Montag, 14. Januar 2013

Saisonables und Hellgesehenes

Ich hab´s ja gewußt, nein gerochen - daß der "Winter" nochmal kommt. Daher war ja auch mein ursprüngliches Begehr auf Urlaub ganz anders gelagert, nämlich exakt in diese Tage. Dann kam die Mär von einer Limousinenübergabe, die immer noch nicht erfolgt ist - und ich plante umständehalber um. Mein Ursprungsplan - aus guter Nase heraus - war: Dem Blitzeis im Januar entgehen und mich einmurmeln währenddessen. Naja - gut - inwzischen wäre ich auch mit meinem Ursprungsplan wieder am Start - bzw. ausgebremst.
Ausgebremst sein - bleibt  zumindest Limousinen-Thema.
Nachdem ich mich vergangene Woche freute, daß meine Privat-Limousine locker durch den TÜV ging, kam der Frost. Zugefrorene Türen, die ich mit einem starken Schraubenzieher am Morgen aushebelte. Alles vereist. Viel Vorarbeit - um überhaupt an den Start zu kommen - und noch lange nicht zur Arbeitslimousine. Gestern - habe ich fast wieder den Vogel abgeschossen - und meine eigene Limousine um ein Haar gewaltsam aufgebrochen, als ich wieder mal  mit dem Schraubendreher an der Tür hebelte, um das Eis zu brechen. Hatte zwar das Schloß auf der Beifahrerseite hörbar aufgedreht zuvor - aber wohl auch wieder zugedreht im Glauben, es ein wenig geschmeidig zu drehen. Als ich also fast die Fahrertür gewaltsam ausgehebelt hatte - ohne, daß sich wirklich etwas spürbar tat - ging ich nochmal rum und sah nach: Aha - Sati - Du versuchst gerade, Dein eigenes Auto zu knacken. Es war abgeschlossen. Ich schloß also nochmal auf - und es konnte bald losgehen. Bald - denn erst mußten jetzt noch alle Scheiben freigeeist werden und der Motor warmlaufen - Eis Eis Eis ..... aber immerhin kein Glatteis auf den Straßen.
Heute morgen freue ich mich sehr - daß unerwartet nichts vereist ist und ich zügig und sehr früh durchstarten kann. Fein! In der Kolonie an und in der Arbeits-Limousine angekommen - beginnt es zu schneien und wir haben übelstes Blitzeis - ich habe meinen ersten Auftrag. Fahre den Mann zu seinem begehrten Ziel - bzw. rutsche ihn dorthin - und entscheide mich für die gesunde Variante: Stehe konsequent und unerschütterlich am nächsten Halteplatz, bis der Streudienst die Bahn freimacht. Zwei Stunden. Ich beobachte zwei Stunden lang stoisch die Vorbeirutschenden, Schliddernden, aus der Spur Geratenden .... ein Daimler ist hoffnungslos verloren auf den Blitzeis-Platten und ich beobachte im Rückspiegel, wie es ihm gänzlich unmöglich ist, seine Blechkiste überhaupt noch in eine Vorwärts-Bewegung zu bringen - das Heck mit dem Heckantrieb trudelt gnadenlos in alle unerwünschten Richtungen. Wenige Idioten hupen. Es ist ein Daimler - der da trudelt. Wie die Limousine. Das denkbar schlechteste Auto für derartige Wetter-Unbilden - wie ich schon mit 18 lernte, als ich einst den Daimler meines Geliebten auf einer völlig vereisten Brücke nicht mehr handhaben konnte - das schwere Blech drehe sich, wohin es wollte und dann um die eigene Achse - und blieb glücklicherweise  irgendwann stehen, nachdem ich meine Hände vom Lenkrad und den Fuß vom Gas und von der Bremse genommen hatte. Ein paar beherzte KFZ-Lehrlinge auf dem Weg zur Berufsschule brachten mir die Kiste mit besseren Nerven, als ich sie nach dem unsteuerbaren Trudeln hatte, wieder runter von der Eisbrücke - mit vielen helfenden und richtungsweisenden Händen. Bis heute - lügt die Werbung im Fernsehen, daß sich die Balken biegen - ein schwerer Mercedes mit Hinterradantrieb und Automatikgetriebe - läßt sich nicht steuern auf Blitzeis. Fertig. Aus. Punkt!
