... ist von ihrem Wellness-Ausflug zurück. Sie hat zwei weitere Jahre TÜV bekommen. Im Prüfbericht steht unter "kleine Mängel" - der Verbandskasten sei zu alt. Das - läßt sich ändern.
Beim Abholen frage ich noch nach, wie die Limousine denn so insgesamt in Schuß sei? Sie sei ja schließlich schon alt. 1996er Baujahr. Gut - ist gut in Schuß! Fein.
Ich freue mich - obwohl ich aktuell ins Minus rutsche ob dieser Ausgabe. Aber ich freue mich darüber, so ein altes, feines Auto zu fahren, gerne zu fahren, an dem ich wirklich nichts auszusetzen habe. Auch der Spritverbrauch hat sich seither nicht grundlegend geändert bei solchen Modellen. Ich sehe also überhaupt keinen Bedarf für ein anderes Auto. Mal ganz abgesehen davon, daß ich gerade auch nichts dafür locker hätte - aber auch, als ich noch einiges locker hatte, habe ich das nie wirklich verstanden, warum Autos nicht solange gefahren werden, wie sie laufen. Zwar heißt es, die Reparaturen würden sich mit der Zeit häufen, aber diese Limousine scheint ein Ausnahmeexemplar zu sein. Sie läuft einfach ... und springt immer an. Vermutlich gibt es aber auch nicht allzu viele Autos, die jedesmal freundlich begrüßt und mit herzlichem Dank für ihre Dienste verabschiedet werden.
Neulich hörte ich von jemandem, daß er gerne mal ein neues Auto fahren würde - aber es ginge nicht, weil sein Daimler aus den 80ern einfach nicht den Geist aufgeben will.
Sogar manche Taxiunternehmer tendieren inwzischen dazu - sich wieder gute alte Modelle gebraucht zu besorgen, weil die noch viel zuverlässiger und robuster sind als die neuen mit der überbordenden Elektronik.
Glücklicherweise hat der Prüfmensch auf allzu viele Details verzichtet - beide elektrischen Fensterheber hinten sind nämlich defekt. Das wäre ärgerlich teurer geworden. Für einen Nutzen, der sich mir nicht unbedingt erschließt.
"Ja, wenn sie einen Unfall haben und das Auto steht auf dem Kopf und sie wollen durch´s Fenster raus ....." - eher habe ich nochmal einen Sechser im Lotto. Passe glaube ich eh nicht gut durch´s schmale Fenster ....
Wenn ich mal meine alten Schätze zusammenrechne - glaube, es ist jetzt mein neunter Gebrauchter - ich fuhr sie alle bis zum Ende - dann komme ich vielleicht auf auf 50.000 bis 60.000 Euro - alles in allem, inklusive Sprit. In etwas mehr als 30 Jahren. Die letzten drei liefen jeweils am längsten. Die, die ich auf reiner Vertrauensbasis erstanden habe. Einen bekam ich mal geschenkt, vom einstigen Geliebten, der war KFZ-Mechaniker. Ging auch ohne Fensterheber durch den TÜV, damals haben wir die noch mit Schraubendrehern "befestigt". Meistens saß ich an einer günstigen Quelle - was die erforderlichen Reparaturen betraf - und/oder eine nötige Neuanschaffung von einem neuen Gebrauchten. Die letzten drei kaufte ich auf reiner Vertrauensbasis - einen treuen VW-Bus von privat und die anderen beiden in einer herrlichen Klitsche in der Kolonie. Polnische Mechaniker - sehr nette, fähige und faire Leute. Als ich mit dem vorletzten Modell auf ihren Hof fuhr, um ihn dort zu lassen zwecks Entsorgung, lachte mich meine aktuelle Limousine bereits wieder an. Sie stand dort - scheckheft-gepflegt und aus Ersthand - eine alte Dame, die in 12 Jahren gerade mal 90.000 Kilometerchen damit gemacht hatte. In den kommenden Monaten refinanzierte sich die Anschaffung fast wieder von selbst - weil mir zweimal jemand in die parkende Limousine fuhr. Nichts Tragisches. Nur zwei kleine Beulen. Das sollte wohl so sein - denn ich hatte bisher noch nie ein Auto ohne Beule gefahren.
Auch diese kleine, klassische "Klitsche" im neuen Ort scheint mir sehr korrekt zu sein. Las mir die Rechnung und die einzelnen Posten eben nochmal durch. Das ist ok. Außerdem - hallelujah - haben sie einen Teil am Auspuff repariert, improvisiert, geschweißt - von dem mir in den vergangenen beiden Jahren von zwei Seiten erzählt wurde, sogar von den improvisationsfähigen Polen - da müsse ein Ersatzteil rein. Dieses alleine hätte neu 400 Euronen gekostet - die ordnungsgemäße Klitsche (das ist meinerseits ein postiv besetzer Ausdruck) - hat das für 80 Euro geregelt, inklusive Arbeit.
Ich freue mich immer wieder - wenn ich auf Menschen treffe, die andere nicht abzocken oder über´s Ohr hauen. Und ich war früher mal mit einigen KFZ-Fachmännern liiert - habe viele Jahre im Ambiente von KFZ-Klitschen und mit dem Geruch von Schmieröl verbracht - von denen hatte ich ganz andere Geschichten zu hören bekommen über die renommierten Betriebe, in denen sie einst gelernt hatten.
Der Nachbar, der mir diese feine Klitsche empfohlen hat - hatte einen Elektronikschaden an seiner Kiste - der sollte 2.500 Euronen kosten. Die Klitsche offerierte ihm die Reparatur für 600 Euro. Das macht doch einen feinen Unterschied.
Wenn ich also die Gebühren rausziehe - bin ich wirklich gut bedient worden, bzw. die alte Limousine. Und wir können nun noch eine Weile gemeinsam diese wirklich sehr schöne Gegend erkunden. Von der ich immer noch wenig kenne - fuhr neulich mal wieder über die Dörfer und durch die wechselnden Landschaften - mit runtergefahrenen Bremsen immer hübsch-steile Gefälle .... und staunte, wie schön es hier ist. Den Fußweg zur Werkstatt bzw. von dieser nach Hause ging ich am kleinen, wilden Fluß entlang ... und freute mich bereits auf den kommenden Frühling, wenn dort alles sprießt. Ist immer noch schön hier - und kann noch viel schöner werden. Der erste Winter - ist so gut wie überstanden - und hat nichts geändert an meiner Erleichterung und Freude, nicht mehr in einer Kolonie zu hausen.
2 Kommentare:
als der mann noch autobesitzer war (vor dem unverschuldeten totalschaden) war TÜV fällig. die voranfrage in seiner werkstatt ergab 1400 €, dies und das müßte ersetzt werden. glücklicherweise hat er sich noch mit mir beraten und nicht gleich genickt. so hat mein geheimer lieblingsschrauber das Auto für 200 €, fürstliches Trinkgeld inklusive durch den TÜV gebracht. es hatte nämlich nichts!! ich lobpreise ihn auch immer auf heftigste, den schrauber, wann immer die rede auf ihn kommt
Falls ich doch nochmal gen Norden ziehe - werde ich nachfragen, Sati
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