Kerzenlichter.
Männer - eher nicht. Also nicht wirklich, nicht sie selber. Sondern - wenn überhaupt - meine eigenen, illusionären Vorstellungen, denen im Grunde keiner entsprechen könnte, selbst, wenn er sich Mühe gäbe. Bei dieser Art von Romantik ist also Desillusionierung ein fester Bestandteil des Programmes. Was wieder in der Natur der Dinge liegt - weil es eben keine "Rosamunde-Pichler-Männer-und-Frauen" gibt auf dem Planeten. Dennoch schaue ich mir sowas gerne mal an, es ist so herrlich entspannend welt- und lebensfremd - und hat deshalb einen hohen Unterhaltungswert für mich: 90 Minuten purer Sarkasmus.
Oder - anders gesagt - in diesen Momenten der Faszination zwischen Penis und Vagina - kann es auch durchaus einen romantischen Moment geben. Ich bin also durchaus nicht romantik-gefeit - denn ich mag zum Beispiel Lieder wie diese - "Bitte hör nicht auf zu träumen ... von einer besseren Welt ... fangen wir an aufzuräumen ....bau sie auf, wie sie dir gefällt" - vom Xaver N.. - dessen Musik ich ohnehin mag
Vielleicht wurde ja bei meiner Konstruktion einfach nur etwas vergessen - und es fehlt mir daher - von je her - dieser Kinderwunsch, der den Frauen zu eigen sein soll? Und der - vermute ich einfach mal - ein Antrieb sein muß, um von einem Mann mehr als schlichte Erotik zu wollen? Der über das Triebhafte hinaus zu einem natürlichen Nestbauwunsch mit Doppelbett und zwei Nachtskonsölchen führt? Vielleicht - fehlt mir da ein irgendein weiblicher Baustein? Kann man das untersuchen lassen? So ein Doppelbett mit zwei Nachtskonsölchen war immerhin einer meiner größten Albträume über viele Jahre. Obwohl ich - solange der Trieb in aller Klarheit vorherrschte - durchaus glücklich ein nur 90-cm breites Bett - ganz ohne Nachtskonsölchen - mit dem Geliebten teilte und dabei gerne die ein- oder andere Gelenk-Verrenkung am Morgen mit in Kauf nahm.
Will sagen - von je her interessiert mich, worauf die Anziehung der Geschlechter beruht. Und ich komme immer wieder auf die gleiche Grund-Essenz wie der Herr Kodo oben. Als langjährige Nicht-Spezialistin in Sachen Dauerbeziehung - stelle ich mir vor, daß nach Abkühlung des Anfangs-Triebes durchaus auch andere tragende Säulen gebaut werden können, als die anziehende Vereinigung von Penis und Vagina.
Aber welche? Also - genau welche? Ich werde diesbezüglich wohl unwissend sterben müssen, wie´s aussieht.
Erkenntnis-erschwerend kommt mit zunehmendem Lebensalter hinzu - daß mich die wenigsten Männer - heute jedenfalls - erotisch anziehen. Ich mag viele - und unterhalte mich auch gerne mit Männern, es hat oft etwas angenehm-Pragmatisches - aber mit nach Hause nehmen will ich sie nicht mehr. Alles zu seiner Zeit - und meine Zeit scheint hier gesättigt zu sein. Ich nahm einst viele mit nach Hause - oder sie mich - und das Gute war, daß man sich nach Erledigung des Wesentlichen wieder trennte. Wenn mir einer von denen, mit denen ich länger zusammen war, mit "fester Bindung" oder gar potentieller Heirat und Familiengründung kam - mußte ich meist lachen. Im tiefen Wissen darum, daß es sich hierbei um angelernte Vor-stellungen und seit Äonen von anderen vorgelebte, mir seltsam-anmutende Konstrukte handelte, aber nicht um "uns-persönlich" und unsere "Lebenspläne".
Diese Fragen - beschäftigen mich weiterhin manchmal. Und ich frage mich oft, wieso es niemand sagt, wie es ist. Eine - zunächst rein triebhaft-erotische Anziehung - zwischen Penis und Vagina. Begleitet von netten Säuseleien und angenehm irritierenden Augen-Blicken. Eine rein sinnliche Angelegenheit. Mancher "Naturwissenschaftler" würde vielleicht eher von chemischen Prozessen sprechen. Ein "Physio-Gnomist" - hat wieder ein anderes Repertoir an umschreibenden Vokabeln. Und jedes hat dazu noch seine ganz eigene Vor-stellung beizutragen, je nachdem, aus welcher Perspektive es an dieses Phänomen herankommt.
Für mich bleibt es schlicht und zutiefst "triebhaft" - und somit gänzlich unerklärlich. Letzteres auch, weil es in die denkbar tiefste Hypnose führt, wenn es denn auftaucht. Und niemand sucht sich "kultiviert-bewußt" sein hypnotisierendes Gegenüber aus.
Vielleicht fragmenthaft - so suchte ich beispielsweise eher solche Exemplare, denen ebenso das "Bindungsorgan" fehlte. Dennoch - geriet ich auch an andere. Aber hier - konnte ich mich zügig "kultiviert artikulieren".
Soweit - meine immer noch zutiefst unzulänglichen Betrachtungen.
Vielleicht beginne ich nochmal - ganz neu zu forschen -
wie es sich, älter geworden, anfühlt und offenbart ....
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