Dienstag, 10. Januar 2012

Wandelnde Blutkräfte

Körper, Geist und Seele wandeln sich - ich befinde mich vor der Schwelle zum Älterwerden ... zwar bin ich dort schon von Geburt an, doch die aktuelle Etappe wird allgemein "Wechseljahre" genannt. Was auch nur ein hohler Begriff ist, denn es erlebt ja jede Frau ganz anders. Ein Fahrgästin erzählte mir vor ein paar Wochen, sie bekomme mit Mitte-70 noch Hitzewallungen, es höre nicht auf. Na, dann ... ich bin bereit.
Habe heute zum zweiten Male einen Vorsorgetermin abgesagt, weil der volle Mond mich wieder rief. Ein paar Monate war diese Quelle versiegt - dann tat sie sich, pünktlich wie eh und je, umso heftiger sprudelnd wieder auf. Habe heute auch keinen neuen Vor-Sorge-Termin mehr gemacht, da ich kürzlich beschlossen hatte, mir nie wieder vorher Sorgen zu machen, bevor etwas tatsächlich eingetreten ist.
Beim letzten Vollmond kaufte ich mir "Super-Tampons", worüber die Quelle nur lachte ... es ist schon sehr erstaunlich. Früher kam ich mal mit "Mini" ganz gut aus. Zuhause benutze ich eh lieber einen Kelch, aber unterwegs und in der Limousine ist das manchmal nicht so gut handhabbar.  Gestern abend füllte sich dieser binnen weniger Minuten. Ich finde das alles sehr interessant und beeindruckend - und da ich nicht "schulmedizinsch" intervenieren werde, also keinen solchen Einfluss darauf nehme, beobachte ich es einfach neugierig und unaufgeregt - was auch heißt, daß ich es so nehme, wie es eben ist. Habe nicht die geringsten Ambitionen, mir Hormonpillen o.ä. zuzuführen und geniesse es lieber als ein Art "Katharsis".
In der Tat ist es eher  ein unvermeidlicher Rückzug aus dem tobenden Irrsinn der Welt in etwas, was Dich holt und was Dir sagt, daß Du Dich in ihm nicht um die Welt kümmern brauchst. Erstmals dachte ich nun, wie schade es ist, daß die Männer nicht diese eigenartige Geborgenheit des Vor-sich-Hin-Blutens erleben können. Vielleicht würden sie dann nicht so eifrig in Kriege ziehen, um das Blut von Anderen zu vergiessen? Oder ich würde es ebenso halten, wäre ich einer? Wer weiß ....
Sicher gibt es auch viele, die das Thema "unappetitlich" finden. Ich finde es einfach naturgegeben und denke mehr über diesen Lebenssaft nach, seit er mich einfach überwältigt. Ein Tabuthema immer noch, trotz unserer so "modernen Zeiten" - doch sicher steuert uns das Blut auch heute weit mehr, als wir wahrnehmen. Dabei interessieren mich nicht chemische Zusammensetzungen und auch nicht überromantisierte Frauenliteratur dazu - mich interessiert die Essenz des Blutes als Informationsgeber für meine psychische Verfassung, für meine Wahrnehmung und mein Verhalten in der Welt, welches es ändert. Die Botschaften, die es mir deutlich hörbar übermittelt, wenn es als Mensis kommt und da ist. Es versiegelt mir zum Beispiel den Mund, ich rede nur sehr wenig und ziehe mich innerlich zurück, und ich bin inzwischen sicher, daß das auch ein Gegenüber registriert - in der Limousine kann ich es leicht beobachten: In dieser Zeit reden auch die Mitfahrenden nicht allzu viel, versuchen es nicht einmal.
Ich freue mich, daß ich es noch so erleben und beobachten kann - dachte doch, es sei versiegt.
Kopf-, Rücken- und Gelenkschmerzen ... nehme ich dafür gerne mit ins Paket.  Das einzige, was ich zur Linderung nun probieren werde, ist die Schafgarbe. Die soll sehr gut tun und den Blutfluss regulieren, also ausgleichen. Und es ist die "Hirschpflanze",  also den Zwillingssonnen in der indianischen Astrologie zugeordnet. Nehme es als Ruf zu ihr, mich endlich intensiver mit ihren Wirkkräften zu befassen. Es ist eine Einladung - kein "Leiden".
Unangenehm wurde es allerdings beim letzten Vollmond in  der Limousine. Da sprudelte diese Quelle derart  freudig in mir, daß sie völlig überlief, als ich eben sehr zügig zu einer Bäckerei gehen wollte, um ein bevorstehendes Unglück zu verhindern .... ich hab´s nicht mehr geschafft. Fuhr schnell nach Hause, war - hier wieder Glück - ganz in der Nähe, wusch die Jeans kurz an der betreffenden Stelle mit Salz und warmem Wasser aus, wechselte die Klamotten und fuhr weiter.  Es war nicht einmal peinlich, da es ja niemand außer mir mitbekommen hatte. Allerdings kapitulierte ich am späteren Nachmittag und stellte den Mercedes eine Stunde früher ab. Wie schön, daß ich mit Leuten arbeite, die solche Tabus nicht haben - ich konnte einfach sagen, was ist und wir lachten sogar noch drüber.
Die Schwestern in aller Welt fallen mir immer wieder ein, die nicht mal eben über maschinell-gedrehte Tamponaden oder gar über Kelche verfügen - und dennoch weiter funktionieren müssen auch in diesen Tagen. Auf Kuba bieten manche Leute an den Haustüren Baumwolle an für die Frauen, zum Selberdrehen quasi. Und die Großmütter hier, die noch ihre Stoffbinden selbst auswuschen, mitten im Krieg. Und und und. Schon beachtlich, wie die Frauen das so meistern in den ärmsten Zeiten und Regionen, wo sie keine Drogeriemärkte haben.
Obwohl jede Frau einmal pro Mondzyklus blutet, ist das hier in unserer vermeintlich aufgeklärten Welt ein völliges Tabu - und diese sauberen Werbedamen für´s Tampon kommen mir gerade so albern vor. Man sieht nichts, man riecht nichts .... also ist es auch nicht da. So - halten wir es doch inzwischen mit fast allem. Längst nicht mehr nur mit dem, was natürlich ist. Stimmt aber nicht. Meine Nase riecht es sehr deutlich auf den vielen öffentlichen sanitären Anlagen, die ich während der Arbeit nutze, ob vorher eine Blutende da war. Ich registriere auch, daß da viele Informationen enthalten sind, aber ich bin zu degeneriert, um sie entziffern zu können. Da haben uns die Hunde einiges voraus - die ja gerne menstruierende Frauen anspringen und "mal eben lesen, was da steht".
Wie komme ich jetzt von den Hunden zu einem Ende .... welches ja offen ist, da ich weiter beobachte .... Instinkt vielleicht? Ach - ich lasse es einfach so stehen.

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