Fahre einen leicht gebückten, stark muffelnden und noch jungen Typen von der Stadt zur Rheinischen Landesklinik - in die Psychiatrie. Wir fahren schweigend, nach anfänglicher Frage zu irgendwelchen Gebäuden am Wegesrand seinerseits, die ich knapp beantworte. Zum Glück ist das nicht sein Hobby und wir fahren schweigend weiter, denn ich bin heute nicht geschwätzig aufgelegt. Dennoch macht mich irgendwas leicht nervös, innerlich. Eine Ahnung - und außerdem bin ich eh mies drauf heute, mit großem Widerstand aufgebrochen und mit schmerzender Hüfte, die immer mal wieder abknickt, wenn es ihr gefällt und mich "Aua" ausrufen läßt. Ich kann nicht mehr - nicht mehr sitzen .
Fahre heute schon zum zweiten Mal - nach vielen Monden - die Psychiatrie mit Gästen an. Eine längere Fahrt, es zieht sich. Am Ziel angelangt bestätigt sich meine nervöse Vermutung - der Typ "bezahlt" mit einem Zettel. Einer, den ich noch nie gesehen habe. Und die Fahrt selbst ist auch nicht als "Krankenfahrt" deklariert.
Ich sage "Ne - den nehme ich nicht, mit diesem Zettel kann ich nichts anfangen, dafür kriege ich das Geld nicht zurück". Zwanzig Euro - und für mich zur Zeit von gewisser Relevanz. "Doch" sagt der - und hört gar nicht zu. Mir reißt der Geduldsfaden, das kommt manchmal vor, wenn lange Ruhe im Karton war. Und diese Zettel sind oft allzu abenteuerlich - irgendwelche Ärzte stellen irgendwelche bunten Transportscheine aus und meinen anscheinend, aufgrund ihrer Autorität wäre das Bargeld wert .... es kommt öfter zu Debatten bei solcherlei Krankenfahrten und verschiedensten Scheinen. Im Zweifelsfall und bei ausgeglichener Verfassung - rufe ich dann in der Zentrale an und kläre das per Handy. Hier - lasse ich mich aber reizen durch diesen Typen - der auch noch frech wird - und ich flippe nach langer Zeit mal wieder kurz aus - und haue mit der flachen Hand auf´s Armaturenbrett, damit der überhaupt mal zuhört. Fehler ... der ist in einem ganz anderen Kosmos ... ich sage "Wir gehen jetzt mal zusammen da vorne zur Information und klären das." - da steigt der einfach aus und geht. Ich sichere die Limousine und eile hinterher, da verschwindet der schon im Aufzug und ich lasse einen lauten Brüll in der Empfangshalle, er solle gefälligst hier bleiben. Weg ist er. Ich bin auf hundertachtzig.
Gehe also mit diesem Scheiß-Zettel zum Pförtner - da steht noch jemand am Tresen. Der geht gerade - und ich lasse noch recht laut und erzürnt mein Anliegen vom Stapel - worauf ich auf´s Schärfste belehrt werde vom Herrn Pförtner: Über die grundlegenden Höflichkeits-Regeln und darüber, daß ich gefälligst nichts an ihm abzulassen habe - sonst würde er mich jetzt sofort vor die Tür setzen.
Ruhig, Sati, ganz ruhig .... atmen .... schön runterkommen. Du hast Dich kriegen lassen.
Früher hätte ich in dem Zustand dem Pförtner vermutlich nur noch mit ein paar sehr kräftigen Schimpfwörtern bedacht ob dieser - recht ausführlichen und klar gesprochenen - Belehrung und wäre, immer noch oder noch mehr, wutentbrannt aus der Tür geeilt.
Heute weiß ich - er hat ja recht. Jaja - ich beruhige mich und ich habe ihn ja auch nicht gemeint. Schildere ihm also den Vorfall - und er schaut nach: Soundsovielter Stock, Station soundso. Danke. Und nichts für ungut - manchmal geht es mit "unsereins" eben auch nochmal durch. Jaja - kennt er ja. Glaube ich ihm.
Auf der Station - komme ich auch nicht wirklich weiter. Staune nur, über das, was ich da am Rande registriere. Ein Arzt meint, ich solle mich an den Pfleger Soundso wenden - der hat die Bude voll mit lauter Patienten, die versorgt werden wollen. Zwar finde ich meinen eigenen Zwergenaufstand inzwischen selber seltsam - aber ich möchte auch keine Extrakosten übernehmen, die mir gerade sehr ungelegen kommen. Hin und her - fruchtlos - der Pfleger hört eigentlich auch nicht wirklich zu, was mein exaktes Begehr ist - nämlich der Umtausch eines wertlosen Zettels in ein valides Papier.
Habe mein Handy mit hoch genommen - und rufe in der Zentrale an. Jetzt erst. Das - hätte ich eigentlich schon unten in aller Ruhe in der Limousine tun sollen, aber daß der mir einfach frech abhaut, hat mich zügig hochkochen lassen.
