Die Flugblattaktion - lassen wir mal sein. In gegenseitigem Einvernehmen und mit dem Segen von bisherigen technischen Problemen, die den Start verhinderten. Mein Drucker ist kaputt - und die E-Mail-Übertragung an den Computer des Nachbarn schlug auf wunderliche Weise fehl. Heute hatten wir beide die gleiche Eingebung - es sein zu lassen. Man soll ja keine schlafenden Hunde wecken oder sich womöglich noch Trittbrettfahrer an Land ziehen. Auch möchte ich gar nicht wirklich meine Telefonnummer in der Siedlung verteilen.
Habe mich nochmal auf die Polizeiwache begeben - und mit dem dort Diensthabenden ein paar Worte gewechselt. Er hat unser Haus freundlicherweise auf die Liste für´s Streifefahren gesetzt. Und empfahl die Installation einer Videokamera mit Gelinse auf unseren gemeinsamen Carport. Gut. Halte ich in diesem Fall für die sinnvollste Lösung - und bei der anstehenden Versammlung aller Bewohner und der Vermieter - werden wir ja sehen, ob jeder bereit ist, seinen Obulus dazuzugeben. Einstweilen - ist eine zumindest nach Außen hin neutrale Haltung dringend geboten - um nicht noch mehr böses Blut zu schüren. Die Geschichte hat sich in der Siedlung ohnehin wie ein Lauffeuer herumgesprochen - und ein Flugblatt ist daher auch überhaupt nicht mehr nötig.
Ich übe mich also weiter darin - mit Unwägbarkeiten zu leben. Und so gut es geht - bei mir zu bleiben und ruhige Nerven zu halten. Grundsätzlich hilft nur - eine eigene, friedliche Grundhaltung. Und Ausrichtung auf erfreulichere Gedanken. Dazu das Wissen darum, daß es überhaupt keinen Sinn macht, gegenüber Leuten, die nicht innerhalb des grünen Bereichs angesiedelt sind - deutlich offensiv zu werden, solange mensch keine konkreten Beweise hat.
Was hier nun in Zukunft geschehen wird - liegt ebenso wenig in meiner Hand, wie es in der Vergangenheit in dieser lag. Werde nach Ersatzfelgen mit Reifen Ausschau halten. Und will zusehen, ob ich nicht noch ein paar Dinge (bleiben nur noch Instrumente - von denen ich immer noch reichlich habe, aber sie ja eh nicht wirklich bespiele) verkaufen kann - so scheinbar schmerzlich es auch scheinen mag - um mich finanziell etwas zu erfrischen.
Habe schon mal ein paar ganz feine Congas fotografiert zu diesem Zweck.
Nehme das alles als Übung - wenn ich auch nicht wirklich "begreife", wozu das alles genau gut sein soll. Vielleicht nochmal als Ermunterung, mich leichter zu machen für den nächsten Aufbruch. Wer weiß ....
Heute morgen kam jedenfalls die klare Botschaft: Bleib in Frieden, Sati. So gut es geht. Anders - geht´s nicht.
Also - rein sachlich gesehen. Schau Dir all die Gefühle an, die hochkommen - aber laß sie auch wieder gehen und halt sie nicht fest. So kitschig es klingen mag - aber die größte Macht ist halt die Liebe. Und ohne diese - bin ich nur sehr schwach. Mit Liebe, liebevollen Gedanken - geht es besser.
In jüngster Zeit - war ich oft mit der Frage konfrontiert "Haben Sie denn einen Verdacht?". Und ich bemerkte - daß ich damit nicht weiterkomme - solange es keine klaren Tatsachen gibt. Immerhin - kann auch alles ganz anders gewesen sein - und ich kann mich auch durchaus täuschen. Das Eine oder Andere ist klar und unzweifelhaft - aber wer hier die Reifen durchstochen hat - bleibt offen. Da gibt es viele Möglichkeiten.
Seit ich hier bin - treffe ich wieder auf dieses alte Phänomen - daß die Menschen in der Umgebung viel reden - wenn der Betreffende nicht anwesend ist. Es wird viel hinter den Rücken geredet. Ich habe einen kräftigen Rücken - und mögliches Gerede hinter dem meinen ist mir recht wurscht. Aber ein "Burgfrieden" - von mir aus auch auf Minimalkonsens - ist mir schon wichtig. Schaumermal .... inzwischen kann ich mich ja weiter erleichtern von immer noch mitgeschlepptem Hab und Gut.
Das ist nicht das erste Mal - daß ich mit seltsamen Ereignissen konfrontiert bin. Eine alte Geschichte fiel mir wieder ein, lange her. Jemand drohte mir, mich umzubringen, weil ich ihn verschmäht hatte. Er lauerte jede Nacht vor meinen Fenstern und schrie laut - er wolle mich umbringen. Mir die Bude abfackeln. Warf mit Wackersteinen in Richtung meiner Fenster im ersten Stock. Die Nachbarn haben´s mir erzählt - ich habe tatsächlich geschlafen. Oh, wohliger Schlaf, was für ein Segen!
Ich ging zur Polizei, um ihn anzuzeigen. Dort traf ich auf einige Männer, die mir zwischen den Zeilen suggerierten, daß müsse ich wohl selbst schuld sein - ich hätte mich ja schließlich auf den Typen eingelassen, via One-Night-Stand. Sehr interessante Erfahrung - nicht nur, weil der Typ mich am Morgen unbedingt heiraten und "zu seiner Frau" machen wollte - sondern auch, weil die Herren Polizisten von mir erwarteten, daß ich hellseherische Fähigkeiten habe, die mir bereits im Vorfeld die nötige Intuition hätten geben müssen. Es handelte sich - um einen sehr schönen und attraktiven Mann - mit vordergründig viel Charme - und ich bin sicher, daß die Herren Polizisten im umgekehrten Fall nicht einmal an hellseherische Qualitäten gedacht hätten. (mein Rand-Beitrag zur "Sexismus-Debatte ....)
