Heute morgen lauschte ich. Die Morgen sind am hellhörigsten, die Morgen kurz nach wilden Träumen, wenn die "Welt" noch nicht wieder ganz den Tag übernommen hat, die für mich schönste Zeit des Tages, wenn ich nicht hier und nicht dort bin.
Sehr laut und deutlich erklang ein Schlüsselsatz aus längst vergangenen Tagen, den mein Vater und andere Clanmitglieder gerne zum Besten gaben:
"Vertrauen ist gut - Kontrolle ist besser!"
Sehr laut kam gleichzeitig die Botschaft:
"Nein, Sati - es ist genau andersrum.
Vertrauen ist gut.
Kontrolle - ist irre."
Dieser blöde Spruch hat mich schon als Kind erzürnt. War er doch ein klares Mißtrauensvotum, eine Botschaft an mich, daß man mir nicht vertrauen könne. Eine Botschaft - daß Vertrauen nicht viel wert sei.
Das Gegenteil ist für mich der Fall: Nur mit Vertrauen läßt sich das Leben überhaupt leben.
Kontrolle - ist eine Fiktion.
Und wohin diese führt, kann mensch überall in der Welt sehen.
Vertrauen ist ein Zugeständnis an die Fähigkeit jedes Wesens -
Kontrolle ist die Verneinung der Fähigkeit eines Wesens -
eigene Erfahrungen zu machen und aus solchen lernen zu können.
Vertrauen nährt - Kontrolle schwächt.
Soweit und hier sehr kurz gehalten - bedankte ich mich heute morgen für die erneute Botschaft und beschloß - noch viel mehr zu vertrauen. Und - wieder. Hatte es wohl kurzzeitig - mal wieder - vergessen.
Für mich ist diese Existenz als Mensch ohne "Gottvertrauen" - wie immer man es nennen will, ich nenne es so - nicht vorstellbar.
Manchmal allerdings - übertreibe ich es sogar ein wenig damit.
Also - beschloß ich, doch noch zur Werkstatt zu fahren und das Chassis meines guten alten Autos untersuchen zu lassen auf einer Hebebühne, nach diesem fürchterlichen Knall neulich auf der Autobahn.
Die Werkstatt, die mir der hiesige Nachbar auf eine Nachfrage vor ein paar Monden empfohlen hatte - fand ich wieder einmal nicht am Wegesrand, also fuhr ich weiter zu der Reifenwerkstatt, die mir bereits zweimal auf sehr angenehme und freundliche Weise geholfen hatte. So auch heute wieder.
Eigentlich - war es mir sehr angenehm, wieder dorthin zu fahren, denn mein Gefühl sagt mir, daß ich dort gut aufgehoben bin und die Leute dort vertrauenswürdig sind. Werde wohl bei dieser Werkstatt bleiben - denn ein gutes Gefühl ist nicht zu unterschätzen.
Nach kurzer Wartezeit führ der freundliche Mensch mein gutes Auto auf die Bühne und schaute sorgfältig nach.
Es ist alles an seinem Platz, nichts Auffälliges zu finden. Nur gute Nachrichten beim Durchsehen. Ich bat ihn noch, bei der Gelegenheit die vorderen Reifen durchzuschauen nach potentiellen Schrauben - alles in Ordnung - und nach dem Keilriemen zu schauen, denn mein armes Auto schien ein wenig zu quietschen unter der Motorhaube. Ne, alles gut, ist noch gar nicht alt, der Keilriemen, und prima in Schuß.
Erleichtert - sagte ich ihm "Tausend Dank - für diese guten Nachrichten". Und fragte, was er von mir bekäme? "Nichts - gute Fahrt!" - er verabschiedete mich mit einem vitalen Händedruck (ja - es gibt auch "unvitale" solche ...).
Wow! Gibt es das? Ja - gibt es.
Sagte - dann tue ich was in die Trinkgeld-Box - und er meinte, ja das könne ich gerne tun.
Ich werde - bei dieser Werkstatt bleiben, denn ich habe Vertrauen dort.
Für den demächst anstehenden TÜV werde ich dorthin fahren. Er sagte mir bereits, daß am Auspuff etwas gemacht werden muß, das wußte ich aber bereits. Nur ein weiterer Hinweis für mich - daß die vertrauenswürdig sind. Nein, die neue TÜV-Regelung ist noch nicht in Kraft, "erst mal Bange machen" war sein Kommentar hierzu.
Habe jetzt entschieden, mein gutes, altes und zuverlässiges, zähes Auto - nicht mehr zu "stochen". Wir werden gemütlich fahren - aus Respekt vor seinem höheren Alter .
Das heftige Krachen neulich - nehme ich als Hinweis auf so Einiges.
Vermutlich bin ich schlicht zu schnell über eine Bodenwelle gejagt -
aber das ist gar nicht das Entscheidende.
Ein verrückter Gedanke kam mir noch, kurz nachdem das passiert war: Er - der gute, alte Wagen - hat sein Rückgrat neu ausgerichtet.
Jetzt - bin ich sehr froh, daß ich diese Geschichte habe kontrollieren lassen.
Wollte erst auf gut Glück weiterfahren - aber ich hätte mir nicht verziehen,
wenn durch meine Nachlässigkeit auch noch Anderen etwas passiert wäre.
So gut die Nachrichten heute nach dem Durchchecken waren - danke dafür - so sehr habe ich zusätzliche Schierigkeiten gescheut. Aber hier - halfen keine Scheuklappen (was für ein Wort!).
Eine moderate, vernünftige Kontrolle in bestimmten Situationen - ist also durchaus sinvoll und hilfreich.
Nur - die Menschen sind über diesen Zenit längst hinausgeschossen.
Ich durfte und mußte mich wieder mal daran erinnern lassen,
daß das Leben nicht meiner Kontrolle unterliegt.
Im Gegenteil.
Und durfte auch feststellen - daß ich doch noch nicht lebensmüde und "asozial" bin.
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