Die Schichtleitung erinnert sich an den Fahrauftrag, nein, keine Krankenfahrt, sie hat ihn selbst angenommen. Aber in so einem speziellen Fall soll ich mich doch besser mit der Spezialistin für Abrechnungsfragen in Verbindung setzen. Der Azrt taucht wieder auf - und sieht, daß ein gewisses Chaos hinzugekommen ist auf der Station. Ich rede also auch mit diesem - und er meint, daß wäre gar kein Problem - sie würden immer mit diesen Zetteln arbeiten und die Taxi-Zentrale wüüßte Bescheid. Außerdem - ob ich überhaupt wüßte, wo ich sei? Und dann sagt er sowas Diffuses wie "Die LVR - könne alles bezahlen und wenn sie wolle auch eine Klinik (??? jetzt habe ich das Syndrom auch schon - und höre nicht wirklich zu, was er genau sagt) neben dem Kölner Dom bauen. Hä? War das jetzt leichter Größenwahn - oder träume ich das alles nur?
Er würde jetzt mal beim Taxiruf anrufen ... obwohl sie hier genug Anderes zu tun hätten. Letzteres habe ich sehr gut registriert - ein Taubenschlag und viel zu wenig Personal. Überhaupt - was da abgeht und welch "ausgelaugte" Gesichter und Gestalten herumlaufen. Ich sage also. "Nein, lassen Sie - ich rufe jetzt selbst nochmal an." Spreche mit der Fachfrau in der Zentrale - und die meint "Ja, das geht in Ordnung, das kriegen Sie wieder."
Ich bin sehr froh, als ich mich auf den Weg heraus aus diesem Film mache - zum Glück haben die mich nicht dabehalten und mir irgendwelche Tranquilizer gegen temporären Wutausbruch verabreicht!
Vom Pfleger Soundso und seinen Patienten in der Tür - träume ich hoffentlich nicht heute nacht - was für ein Job, mein lieber Scholli.
Als ich endlich zum Aufzug gehe - oh nein, das ist jetzt nicht wahr! - kommt der Fahrgast in die gleiche Richtung und ich denke noch "Du - fährst nicht mit mir zusammen in einem Aufzug jetzt!" ... aber er tut es doch.
Der Pförtner fragt nach, ob ich was erreicht hätte - er war es anfangs, der mir sagte, solchen Zettel kenne er auch nicht. Jetzt sagte ich ihm noch zwecks "sauberer Friedenschließung": Wissen Sie - die bringen mir Zettel - in grün, in rot, in weiß, in grau ....und immer weiß ich nicht, ob mir jemand auch was zurückgibt für diese Zettel. Aber dieser hier - ist wohl in Ordnung." Ne - den kennt er auch noch nicht, aber er weiß, daß sie früher mal ganz andere Zettel hatten, in anderen Farben .... So hat auch er heute wieder was gelernt. Ich bedanke mich nochmal - für seine Geduld. Gut gut. Alles klar. Freundlicher Abschied.
Draußen - weiß ich gar nicht mehr so recht, was da eben mit mir durchgegangen ist. Verlasse zügig das Gelände und gehe erst mal ein paar Einkäufe erledigen. Über mich selbst lachend. Und über den komischen Film.
Das Leben schenkt mir am Nachmittag noch einen kurzen "Ausbruch" - vier Kinderchen, davon zwei sehr angenehm und zwei sehr verquer. Der Kleinste - ist der Schrägste und hat viel Freude am Provozieren. Erst will er gar nicht einsteigen und trödelt lässig herum, obwohl wir schon alle länger auf ihn gewartet haben - und dann gibt es sofort fast eine kleine Schlägerei im Auto, als er einsteigt und zügigst Streit anfängt. Ich lasse also an diesem Tag den zweiten Brüll und sage "Vertragt Euch gefälligst während der Fahrt - ich will nämlich auch nach Hause." Ja - aber - der hat dies und das getan "..... ist mir egal - wir fahren jetzt in Frieden nach Hause: Basta!"
Eine gute Gelegenheit - hier mal die Türen "kinderzusichern". Fenster auch. "Mir wird schlecht." - ruft das Mädchen. Na gut, dann mach halt das Fenster auf und laß es reinregnen .... während der Fahrt muß ich nur noch einmal einen Brüll lassen, also ein Machtwort sprechen. Worauf ich höre "Hey - die Taxifahrerin neulich - die war aber streng, wißt Ihr noch?" und bin beruhigt, denn sie haben wohl gemerkt, daß es rein zweckdienlich und temporär war - ohne ernsthaften Nachhall.
"Hey - der Dings (der kleine Giftzwerg, der viel Spaß dabei hat) macht das Fenster auf, obwohl alle Blätter reinkommen und es regnet!!!" Wir hatten gerade einen schönen Herbststurm am Nachmittag ...
Ich fahre kommentarlos sein Fenster wieder hoch und bediene die Sicherung - für ihn geht nichts mehr - da meint der nur völlig cool "Ach ja - is ja klar - Merceeedes ....." aber er gibt auf. Beim Aussteigen versucht er es nochmal - aber mir hat´s mehr als gereicht heute, daß ich mich einmal habe kriegen lassen. Er - macht mir eher Spaß und hat keine echte Chance mehr.
Insgesamt - ein sehr seltsamer Tag, was die Energien betrifft.
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