Beobachte auch alle vorbeikommenden Kollegen während meiner stoischen Wartezeit auf den Straßendienst - wie sie  vorbeitrudeln und wie sich das Heck hindreht, wohin es will. Frage mich angesichts der vorbeischlitternden Schnecken - ob mit Vorder- oder Hinterradantrieb - wohin sie gerade zu rutschen wünschen? Und was genau gerade so wichtig sein kann, sich in diese erbarmungslose Eisschlange zu begeben?
Stelle zufrieden fest - daß meine sinnlose Disziplin und der sinnlose Kampfgeist um wenige Euronen gelitten haben in den vergangenen Jahren. Ich bleibe hier stehen - wie geschruben - bis der Streudienst kommt. Basta! Und bis dahin - rechne ich mir aus, für wie wenig Euronen ich mich inzwischen komplett sinnlos gestresst hätte und wie oft ich wieder geschwitzt hätte - noch rechtzeitig in die Bremsen zu kommen - also zu trudeln - weil irre Fußgänger und Radfahrer hemmungslos und planlos über die spiegelglatte Fahrbahn eilen und rutschen. Auch Mütter mit Kinderwagen. Viele rutschen - aber nur wenige schmieren ab.
Mein erster und einziger Fahrgast an diesem frühen Morgen - war Berufskraftfahrer - und erzählte mir noch eine Geschichte von seinem Unfall bei Blitzeis während der Rutschpartie.  Eigentlich - wollte ich ins nächste, nette Café gehen, um den Streudienst abzuwarten - aber es ist viel zu früh. Alles dicht - auch alle Geschäfte. Ok - dann warte ich halt in der Limousine. Bin ja trainert, was das betrifft.
Der Sohn vom Immer-Noch-Unternehmer ruft an - ich soll die Kiste möglichst laufen lassen, die alte Batterie ist noch drin, mit der ich vergangene Woche hängenblieb. Ok. Normalerweise - gehört er zur Kategorie "unerschrockener Weltmeister" - aber heute morgen höre ich erstaunt sowas wie "Ja - Horror" ...... also auf Eis oder Schnee mit diesem Blechtier zu schliddern.
Ich merke - ich hänge noch am Leben.Und an einer ganz guten Gesundheit. Diese mag ich mir nicht abkaufen lassen für ein paar Cent. Habe keine Lust - für nichts und wieder nichts bzw. für ein paar schlappe Euronen - in akute Anspannung zu gehen - was unvermeidlich ist auf solchen Eisplatten. 
Gegen kurz vor zehn - folge ich dem nächsten Impuls - und logge mich wieder ein ins Spiel. Konnte es nicht länger ertragen, eine Kollegin vor mir zu beobachten, wie sie es nicht packt, in eine schiffsgroße Lücke einzuschneisen - und mir noch zuwinkte, ich solle rückwärts setzen, weil ihr die sechs, sieben Meter nicht reichen, um ihren "Touran" rückwärts reinzusetzen. Peinlich .... für die Zunft. 
Bekomme sofort eine Fahrt - es rutscht schon weniger. Und es staut sich überall.
Möbelmesse heute - Auftakt - hatte den Traum von einem guten Lauf geträumt am Morgen, als ich "barrierefrei" aus dem Haus kam.Träume eben. Kleine Träume. Kleine, enge Träume.
Der Tag bleibt ver-rückt - und ich merke wieder mal - daß mich die vielen kleinen, engen Träume nicht mehr wirklich berühren.
