Vor knapp dreißig Jahren war das noch ein anderer Film als
heute und ein männlicher Kollegenfreund gab ihr mit auf den Weg, daß die
anderen Herren nur darauf warten würden, daß sie einen Fehler mache – dann wüßte
es in Windeseile die ganze Zunft der Republik, bis runter nach München. Sie
hatte darauf erwidert, daß sie es doch in einem solchen Fall nur ihren vielen
männlichen Vorbildern gleichtun würde – die machten schließlich ständig Fehler.
Als eine räumliche Umstruktierung verschiedener Verkehrszweige anstand, sagte
man ihr, daß der Boss vom neuen Gelände sie nicht haben wolle. Daraufhin
entschied sie: Genau da will ich hin. Und dort ist sie heute noch.
Ihren beiden Töchtern hat sie folgendes mit auf den Weg
gegeben: Ihr lernt einen Männerberuf! Wenn ihr keinen „Männerberuf“ lernt und
als Verkäuferin arbeitet, verdient ihr heutzutage 800 Euro im Monat – und davon
kann niemand leben. Außerdem bleibt ihr Euer Leben lang eine Hilfskraft. Wenn
Ihr einen „Männerberuf“ lernt, verdient ihr soviel, wie ein Mann verdient – und
mancher Mann leistet sich von dem, was er verdient eine Wohnung oder ein Haus,
eine Familie, eventuell eine Geliebte, ein Auto und seine Hobbies.
Soweit die Ansage. Tatsächlich haben beide Frauen technische
Berufe studiert. Wollten wohl erst gar nicht Friseuse oder Verkäuferin werden. Manchmal
klappt´s mit den gutgemeinten Ansagen.
Natürlich - ist auch diese Beschreibung von "Männerberufen" - besonders in diesen sich wandelnden Zeiten - nur mit Einschränkungen zu geniessen -ich arbeite ja auch in einem immer noch vorwiegenden "Männerberuf" - und wie mein Lieblingskollege es gestern morgen noch so gewohnt sonnig formulierte: "Naja, ich habe ein Dach über dem Kopf und für ein Bier und eine Scheibe Brot reicht es auch immer noch."
Natürlich - ist auch diese Beschreibung von "Männerberufen" - besonders in diesen sich wandelnden Zeiten - nur mit Einschränkungen zu geniessen -ich arbeite ja auch in einem immer noch vorwiegenden "Männerberuf" - und wie mein Lieblingskollege es gestern morgen noch so gewohnt sonnig formulierte: "Naja, ich habe ein Dach über dem Kopf und für ein Bier und eine Scheibe Brot reicht es auch immer noch."
Über weitere lustige Themen wie („kann ich ein Frauentaxi bestellen?“
- nein, nicht über die Zentrale … hier: anderes Thema) „Frauenärzte“ kommen wir
u.a. auf das neue, alte Gesetz, welches vor wenigen Tagen in Afghanistan verabschiedet wurde. Und auf Beschneidung. Also knallharte Kastration kraftvoller, weiblicher Lust und Energie, meine Ergänzung hierzu - für die, die es nicht wissen wollen oder sollen.
Sie erzählt mir von Saudi-Arabien, dort sei wohl die
Beschneidung vor einiger Zeit so gut wie verboten worden – bis einige sehr
wohlhabende Scheichs die Aufrechterhaltung dieser „Tradition“ erkauft haben.
Als ich anmerke, daß
leider auch viele Frauen in den betreffenden Ländern diese „Tradition“
aufrechterhalten, weil sie nicht den Mut haben, auszuscheren aus dem Wahnsinn,
spricht sie mir weiter aus der Seele und betont genau dies nochmal: Es sind
vorwiegend die Frauen, die es für sich ändern müssen. Die Frauen sind die
Mütter, die sowohl ihre Töchter als auch ihre Söhne „erziehen“. Sie habe ihren
Töchtern immer gesagt, daß sie alles können, was sie wollen – und auch alles,
was die Männer können. Auch den Einwand von eventuell geringerer Körperkraft
läßt sie nicht gelten – sie selbst hat sich ggf. in der eigenen Not Werkzeuge
und Maschinen zuhilfe genommen, bis das geklappt hat, was klappen sollte.
