Habe im vergangenen Jahr ca. 400 Bücher entsorgt. Hatte nicht alle gelesen ... aber viele. Die, die in der "Willichirgendwannnochlesen"-Abteilung verharrten, mußten jetzt erst recht raus. Habe viele verschenkt - und einige verkauft. Jedes weggegebene Stück ist mir eine Erleichterung. Und - es herrscht wahrlich immer noch keinerlei Mangel, im Gegenteil, es sind immer noch zuviele, obwohl endlich wohltuende Lücken in den Regalen entstanden sind. Drei oder vier habe ich zerrisen und ins Altpapier gegeben - den Inhalt muß mensch auch keinem anderen Artgenossen zumuten.
Es handelte sich fast ausschließlich um einen Fundus an Sachbüchern, Ratgebern und "esoterischen" Schriften im weiteren Sinne. Seit etwa 15 Jahren hatte ich mich mit allen möglichen Glaubensrichtungen und esoterischen Themen befasst - mal mehr, mal weniger intensiv. Fazit: Manches ist inspirierend und hatte seine Berechtigung, war für eine Weile hilfreich, um ein wenig den Horizont zu erweitern oder komplett neue Denkansätze zu geben. Sogar Weltbilder und Sichten auf das Leben. Manches war einfach grauslich und wurde daher auch nur angelesen. Besonders allergisch bin ich seit Jahren auf solche "Tun sie dies und tun sie das"- Anleitungen, die in ihrer Kompliziertheit nur für Verwirrung statt für Klarheit sorgen.
Seit einigen Monden fällt es mir schwer, überhaupt noch etwas zu lesen - eine Übersättigung hatte sich eingestellt und das ganze Zeugs mußte erstmal wieder mental entsorgt werden. Gefiltert. Entleert.
Die Essenz, die übrig bleibt, ist einfach: "Hier stehe ich nun, ich armer Tor ..." Ein sehr gutes Ergebnis, wie ich finde.
Der damals vordergründige Auslöser für meine zügig einsetzende Erkundungsreise war ein Kumpel, mit dem ich für eine Weile quasi "zusammengewachsen" war - und der mir seinerzeit viel zunächst Haarsträubendes vermitteln wollte - so auch, daß dieses Leben in einer Art Zeitschleife stattfände und sich endlos wiederhole - und zwar simultan - in allen Zeiten und in allem, was je geschehen ist. Da ich ihn sehr gerne mochte und durchaus nicht für verrückt hielt - außer temporär auf rein menschlicher Ebene, wie wir es schließlich alle sind - wollte ich es selbst ergründen. An diesen einstigen Weggefährten habe ich nun schon viele Jahre nicht mehr gedacht - und dafür ist Schreiben gut. Danke also heute für die Begegnung.
Die eigentliche Essenz - kann ja eh nicht beschrieben werden. Auch nicht ausgesprochen. Es ist irgendetwas sehr Einfaches und über alle Ausdrucksweise hinaus Wunderbares, welches vermutlich noch jedes Kind für eine Weile erfährt. Bei mir war das jedenfalls so, als ich Kind war. Ohne Zweifel gab es etwas hinter der Materie, was diesen Zauber hier orchestriert und dafür sorgt, daß jedes Wesen seine eigene Geschichte erlebt. Oder so ... Kein Mensch könnte sich die Welt jemals so ausdenken, wie sie erscheint und sich wandelt. Und kein Mensch wird je eine Antwort darauf finden - denn dann - wäre die Welt mit ihren Wundern nur noch eine sehr kleine, begrenzte Kiste.
Gerade schaue ich immer mal wieder in der Limousine in ein Buch vom Herrn Balsekar, Ramesh mit dem amüsanten Titel "Wo nichts ist - kann auch nichts fehlen." - der als ein großes Advaita-Tier gilt. Und ich stelle fest, daß auch seine Worte nur noch sehr dünn bei mir anklingen, obwohl er viel Kluges sagt. Es gibt einfach keine - und das betont er auch selbst immer wieder - Erklärung für das Unerklärliche. Immer fehlt das entscheidende "Stück" zum Himmel - sage ich. Der letzte Tritt auf der Leiter ist für einen erdgebundenen Menschen nicht aufzufinden. Und Heilige - gibt es nicht, hat es nie gegeben. Egal, wer wann auch immer welche Worte verwandt hat, um es zu beschreiben. Die allesamt gescheiterten Versuche, so brillant sie auch anmuten mögen, ähneln sich zwar in ihrem Grund, doch niemand reicht hinüber. Gott sei Dank ...
Natürlich scheitern auch alle naturwissenschaftlichen Ansätze, die nur die Erscheinungen beobachten können und diese irgendwie benennen, je nach aktuellem Glaubens- und Sprachmodell der sogenannten Wissenschaften - doch es bleibt die ewige Frage: Woher kommt das alles, was ist der Ursprung?
Sollte jemand diese ewige Frage beantworten - wäre es tatsächlich der Weltuntergang. Siehe rechts oben unter "42" das zutiefst wissende Zitat von Douglas Adams ....welches eine hervorragende Zusammenfassung der hier beschriebenen "Suche" ist.
