Dienstag, 10. Juli 2012

Wartezeiten-Philosophie

Stehe mit zwei Kollegen zusammen - ein deutscher, ein türkischer und ich. Von Hölzchen auf Stöckchen - kommen wir zu einem ehemaligen italienischen Fahrer, der einst im Knast landete. Er hatte angeblich seine Tochter im Beisein seiner Frau vergewaltigt. Der deutsche Kollege meint - direkt an die Wand stellen und abknallen. Der türkische Kollege - meint erstmal nichts. Ich meine: Nein! Und gebe das mit einem schweigenden Kopfschütteln kund. "Nein?" -  "Nein!".  Ergänze: "Wenn Du alle an die Wand stellen und abknallen willst, die Scheiße bauen im Leben - dann wären wir plötzlich nicht mehr 7 Milliarden - sondern nur noch ein verschwindender Rest." Der türkische Kollege meint - ja, das ist Unsinn, ein Todesurteil schreckt die Menschen nicht ab.  Aber - es würde natürlich Arbeitsplätze schaffen - wenn wir plötzlich soviele Gruben ausheben müßten .... Ein wenig Sarkasmus.
Der deutsche Kollege - widerspricht nicht, läßt die Dinge auf sich zukommen, obwohl er zuvor einen sehr krassen Standpunkt hatte. Ich frage nach "Was soll denn jemand lernen - wenn er an die Wand gestellt wird?" und ergänze - Du mußt mit den Menschen reden. Wenn Du mit ihnen redest - wirst Du feststellen, daß jeder einen "guten Grund hatte" - um das zu tun, was er getan hat.
Führe das Beispiel "Jürgen Bartsch" aus den 70ern an - ein Kinderschänder und -mörder - über den es eine gute Dokumentation gibt, die mich in jungen Jahren sehr bewegt hat. Dieser Typ - war selbst derart mißhandelt worden als Kind - daß er später wenig Wahlmöglichkeiten hatte. Der Kollege erinnert sich an diese Geschichte.
Wir finden sicher keine Wahrheit - aber ich bin erstaunt, wie gut Taxileute zuhören können.

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