Diese angebliche „Emanzipation“ sei in gewisser Weise ein
Witz – auch, solange die Frauen nicht mal eine Kiste Wasser selbst die Treppe hochtragen
würden.
Frauen wären sehr stark, könnten immerhin auch die Kinder
gebären und noch viel viel mehr. Frauen hätten früher am Feldrand selbst
geboren, ohne fremde Hilfe. Es habe keine Leiden wie Wechseljahre oder Alzheimer
gegeben – was aber vielleicht daran liege, daß die früher auch nur 35 geworden
seien ob der Plackerei.
Sie ist richtig in Fahrt – und ich bin begeistert über ihre „fundierte
Argumentation“. 1890 sei in der Schweiz die letzte „Hexe“ verbrannt worden, was
ohnehin eine Lüge sei, denn es habe noch nie eine solche „Hexe“ gegeben. Es
seien immer nur Frauen verbrannt worden und noch nie eine „Hexe“. Ich bin echt
erstaunt über diese Jahreszahl – 1890. Nicht
wirklich lange her …. Hatte mich vor Jahrzehnten recht intensiv damit
auseinandergesetzt, aber 1890 verblüfft mich heute kurz. Nur kurz – schließlich
brauchte der letzte Kanton der Schweiz bis in die 1990er Jahre, um den Frauen
das Wahlrecht „anzuerkennen“.
Zu guter Letzt: Es geht uns beiden nicht darum, irgendwen „gleichzuschalten“.
Schlicht darum, daß sowohl Männer als auch Frauen gleichermaßen etwas schaffen
können, wenn sie es denn wollen. Und
darum, daß Frauen sich mehr nehmen
müssen – wenn sie es denn wollen. War sehr erquicklich, diese Schwester.
Sie erzählt mir noch eine sehr lustige und liebevolle
Anekdote von ihrem Partner, der ihr zuliebe die Wäsche abhängen wollte und
dabei sozusagen verunfallt ist … zum Piepen! Ich erzähle ihr nur sehr kurz von
einem ehemaligen Vater, der 1921 geboren war – und sie jault schon – aber so
ist es nicht gewesen, im Gegenteil: Ich habe es als Kind so erlebt, daß dieser
Mann sich nie zu schade war, auch zuhause
mitzuarbeiten. Jede Person meiner Eltern hatte eigene „Jobs“ zuhause, sie haben
sich Arbeit (auf)geteilt und zusammen gearbeitet - zum Beispiel in einem sehr üppigen Schrebergarten.
Bei mir war es der Vater, der mir alles zugetraut hat. Das – erzählte ich der Schwester im Geiste
nicht mehr, doch es verschlug mich am Abend wunderlicherweise im Vorbeifahren
und vor dem Abstellen der Limousine nochmal kurz auf den Friedhof, auf dem es
seit wenigen Jahren sein Grab nicht mehr gibt. Bin heute eh immer wieder „spazierengegangen“
wähend der Wartezeiten, durch den üppigen Frühling am Strassenrand - alle paar
Stunden blüht etwas Neues auf, so schnell kann mensch kaum gucken. War sehr schön
zu sehen auf diesem Friedhof: Über diese Stelle des ehemaligen Grabes ist nun
tatsächlich viel Gras gewachsen, die letzte Abendsonne schien exakt auf diese
ehemalige Zuflucht vom Irrsinn der Kolonie und die alte, knorrige Kastanie
darüber entfaltet wieder üppige Blüten.
Vor etwa sieben Jahren stand ich dort - ohne Wohnung - und bat nochmal um die Hilfe der Ahnen, die in Windeseile kam. Heute grüßten sie mich, ich hatte um nichts gebeten, mit diesem grasbewachsenen, sonnenbeschienenen Platz und ließen mich wissen: Es ist gut, daß Du jetzt gehst.
Vor etwa sieben Jahren stand ich dort - ohne Wohnung - und bat nochmal um die Hilfe der Ahnen, die in Windeseile kam. Heute grüßten sie mich, ich hatte um nichts gebeten, mit diesem grasbewachsenen, sonnenbeschienenen Platz und ließen mich wissen: Es ist gut, daß Du jetzt gehst.
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