Am frühen Nachmittag schnappe ich mir eine "Kurierfahrt" - kenne ich schon, hatte ich schon. Als ich in der Agentur ankomme, sagt man mir lapidar "Ach - da hat sich was Anderes ergeben, können Sie vielleicht in 20 Minuten nochmal wiederkommen?" Nein - kann ich nicht. Es ist gerade Möbelmesse - und dann schauen Sie mal, wo Sie nachher jemand anderen Anderen herbekommen." Bin sauer. Bin durch die halbe Stadt gebrettert - und niemand zahlt mir und dem Auto-finanzierenden Unternehmer  nun auch nur einen Cent für den Ausfall des Auftrages - der ohnehin geringer dotiert ist, als eine normale Fahrt mit Fahrgast. Bin nochmal kurz sauer - weil ich in einem Gewerbe arbeite, in dem der Kunde König ist - und der Dienstleistende "Schütze Arsch" - den man eben  mal ohne Konsequenzen ordern und wieder abbestellen kann. Gebe eine Fehlfahrt ein und rufe die Schichtleitung an - mit der Bitte, mir nicht wieder diesen Auftrag zu geben, wenn die sich erneut melden. Ja, aber immerhin ginge es doch nach Dings .... Ja - und da sind wir wieder bei den kleinen, engen Träumen im Limousinengewerbe. Immerhin - 7,50 Euro für mich - aber nur, weil mein Noch-Unternehmer zu fairen Konditionen arbeitet.  7,50 Euro - für zweimal Anfahrt und Treppen hochlaufen .... über eine Stunde Arbeitszeit - ist das jetzt vielleicht ein "Hauptgewinn"? Ärmliches, erbärmliches Denken - kann auch schmerzhaft sein.
Kriege eine Einsteigerin - zum Bahnhof. Volltreffer - 2,50 Euro. Fange mir anschließend doch noch mal die vorhin beschriebene Botenfahrt auf dem Display ab - bevor ich wieder eine Stunde warte. Schließe Frieden mit der Trulla in besagter Agentur, die ein übles Timing hat - und erzähle ihr derweil, wie wichtig es ist, daß sie dies verbessern kann.  Für alle Beteiligten. Auf einfache Weise: Sie möge doch beim nächsten Mal erst unsere Dienste anfordern, wenn sie auch das zu befördernde Material fertig hat - ich warte wieder - gute 15 Minuten, aber diesmal friedlich und die Gelegenheit für einen Sanitär-Besuch nutzend. Die junge Frau - hat diesmal gleich zwei Wagen geordert - einmal von unserer Zunft und dann noch einen - von einem Kurierdienst. Dieser - erhält diesmal eine Absage. Himmel, Arsch und Zwirn - wieso schalten die Menschen denn nicht ihr Hirn ein? Für´s nächste Mal - hat sie jetzt von mir dazugelernt. Hoffe ich - immerhin ist sie einsichtig.
Auf dem Weg zum Ziel der Botenfahrt - begegnet mir ein Winkender am Straßenrand. Ich bremse ein - denke mir - ok - jetzt muß eben die Agentur ein wenig Zeit haben. Der Typ will ans völlig andere Ende der Stadt - eine gute Fahrt für mich - aber auch schon wieder Zeitstress - immerhin habe ich noch was abzuliefern. Egal - ich nehme das mit. Und brettere anschließend über die erstaunlich freie Autobahn zum Boten-Ziel. Alles gut ....

Komme am Abend unerwartet eisfrei über die ersten Berge des "Bergischen" - und stelle fest, daß es hier viel weniger geschneit hat als in der Kolonie. War hier noch zu kalt.
Kurzform: Ich hab´ mich zwar mal wieder bemüht - sogar einverstanden, indem ich gegen halb fünf aufstehe - aber es war mal wieder nichts. Monetär nichts Erfolgreiches ... und was das Leben betrifft ... ??? .
Weder das Eine - noch das Andere -  macht einen Unterschied.
Ich übe mich - das endlich zu begreifen.

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