Ich hatte eine Kopie dabei - vom Filofax des Wahnsinnigen - die hatte ich mir zügig gemacht, nachdem mir ein guter Kumpel dieses vertrauensvoll in die Hand gab - der Verrückte hatte es eines Abends in der Kneipe vergessen. Wir stießen auf völlig durchgeknallte Einträge und auf zahlreiche Zitate aus "Clockwerk Orange". Ich machte also die Kopie - und gab es danach zügig zurück, damit der Psycho es nicht bemerke. Es stellte sich heraus - das er schon seit Monaten derart unterwegs war und zahlreiche Frauen derart bedroht hatte. Die Adressen hatte ich - in der Kopie vom Filofax. Sie haben ihn dann recht zügig geschnappt - und die nächtlichen Todesdrohungen via Anrufbeantworter und vor diversen Häusern waren Geschichte. Nicht nur für mich. Ein Ami war´s - völlig durchgeknallter Ex-Soldat. Er wurde des Landes verwiesen.
Der fiel mir nun wieder ein. Das hat mich damals ein paar gute Nerven gekostet - und ein paar Nachtschichten. Meine ehrlich größte Sorge damals war - daß er meinen Katzen nichts antut. Hätte ich keine Katzen zu verteidigen gehabt - hätte ich mich einfach schlafen gelegt. Um mich hatte ich wenig Sorge. Hatte aber auch ein paar sehr gute Kumpels, die mir oft Gesellschaft geleistet haben während meiner Nachtwachen - todesmutig. Und das alles geschah - während ich gerade auf einer Großbaustelle lebte - wegen Grundrenovierung meiner vier Wände - zwischen Schutt und Asche. Wenn ich den überlebt habe - und Anderes - werde ich dies hier wohl auch hinkriegen. Ohne Nachtwache - weil keine Katzen oder anderweitig zu verteidigende Wesen vorhanden sind. Mit erstaunlich gutem Schlaf - albtraumfrei und tief. Selig.
Im Gegensatz zu den anderen direkt Betroffenen, die seither nachts wachliegen und nicht in einen solchen Schlaf finden - und zu einer Freundin, die auch nicht schlafen kann wegen Sorgen und mich in ihre nächtlichen Grübeleien miteinbezog, um mich am Morgen anzurufen - mit einer "Idee". Ich bedankte mich herzlich - für´s aufrichtige Mitfühlen und Mitdenken. Die "Idee" war nicht wirklich gut für mich - aber ihr Mitgefühl auf jeden Fall.
Es scheint - am Tage - ein Traum zu sein. Und jeder Traum - läßt sich umträumen. Oder so .....
4 Kommentare:
"Mit erstaunlich gutem Schlaf - albtraumfrei und tief."
Freut mich sehr zu lesen ...
Deine Einstellung erinnert mich erfreulich an eine Episode von seiner Afrika-Expedition die Jung von der Ankunft an der damaligen Endstation der Ugandabahn der Autorin erzählt hat:
>> Die Gruppe wartete auf zwei Autos, mit denen sie samt ihrem umfangreichen Expeditionsgepäck die nächste Etappe ihrer Reise bewältigen wollten. Jung saß auf einer Lebensmittelkiste und rauchte eine Pfeife. Ein älterer Engländer setzte sich zu ihm und zündete ebenfalls seine Pfeife an. Er fragte, ob Jung gerade angekommen sei und wohin er denn gehe. Dann bat er Jung, ihm einen Rat mitgeben zu dürfen, da er bereits vierzig Jahre hier sei:
"You know, Mister, this country here is not man's, it is god's country. So if anything should happen, just sit down, and don't worry." Ohne ein weiteres Wort erhob er sich und verschwand in der Schar der herumlaufenden Schwarzen.<< (Barbara Hannah, C.G.Jung, S.212)
Mein Kommentar dazu: auch in meinem Land hat nie etwas anderes "funktioniert".
Alles Liebe
MM
Danke - dies steht auch so in seiner Autobiografie, ich erinnere mich sehr gut daran beim Lesen Deiner Zeilen.
Auch - wenn ich das Beten scheinbar verlernt habe und der "Glaube" sich gravierend verändert - weiß ich doch, daß ich immer noch in "Afrika" bin.
Wäre ich abergläubisch - würde ich sogar behaupten - ich muß mir die Maske des Königs wiederholen, die ich bei meiner Umzieherei verschmäht habe - und die seither zum Verkauf in einem Laden der Kolonie hängt.
An diese Königsmaske - habe ich in den letzten Tagen tatsächlich denken müssen ... und habe eben der Frau Bescheid gesagt - daß ich ihn wieder zu mir holen werde.
Soweit "Irrationales" - aber der Zorn der Götter - ist nicht zu unterschätzen. Ebensowenig - wie ihr Beistand.
Danke - für die unbeabsichtige Erinnerung, Sati
"You know, Mister, this country here is not man's, it is god's country. So if anything should happen, just sit down, and don't worry." - den habe ich eben mal "dauerverlinkt" - ganz oben rechts - der ist wirklich gut - zur Erinnerung.
Sich im wunschgedachten Paradies einen Panikraum bauen...oder wieder abhauen...
Wie Du damit umgehst...cool und gar nicht artig. Situation zum Haare raufen. Hier bleibt alles ruhig, nur meine Schubkarre rattert gleich durch den Matschegarten. Was für ein Glück (ich doch habe).
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