Gucke nach langer Zeit mal wieder "Tatort" - aus Köln. Neben der Geschichte - schaue ich mir die Schauplätze an, viele kenne ich - und viele wiederholen sich in dieser Serie. Sinniere über "Zugehörigkeiten" .... alá "Ich bin ...." - war schließlich lange Zeit "Kölnerin", sogar von Haus bzw. Geburt aus. Und habe die meiste Zeit meines bisherigen Lebens in dieser Kolonie verbracht - in der manche ein großes Heimatgefühl hegen. Äußert sich auch gerne in Karnevals-Schnulzen wie "Kölle - Do - bis mi Stadt am Ring (schalala....)" oder "Isch mööt ze Foß no Kölle jon ...".
Bin bisher dreimal weggezogen - und zweimal zurückgegangen. Zweimal nach relativ kurzer Zeit. Beide Male - weniger aus "Heimweh" - als aus Lebens- und Arbeits-Umständen heraus. Nun also der dritte "Absprung" aus der Kolonie, und ich bin zuversichtlich. Vielleicht, weil er sich nochmal "prüfend" vollzieht - ich arbeite ja weiterhin dort, auf allen Straßen. Und freue mich - am Abend herauszufahren aus diesem engen, allwettergleichen Großstadtmolloch. Lasse mir hier einfach recht frischen Abendwind durch Wohnung und Gedanken ziehen.
Ganz ohne jegliches Heimatgefühl - und auch ohne jegliches einer sonstigen "(Orts)- Zugehörigkeit".
Selbst die Landschaft ist nicht die, von der ich immer träumte. Aber - einfach und sehr kurz gesagt - dort, wo soviele schöne Wälder sind und weiter Himmel, läßt es sich für mich sehr gut aushalten.
Alte "Spiele" spielten sich ab - ein Nachbar drückte mir einige alte Knöpfe, indem er mich ansieht, als wolle er mich lieber heute als morgen wieder aus dem Haus haben - und quasi nicht mal mehr zurückgrüßt. Feindbilder ....
Ich lerne schneller, als je zuvor - damit gut für mich umzugehen, indem ich mich drauf besinne, daß er nicht mein Vertragspartner ist und auch meine Aufmerksamkeit nicht weiterhin verdient. Ich muß mir die Unterhaltskosten für mein Dasein jeden Monat - derzeit - recht hart und geduldig erarbeiten und werde mir mein Seelenheil nicht von einem Strunzblöden vermiesen lassen - der mich noch nicht mal kennengelernt hat. Vielleicht - werfe ich ihm demnächst ein überraschendes "Bu !!!" zu ..... so, wie man Kinder gerne erschreckt, statt weiterhin höflich zu bleiben, wer weiß. Oder ich spiegel ihn einfach - mit ebensolcher Hackfresse. Das - wird das Leben bzw. der Moment entscheiden.
Gehöre also gerade - nicht hierhin, nicht dorthin und niemandem.
Finde mich - "identitätslos unterm Himmel wieder" - und finde das (ent-)spannend.
Wäre nicht noch der momentane Broterwerb von Nöten - ich könnte überall hingehen.
An einem neuen - arbeite ich. Innerlich. Lustigerweise - spielte mir das Leben gerade drei Hinweise dazu in die Limousine, welche immer wieder in die gleiche Richtung deuteten - heute der dritte Hinweis - ich bedankte mich bei dem außerordentlichen Fahrgast dafür und erzählte ihm davon - zumal wir beide - gerne - selbstständig arbeiten und dies unser Thema war von Anfang an.
Er bescherte mir eine sehr gute Tour und bestand von Anfang an darauf, daß ich die Uhr laufen lasse - auch, während er noch sein Equipment einlud und zunächst ebenso darauf bestand, daß ich in der Zeit mal "Pause" mache. Er konnte nicht wirklich wissen, daß ich es eher genieße, auch mal mit anzupacken - mein Körper ist ja ständig unterfordert in dem Job. Eine sehr erquickliche, unerhört erfreuliche, gemeinsame "Reise", die wir unternahmen auf dem Weg. durch die Kolonie, über zwei Stationen Ich lud also seine Ausrästung mit ein - und er meinte "Wie Sie sehen, bin ich Architekt". Ich - hatte bislang nicht die Bohne über irgendetwas nachgedacht - und dachte nun schllicht "Hä?". Sagte - ich habe mir bisher keinerlei Gedanken darüber gemacht, aber Sie könnten natürlich auch Musik machen". Na gut, ein Keyboard und ein Micro, aber auch zwei Bildschirme und andere technische Geräte - was weiß ich, was ein Architekt heutzutage so braucht? Natürlich nur ein Scherz von ihm. Über die Musik - kamen wir auf langwilende Musikhistorik an der Musikhochschule - seine Geschichte - landeten im zwölften Jahrhundert choraler, perkussionsloser Sphärenklänge - auf diesem Weg nach Cuba - meine Geschichte, ganz ohne Noten, nur nach Gehör memoriert - und zu freiwillig aus purem Inter-esse gelernter Musikhistorik, die eben auch sehr spannend sein kann - und somit zurück zu vorchristlichen Götterwelten, die uns widerum zu Archetypen, Psychologie und Philosophie führten, natürlich auch in die Absurdität der verlogenen Religionsmoralitäten und in die Doppelzüngigkeiten unserer Zeit - und noch viel mehr. Ein ganzer Kosmos tat sich auf. Übrigens ein Grieche - mit so blauen Augen, wie ich sie bisher noch nie sah. Blau ist falsch - es waren eher zwei tiefmeerblaue Türkise, die nicht nach außen, sondern innerlich funkelten - was ich heute vergaß, ihm mitzuteilen Werde es nachholen, falls ich ihn nochmal fahren sollte.
Eine extra-ordinäre Ausnahmefahrt - wie Urlaub. Mal kurz für eine kleine Ewigkeit geneinsam in die Wesentlichkeit eingetaucht. Anschließend - höchst-erquicklich erfrischt. Und inspiriert.
Er fragt noch nach, ob sich das denn jetzt überhaupt für mich gelohnt habe - weil wir ja soviel Zeit verbracht hätten. Ich sollte auch beim Ausladen die Uhr weiter laufen lassen. Ein sehr seltener Gesell! Oh ja, sage ich, in jedem Fall. Es war - auch monetär - eine sehr gute Fahrt für mich, aber das kann er nicht wissen, denn er vermutet wie soviele vermutlich weit mehr Umsatz für unsere Zunft. Füge noch an - daß das eben auch dieser Luxus ist, wenn mensch selbstständig arbeitet - wenn ich möchte, kann ich mir eben diese Zeit mit ihm schenken - hätte ich das nicht gewollt, hätte ihm das schon längst deutlich signalisiert.
Eine goldene Begegnung. Für mich - und für ihn. Fließend ....
Was kann ich sagen? Danke!
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