"Als Kind hat jeder Mensch ein Sehnen nach einem großen Glück, das ihm das Leben bringen soll, und nachher verlieren es die meisten Menschen. weil sie ihr Sehnen auf kleine Erfolge und Eitelkeiten einstellen, und lassen sich einreden, das große Glück, nach dem sie sich sehnten, sei eben nur ein Kindertraum gewesen, statt daß sie sich sagen, ich will es finden, nicht so, wie ich es mir als Kind gedacht, aber dennoch finden, so wie es sein muß ...."
(Albert Schweitzer, aus 1913)
"Leben wir nach einem kindlichen Weltbild?" - Alexander Wagandt und Jo Conrad dazu im Gespräch.
(stoppt manchmal mittendrin - geht aber weiter mittels Mausbewegung ....)
Sati dazu - Wir haben in dieser seltsam unklaren Kultur den tieferen Sinn von einstigen Inititationen leider verloren - und wabern mehr oder weniger gehorsam ein Leben lang weiter als "Kinder der Eltern" herum. Die wir schon längst nicht mehr sind. Und auch gar nicht sein sollen. Diese m.E. doch sehr künstlich aufrechterhaltene Bindung an die eigenen Familienangehörigen - verhindert im Grunde den nötigen Respekt vor den übergreifenderen Zusammenhängen - indem sie auf kleine und sehr begrenzte "Keimzellen" beschränkt bleiben soll: Auf Mutti, Papi, Kind. So - wie es die Kinder spielen. Später wünscht sich die potentielle Mutti - ein "eigenes Kind". Das hat mich schon als Kind zornig werden lassen. Weil ich wußte - ich gehöre niemandem. Glücklicherweise fand ich nicht den Prototyp einer Betuttelnden an. Aber durchaus eine - völlig unbewußt - "Machtbesessene" - die glaubte, sie könne diese "Kernfamilie" zusammenhalten. Wozu genau - wußte sie vermutlich selbst nicht - aber sie hatte es so gelernt.
Mein Denken und Fühlen war schon als Kind anders - Respekt vor den Alten und Ahnen ist durchaus hilfreich. Erzwungener Respekt vor bestimmten Einzelpersonen - eher nicht.
Und diese in unserer "Kultur" gegebenen Erwartungshaltungen einer Familie - ein Leben lang von den Mitgliedern versorgt zu werden - sind m.E. völlig verquer. Dennoch spielen die meisten ihr Leben lang mit - obwohl sie eigentlich lieber kotzen würden.
Danke an meinen früh verstorbenen Vater - der sich auf seltsame Weise von mir verabschiedete am Abend, bevor er starb - und quasi mein Einverständnis einholte. Und danke an meine Mutter - die mich bis zu ihrem Ende immer "gezwiebelt" hat mit ihren ihr von Anderen eingegeben Vorstellungen - wie etwas zu sein habe - und wer was zu tun habe. Danke auch - und das ist neu! - an die leibliche und doch so fremde Schwester - daß sie dieses schwere und sinnlose Los der Fortführung von tiefster Heuchelei übernommen hatte - explizit bei der Beerdigung unserer Erzeugerin. Obwohl das Leben zwischendurch viele andere Lektionen gesandt hatte - in denen sie knallhart am Abgrund stand und ich nur noch meiner Mutter und ihrem Sohn zuliebe rein pragmatische Hilfe geleistet habe.
Am Ende - spielten wir unsere mitgegebenen "Kinder-Rollen": Sie als große Organisatorin und blendendes Vorbild - jahrelang zwar nicht wirklich anwesend, aber im entscheidenden Moment, in dem die Kamera angeht - war sie wieder da. Ich die Abtrünnige, Respektlose .... die nicht mal zum Leichenschmaus der eigenen Mutter mitging. Ging nicht - ich hätte sie sonst womöglich verhauen, was ich den Gästen und besonders mir selbst nicht zumuten wollte, ob ihrer Verlogenheit - die ich oft genug ausgebadet hatte in der Praxis. Aber - alles ok, denn die Leute meiner Mutter wußten schon längst ganz gut Bescheid um die "Scheiß-Spiele".
