... eine Erinnerung kam auf. Die Erinnerung daran, das Sein gut zu beobachten. So oft und so gut es geht. Das "Leben", den Film des Lebens, der sich abspult und die Gedanken, die auf der Spule dazu abrollen. Und auch das eigene "Längst-schon-gestorben-sein". Permanent. Also - ständig - egal wo und wann. Mit der Intention, etwas über mich herauszufinden. Über das "Selbst". Über die Quelle, aus der sich das Leben ergießt. Alles - wie immer - suppendünne Worte. Aber es geschieht etwas dabei. Im besten Fall - macht es nicht mehr diese Unterschiede, wo ich gerade bin und was ich gerade tue - weil Beobachtung von Leben und Lebendigkeit jederzeit und überall stattfinden kann. Auch während der Limousinenzeit. "Aus der Not eine Tugend machen" - lautet ja ein recht bekannter Spruch - und der andere, der dazu paßt, heißt "Erkenne Dich selbst".
Ich beobachte also - endlich wieder - so aufmerksam (das Wort "achtsam" mag ich nicht mehr), wie es mir möglich ist. Beobachte, was der Körper tut - ganz ohne mich. Er ist sehr weise, der Körper. Beobachte Gedanken, die auftauchen - und ordne sie mir möglichst nicht mehr "persönlich" zu. Schaue einfach, was da so alles an mir vorbeiläuft - an Filmen, die bereits vom Traum gedreht sind. Und staune.
Anders gesagt: Hörte neulich noch am Rande, daß mindestens 95 % unserer Handlungen und Gedanken völlig unbewußt ablaufen. Sich diesen 95 % anzunähern - ist ein Abenteuer, welches wirklich manchmal sehr aufregend ist. So aufregend, daß sich plötzlich grundlose Freude einstellt, zum Beispiel darüber, wie sich die Hände bewegen oder wie der Körper atmet. Eingefahrene Gedanken, die sich ständig wiederholen, werden erkannt - und verschwinden recht schnell, wenn sie in ihrer Absurdität gesehen werden. Kostet nichts und alles kann genutzt werden in diesem Abenteuer.
Benutze weiter als Bezugspunkte "Ich" und "Mich" und "Meins" - völlig stressfrei und ganz entgegen so vieler spiritueller Feldzüge gegen das sogenannte "Ego". Es geschieht alles aus dem "Ego" heraus, auch jeder Wunsch, darüber hinaus zu gehen. Im Gegenteil - kann mir das "Ego" sehr nützlich sein und mich immer wieder an meine Übung erinnern - bei mir zu bleiben während die Filme vor sich hinflackern.
Während ich einfach beobachte - scheint es mir, daß ich träume - und daß das Leben einfach geschieht. Das Leben erscheint mir also sehr traumhaft. Und die Beobachtung von allem, was mir als Person in dieser Existenz so gefühlt, erlebt, gedacht, gespürt, wahrgenommen entgegenkommt - und wie ich mich als solche in alledem wiederfinde - ist meine Übung gerade.
Das ist sehr praktisch und pragmatisch. Weil ich mich ja immer noch als Mensch oft in einer "24-Stunden-pro-Tag-Einteilung" wiederfinde, trotz dieser Sehnsucht, einfach in die Ewigkeit einzutauchen und in ihr zu verschwinden. Wobei - das auch nicht wahr ist - denn wäre dieser Wunsch wirklich stark genug, wäre ich wohl schon eingetaucht. Aber etwas will weiter leben und erfreut sich an den Filmen.
Einfache Beobachtung ist sehr pragmatisch - weil die Zeiten, in denen ich mich regelmäßig in eine Art Lotussitz gesetzt habe, um etwas zu finden, was noch nie jemand gefunden hat - wohl lange vorbei sind. Jetzt - ist es eine Art "Wachmeditation" - im Traum von "Alltag". Spannend ist dabei, daß einfach all-es einfliessen lassen kann in diiese "Wachmeditation". Das ist alles, was zu tun ist. Formlos - ohne rituelle Rahmenbedingungen.
Erinnere mich so oft es geht mit der simplen Frage "Was - ist jetzt?" - und beobachte einfach, was gerade im Film des Lebens geschieht. Und das ist höchst erstaunlich - was in jedem Moment sein kann. Ein unerschöpfliches Spiel.
Alle vermeintlichen "Banalitäten" können auf solch simple Manier zu einem großen Abenteuer mutieren. Zeit kann sich ausdehnen oder gleich völlig unwichtig werden. Mein Luxus ist immer noch - ich "habe" viel Zeit für mich in meinem derzeitigen Job. Aber selbst das ist nicht wahr - denn jeder hat ebenso viel Zeit für sich wie ich für mich. Auch in anderen Jobs und in jeder Lebenslage kann mensch sich selbst jederzeit beobachten. Und staunen, was für ein Wunder doch dieses Leben ist. Dies gilt für Höhen und Tiefen gleich. Auch über temporäre depressive Zustände läßt es sich trefflich staunen - ebenso wie über plötzliche Freude - oder über eine mittlere Gleichgültigkeit.
Das sind die Früchte meiner simplen Übung: Verstrickungen in die wechselnden Filme lösen sich, eine wohltuende Gelassenheit stellt sich ein und Freude über dieses Wunder des Seins - in jeder Zelle. Ja genau - auch mein Körperkonglomerat von unzähligen Kleinlebewesen profitiert davon, sie melden es mir ständig erfreut. Sogar der Verstand entspannt sich - weil er sich nicht mehr in unsinnige Geschichten verstricken muß, sondern sich einfach auf Wesentliches konzentrieren kann. Und weil er endlich Wertschätzung erfährt - auf diese Weise. Ich brauche ihn - als Beobachter.
Übrigens - für die wilde Gans - ich bin nicht bek .... - vertrage das Zeug gar nicht. Grüße mit breitem Grinsen - ich bin wohl eher "naturstoned" .....
2 Kommentare:
Soll ich da jetzt gratulieren - oder eher kondulieren? Glaube nicht - daß Du "weiter" bist - sonst hättest Du ja nicht mehr diese Angst vor der Auflösung - oder? Was sich auföst - löst sich auf.
Für noch Bizarreres und Unbegreiflicheres - als das Leben selbst - fehlt mir womöglich das Interesse - was aber auch keine Rolle spielt.
Wäre schön, wenn Du mal deutlich würdest - statt Dich in geheimnisvollen Andeutungen zu ergehen. Aber wie gesagt - wäre schön .... muß nicht sein. Der Raum im Netz ist offen. Gruß, Sati
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