Das derzeitige Glaubensmodell der von der Masse anerkannten Schulmedizin hat z.B. diesen eklatant-falschen Ansatz für mich: Natürlich läßt sich alles immer weiter in immer mehr kleinste Einzelteile aufsplitten und zerlegen - aber auch dieser Vorgang ist endlos und führt an kein Ziel. Besonders, wenn dabei das Ganze völlig verloren geht und keinerlei Zusammenhänge mehr hergestellt werden in einem in sich selbst perfekt funktionierenden "System", welches ohnehin niemand je überblicken kann. Das Kleinste und das Größte haben keinen Anfang und kein Ende. Es geht immer weiter ... und weit darüber hinaus, was für unsereins erfassbar ist. Es ist also auch völlig wurscht, ob vor wenigen Jahren das kleinste, entdeckte Teilchen noch "Atom" genannt wurde - oder jetzt "Quantum" oder "Nanopartikel" - es sagt an sich gar nichts aus. Es sind nur Sprach- und Modell-Krücken für alle, die Angst haben, sich ohne solchen Halt zu verlieren.
Einige Zeit hat sich also der Verstand mit der Frage nach dem "Sinn" (keiner zu finden) und nach dem Ursprung (dito) dieser Existenz beschäftigt, aus verschiedenen Gründen. Erst wollte er es einfach wissen - dann erleuchtet werden, um die Welt und ihre temporäre Mühsal, die unerklärliche "Ungerechtigkeit" u.v.m. hinter sich zu lassen und nur noch in glückseligem Zustand zu verweilen. Hat nicht geklappt. Eine weitere Weile benannte ich "Erleuchtung" in "Erleichterung" um - auch dies ein gescheitertes Vorhaben. Also gut - dann eben "Loslassen". Natürlich auch dies nur, um etwas wie Glückseligkeit und Erleichterung zu ereichen. Funktioniert gar nicht. Und so weiter .... In Jahren von recht exzessiver Meditation einige interessante Zustände erfahren. Mal für gut 12 Tage "außerkörperlich" unterwegs gewesen und dem eigenen Körper beim Gehen zugesehen, nicht ganz abgelöst, sondern vielleicht eineinhalb Meter etwas schräg oben über der Fontanelle als beobachtendes "?" positioniert. Sehr interessant - aber anschließend ging es wieder zurück. Hier und da ist die Zeit stehengeblieben und mit ihr die Welt - kennen vermutlich sehr viele Artgenossen. Hier und da mal in goldenem Licht gebadet und bei den ersten Gedanken des Erstaunens wieder zurückgekommen. Ganz ohne Meditation, einfach nachts im Bett liegend, von der "aufsteigenden Kundalini" durchflutet, geschenkt und ohne Übung. Was für ein Ärger für die, die es jahrelang vergeblich versuchen - und was für eine Ungerechtigkeit! Aber immer wieder - zurückgekommen auf die anziehungskräftige Erde. Und dort festgestellt - daß es auch keinen wirklichen Unterschied macht.
Wie wäre es, doch nochmal einen Schritt zurückzugehen und es mit Magie zu versuchen? Klappt manchmal - aber niemand weiß, wieso eigentlich. Und meistens klappt es eh nicht. Außerdem soll mensch sich da mit den wildesten und kompliziertesten Ritualen und Schutzmaßnahmen befassen .... sich gegen eindringende Dämonen und andere schlüpfrige Wesenheiten sichern, bevor es ans Werk geht. Also definitiv nichts für einen schlichten Geist wie den meinen. Die beste Magie ist immer noch die, die nichts braucht als den Geist, der keinen Schutz benötigt. Und wo der herkommt, schrub ich ja bereits.
Geht es vielleicht um Akzeptanz? Wie auch viele behaupten. Also darum, daß ich als lediglich geworfener Stein den Werfer nicht zu erkennen mag? Oder geht es schlicht um Nichts?
In knapp 400 Büchern findet mensch sehr viele Modelle, Vorstellungen, Anregungen, mögliche Antworten ... die eine Weile sehr unterhaltsam sein können für den denkenden Geist, aber alle auch nichts taugen auf Dauer.
Ich glaube, es geht wirklich um Nichts. Und vielleicht noch darum, sich an diesem bestmöglichst zu erfreuen für die ungewisse Zeit, in der ich noch der geworfene Stein sein werde.
Immerhin war die Beschäftigung mit diesen vielen Theorien für etwas gut - ich glaube an keinerlei Theorien mehr. Was auch zahlreiche moraltheologische oder sonstige Vorgaben betrifft - moderne, mammonische Glaubensmodelle wie "Klimawandel" u.a. eingeschlossen.
Das ist schon ein Stück "Befreiung" - irgendwie - auf der geworfenen Bahn. Besonders für eine Person, die einst gerne - trotz aller vordergründigen Offenheit - auf "ihren eigenen Prinzipien" ritt (also auf der von Anderen übernommenen Konditionierung) und somit durchaus auch eine Tendenz zu Dogmatik hatte. Das Großprojekt "Entsorgung" dauert an. Es ist - besser: scheint eine lebenslängliche Aufgabe - innerhalb der Erdgebundenheit.
Simultan dazu (s.o.) vollzieht sich vielleicht eine Öffnung von vermeintlich begrenzten Räumen?
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