Ganz besonders erhellend zu dieser Zeit, als meine Erzeugerin sich ihrem Ende näherte: Eine wiederbelebte Union von Mutter und Sohn - Schwester und Neffe - die sich nun - ganz neu verbündet - gegen mich erhob. Dem Neffen hatte ich einst in späten Kindertagen die Option eröffnet, seine grausame und heftige Kinderhölle zu verlassen - also seine prügelnde und psycho-terrorisierende Mutter, die ihn zeitweise übelst mißhandelt hatte - körperlich wie seelisch.
Nun - fand ich die beiden vereint wieder, nach vielen Jahrzehnten - und mich als "Räuberin der Schätze meiner Mutter" bezichtigend. Eine sehr interessante Erfahrung. Diese Re-Union des Kindes mit seiner einst mehr als mißbräuchlichen Mutter. Er hatte sich nach vielen Jahrzehnten - an ihrer Seite wiedergefunden und mir Unglaubliches unterstellt - was mich viel lernen ließ über das Leben und seine seltsamen Verbindungen. Das Leben selbst aber - sorgte ironischerweise dafür, daß ich mich völlig unvermutet in einer Art Machtposition über das vererbte Geld meiner Mutter wiederfand - und den beiden ging der Arsch auf Grundeis. Man stelle sich vor - sie hätten recht gehabt mit ihren Vermutungen. Eigentlich - bedaure ich heute fast ein wenig, sie nicht länger gequält zu haben - mit ihren ureigenen Vorstellungen und Erwartungen an meine "räuberische Natur". Der Neffe war zerrissen - auf seiner Suche nach "mütterlicher Liebe". Die Schwester - vom ureigenen, abgrundtiefen Hass. Wobei auch hier für mich die entscheidende Frage bleibt - wessen Erbe sie da wohl auf sich genommen haben mag. Auch sie ist sicherlich nicht mit derartigem Hass geboren worden.
Jedenfalls verpaßte ich - wie immer und aus eigener Blödheit - eine sehr gute Gelegenheit zu süßester Rache. Wirklich - ich hätte sie ein wenig zappeln lassen sollen - in ihren eigenen Bildern!
Das Verrückteste war - daß mir beide unabhängig voneinander etwas erzählen wollten zu meinem Verhältnis zwischen meiner Mutter und mir - welches zu der Zeit längst bereinigt war - auf erstaunliche Weisen. Sie dachten nicht einen Moment lang an sich selbst - und an ihre gemeinsame, völlig verquere Geschichte miteinander.
Auf zahlreichen Beerdigungen von mir irgendwie liebgewonnen Menschen, auch vielen Freunden meiner Eltern, fand ich mich wieder - auf denen ich sie nicht einmal antraf, diese stets nach außen hin gefällige Schwester. "Sie geht nicht gerne auf Beerdigungen" sagte meine Mutter mir dazu. "Aha - dann scheint es wohl eine Art Hobby von mir zu sein", dachte ich nur - sarkastisch - dazu. Ne - das war mir ein Bedürfnis - wenigstens bei der letzten verbliebenen Art von "Initiation" dabei zu sein - und meine guten Wünsche mitzugeben.
Ehrlich gesagt - bin ich meinen einstigen Eltern ganz dankbar - daß sie mich "alleine übrig gelassen haben" - wenn sie auch nicht wirklich was von "Initiation" verstanden haben - mein Vater schon eher. Aber sie haben mir immer irgendwie meine Wege freigehalten. Auch schon zu Lebzeiten. Trotz Unwillens.
Der Neffe - rief mich irgendwann nochmal an vor wenigen Monden - er lebt woanders. Und ich registrierte nur - alles gut - der ist "initiiert".
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