Montag, 30. Juli 2012

Die Voll-Beschäftigung steigt ...

.... haben die eben im Radio gesagt. Als "vollbeschäftigt" gilt bei dieser "Rechnung", wer mindestens 21 Stunden in der Woche der Lohnarbeit frönt. Ich bekam sofort ein schlechtes Gewissen - habe ich doch derzeit eine 48-Stunden-Woche und besetze somit quasi zweieinviertel Vollzeit-Beschäftigungen! Aber für das Geld von ... höchstens einer. Und dazu noch in vier Tagen statt an fünfen die Woche, faule Sau.
Die Kollegen sind noch gieriger - die arbeiten 5 Tage, viele 6 Tage, einige gar 7. Das - nenne ich egoistisch! Die nehmen ja den anderen die Arbeit weg. Also nicht etwa das Geld - nein, nur die Arbeit.
Und Arbeit macht ja .... bitte selbst ergänzen.
Immerhin - angefangen habe ich auf der Limousine mit 72 Stunden, dann waren es nur noch 60, dann 48 - dann nix mehr zwischendurch ... das war wirklich Bescheidenheit - und ich bin gerne in dieser Weise bescheiden!
Wo ich zuvor gehaust hatte - habe ich teilweise 80 oder 90 Stunden gearbeitet - hatte es mir für mich aufgeschrieben, aus reiner Neugier. Es fand in einem anderen Rahmen als "Lohnarbeit" statt und ging nicht wirklich ums Geldverdienen, sondern um die Hege und Pflege eines Zentrums, in dem viel Gutes stattfand und viele Menschen eine  wohltuende Auszeit nehmen konnten. So ein großes Haus ist ein Faß ohne Boden, da gibt es immer was zu tun. Ich schrieb es also auf - und stellte fest, daß Mensch freiwillig durchaus mehr Einsatz aufzubringen vermag, als unter Lohn-Druck. Hatte eine kleine Logie und allerbeste Kost frei - dazu kam eine kleine "Geld-Grundversorgung" und oftmals noch erstaunlich großzügige Spenden der jeweiligen Besucher. Am Ende hatte ich nicht weniger, als wenn ich in "Lohnarbeit" bin. Wobei ich ja gerade eben nicht in dieser Variante unterwegs bin - sondern auf eigene Kappe. Was reinkommt, kommt rein - was ausbleibt, bleibt aus.
  
Wirklich - ich brauche keine (Lohn-) Arbeit, ich brauche nur Geld. Ich kann mich auch so gut beschäftigen. Das ist mein Mantra - schon seit vielen vielen Monden.

Tatsächlich aber traf ich in der Limousine immer wieder auf Menschen, die ohne "ihre Lohnarbeit" nicht sein wollen. Leute, die froh äußerten, sie könnten jetzt endlich wieder arbeiten gehen, z.B. nach einer Krankschreibung - zuhause wäre es ja so langweilig gewesen und da würde ihnen die Decke auf den Kopf fallen.  Ich traf sogar "1-Euro-JobberInnen", die sich endlich wieder "wertvoll" fühlten, froh waren - endlich wieder "eine Aufgabe zu haben".
Tiefe Trance-Konditionierung - "Nur wer arbeitet, ist auch nützlich.", um es sehr kurz zu halten.  Und eine auf Frondienst begründete "Identität".  Mahlzeit! Die Such-Sucht nach Anerkennung von außen und Zugehörigkeit zu einem Rudel - ist hier noch zu erwähnen. Dies trifft natürlich auch auf Nicht-Lohn-EmpfängerInnen zu.

Ich könnte - ja "Aufgabenverteilerin" werden .... im Rahmen meiner Job-Erfindung. Da fällt mir schon was ein .... oder doch nicht? Kaum etwas fand ich je so anstrengend, wie Anderen zu sagen, was sie bitte tun sollen. Eine echte Geduldsprobe - wo es doch selbst oft soviel schneller geht. Die besten und lustigsten, manchmal auch gnadenlosen  MeisterInnen diesbezüglich fand ich als sogenannte "Betreuerin" bei einer Urlaubsfahrt mit sogenannten "geistig-Behinderten". Sie haben alles bestens gemeistert - und ich habe zunächst Blut und Wasser geschwitzt, weil ich an mich halten mußte, um nicht lieber ein wenig "Tempo" zu machen - bis sie mir die nötige Muße beigebracht hatten. Interessante Selbst-Beobachtung .... 
Eine äußerst kreative Mitarbeiterin während eines meiner ehemaligen Saisongeschäfte - stellte an einem Nachmitag die komplette Dekoration und Auslage um, krempelte den ganzen Laden kurzerhand völlig um  .... ich erklärte ihr - nach einem kräftigen Schlucken und tiefem Durchatmen - nochmal den Hintergrund meines durchaus durchdachten Konzeptes - und sie brachte alles gerne wieder in den Ursprungszustand. Bescheinigte mir anschließend "gute Führungsqualitäten", weil ich nicht ausgerastet sei. Das - werde ich wohl nie vergessen ... muß heute noch lachen, wenn ich an mein blödes Gesicht denke, als ich ihr übereifriges Werk erblickte. Sie hatte sich auch durchaus etwas dabei gedacht - was ich mir gerne kurz anhörte - aber es lief diametral gegen meine Grundidee - vor allem gegen´s Geschäft, und ich war halt die "Chefin".

Also - nenne ich die neue Berufs-Kreation mal lieber "Beschäftigungs-Inspirationsquelle". Klingt freundlicher - und nicht nach KZ-AufseherIn.
Geld - wollen die Leute ja scheinbar eh nicht mehr für ihre Plackerei. Und es würde mir sicher - etwas Angenehmeres einfallen als den "Jobagenturen".  Natürlich gibt es auch Aufgaben, bei denen eine gewisse Plackerei nicht ausbleibt - und die durchaus notwendig und sinnvoll sind - daher wäre eine Rotation der Aufgaben auch ein Teil des Konzeptes - so kommt jede(r) mal "dran" an die härteren Aufgaben, aber auch in den Genuß von kreativen, wohltuenden. Für ein gewisses Grund-Verständnis untereinander sicher förderlich. Selbstredend - rotieren alle "Entscheidungsträger" hier ebenfalls mit den Aufgaben - damit sie auch wissen, was sie tun. Denke drüber nach.

Keine Kommentare: