... kann nicht anders. Es ist wirklich eine interessante Geschichte, sich selbst im Laufe der Limousinenjahre zu beobachten - in diesem Gewe(r)be des Lebens. Derzeit - beobachte ich dies nicht nur im Zusammentreffen mit den mir meist fremden Fahrgästen - sondern genieße es mehr denn je, auf lustige "Kollegengesellen" zu treffen. Manch blöder Taxifahrer-Spruch, intern quasi, kann einem einfach den Tag amüsanter gestalten. Hatte mich lange Zeit eher geschlossen gehalten und viel Zeit mit Lesen verbracht. Oder mit seligem Traumschlaf. Hier und da solche gegrüßt, die ich immer wieder treffe - aber nicht ihre Gesellschaft gesucht. Was ich auch jetzt nicht "tue" - aber es ergibt sich neu. Und sie interessieren mich mehr als früher, die Kollegen - seit ich wieder mehr Raum für mich habe und öfter im Licht weile. Literal - denn es graute mir an manchen Abenden davor, zurück in die unfreundlich gewordene, dunkle Basisstation zu kehren - wo selten sowas wie "Ruhe" zu finden war. Oft genug - habe ich mich quasi in der Limousine von der Basisstation "erholt" - mitten auf der Straße. Nach vielen Jahren erst - drückte ich von innen die Knöpfe runter, um wenigstens dort für eine kurze Weile ungestört zu bleiben von solchen - Passanten -, die gnadenlos einfach die Tür aufreissen, auch wenn sie sehen, daß Du gerade weggenickt bist - oder gar etwas ißt. Sie könnten auch den/die Nächste(n) fragen - aber sie wollen Dich lieber stören. Sowas - passiert mir inzwischen kaum noch - und neu ist, daß ich dennoch neutral-freundlich bleibe. Oder ggf. eine harte Grenze setze.
Am ersten Tag meiner "Laufbahn" traf ich auf einen netten Mentor aus dem damaligen Unternehmen, der mir freundlich eine wichtige Dinge erläuterte. Ein alter Hase. Von weiteren solchen - wurde ich an manchen Halteplätzen freundlich und neugierig begrüßt - sie brachten mir Einiges bei, halfen gerne weiter, wenn ich mal eine Frage hatte. Ich freute mich sehr über solche unverhofft freundliche "Aufnahme" des Frischlings, der ich war! Immer besonders darüber, wenn sie schon zwei, drei Jahrzehnte im Gewerbe unterwegs waren - und überhaupt nicht überheblich.
"Willkommen auf dem Platz des himmlischen Friedens - wer bist Du denn?" sagte einer am Anfang zu mir. Ein ganz Netter. Ich verband zwar mit diesem Namen etwas Anderes als er - aber er erläuterte mir, was damit gemeint war. Ein Platz, der gerne von friedlichen und weitgehend streßfreien Menschen angefahren wird. Mein "Lieblingsplatz" bis heute - sollte ich einen wählen. Und einer, auf dem es fair zugeht - keine "Jäger und Räuber" unterwegs.
Traf auch viele Andere - die so gar nicht freundlich waren. Die schon über eine Nachfrage zur Sache gereizt waren. Lernte so, gut zu sortieren. Lernte auch - mit meinen eigenen Ressentiments, besonders gegenüber muselmanischen Männern, aufzuräumen. Je mehr die meinen, anfangs noch heftigen, Ressentiments verschwanden, desto friedlicher gestaltete sich die "Arbeit".
Etwa 60 bis 70 Prozent der Kollegen etwa - kommen aus muslimischen Kulturen - von denen ich sicher am Anfang einen großen Teil für "frauenfeindlich" hielt. Auch hier - gibt es soviele unterschiedliche Facetten. Und Kulturen. Und Typen. Und auch Kolleginnen, die ihren Job machen - ganz wenige Ausnahmeerscheinungen sogar mit "Kopftuch".
Erstaunlich, wenn etwas gelöst ist: Seit einigen Wochen - habe ich meine helle Freude mit einem "fundamentalistischen" Kollegen aus einem ebensolchen Land, der doch so ganz anders über Gott und die Welt denkt - als ich es tue. Und dennoch - ist es jedes Mal lustig und schön, auf ihn zu treffen. Ich bin ja quasi froh - daß er mit mir reden darf - daß sein "Allah" es ihm erlaubt, obwohl ich eine Frau bin. Es funktioniert aber nur, weil ich keine Muslima bin, sondern "ein Kollege". Wir unterhielten uns drüber, unter vier Augen - und unter freiem Himmel.
Ja, das ist völlig verrückt. Und mehr als doppelte Moral. Aber ich mag den einfach. Und in diesem Fall - ist er es ja, der sich selbst bescheißt. Gott sei Dank.
Lustig war auch eine Situation, in der er - mal wieder - "sehr streng" auf mich zukam und ich nur abwinkte, weil ich gerade einfach ein schönes Nickerchen halten wollte - und ein anderer, türkischer Kollege mir daraufhin sehr lebhaft erklären wollte, daß ich wirklich keine Angst vor dem Kollegen zu haben brauche - das sei ein gaaanz lieber Mensch! Der "Fundamentalist" und ich - lachten uns was dazu.
Derart - gibt es in diesem Limousinen-Lenk-Gewerbe - immer wieder Neues zu lernen. Und im Moment richtet sich mein Focus mehr auf die sehr buntgemischte und individuelle Belegschaft der elfenbeinfarbenen Blechkästen, als je zuvor. Höre also derzeit gerne den Kollegen und Kolleginnen zu, wenn sie etwas mitzuteilen haben und es sich ergibt. Und stelle fest - daß viele auch nicht mehr jede Schicht mit zwölf Stunden durchziehen - irgendwann kommt mensch schlechter aus dem Bett - sondern ebenfalls mal ein Auge zudrücken. Ist eh nur Fatma, Kismet, Karma, Schicksal, Lotto .... jeden Tag wieder.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen